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20. November 1045 - Romsdal
Vel ergriff die ihm gebotene Hand und kam auf die Beine. Er taumelte und spukte Blut.
Der Krieger, der ihm soeben das Leben gerettet hatte, war etwas größer und älter als er. Er hatte langes, hellbraunes, fast blondes Haar; dichte, tiefsitzende Augenbrauen und ein breites, bartloses Kinn.
Er wartete einen Moment und sprach dann weiter: "Sei gegrüßt Veldoras, mein Name ist Hjalmar. *er machte eine kurze, andächtige Pause* Man schickt mich den weiten Weg aus Västmansland zu euch, um über euer Leben zu wachen ... gerade zur rechten Zeit wie mir scheint", fügte er leicht lächelnd hinzu.
Veldoras ging langsam neben Hjalmar durch den dunklen Kerker, der für die letzten Wochen und Monate sein unwirtliches Zuhause war. Unterwegs sah er, das auch seine Freunde befreit wurden. Die Norweger waren endlich eingetroffen und haben Romsdal zurückerobert.
"Du bist sicher neugierig was sich so zugetragen hat. Ich will euch berichten."
Noch zu benommen um seine Gedanken zu ordnen und Fragen zu stellen, ging Vel, den Ausführungen Hjalmar's lauschend, die grob gehauene Steintreppe nach oben.
"Die Staufer, die euer Heer vor einigen Monaten aufgerieben haben, haben danach auch noch Thule und Trondelag verwüstet. Soweit ich gehört habe, wurde Trondelag jedoch wieder befreit und die nächste Schlacht um Thule steht an.
Im Südosten des Landes sind die Sachsen mit 3 Heeren eingefallen. Italiener, Franken, und weitere Christen sind angeblich auf dem Weg."
Vel war noch immer benommen und die Worte Hjalmars trafen ihn, als wären es weitere Schläge des staufischen Wärters gewesen. Er kämpfte damit, nicht das Bewusstsein zu verlieren. Alles drehte sich. Er war verwirrt. Wie konnte es nur soweit kommen?
Er war weniger darüber verwundert, das sich der Feind, feige wie er war, nur mit einer überwältigenden Übermacht in den Norden traute, als vielmehr darüber, das er es überhaupt tat.
Selbst den geistig Verwirrten, müsste doch wohl klar sein, das sie Schweden nicht in die Knie zwingen könnten. Sie konnten Grafschaften besetzen, so viele sie wollten, aber die würde man wieder befreien. Sie konnten Felder in Brand stecken und Dörfer verwüsten - man würde sie wieder aufbauen. Wer hier oben im Norden geboren ist, ist ein hartes Leben gewohnt und so etwas wie Kriegsmüdigkeit gibt es unter Nordmännern nicht. Aber sei es wie es sei. Sie würden wohl kaum zur Vernunft kommen.
Das sich nun jedoch auch etliche andere christliche Völker dem Feldzug der Staufer - wie Aasgeier - angeschlossen hatten, war dagegen leider wenig überraschend. Feiges Pack! Und uns nennen sie plündernde Barbaren?!
"Gibt es vielleicht auch eine gute Nachricht, Hjalmar?", fragte Vel schließlich.
"Wenige - eigentlich Keine.", sagte er trocken, blieb dann stehen, kramte in seinen Sachen und reichte Veldoras ein Trinkhorn. "Aber ich habe hier noch etwas Met für euch."
Vel nahm das ihm Gebotene lächelnd an.
"Was... was meinst du überhaupt... du wurdest geschickt? Von wem?", fragte Vel weiter.
Hjalmar überlegte kurz und erwiderte dann: "Natürlich. Entschuldigt - woher solltet ihr das Wissen. Unser Thane und seine Huskjarle haben entschieden euch zum Jarl von Värmland zu ernennen."
"Zum Jarl!", fragte Vel ungläubig nach.
Hjalmar zog die Schultern hoch und schmunzelte: "Naja, wird schon einen Grund haben."
Vel freute sich sehr über das ihm offenbar entgegengebrachte Vertrauen, auch wenn die neue Situation seine Sorgen derzeit nur noch mehrte.
Sie verließen gemeinsam den Kerker und Vel verbrachte unter Protest die Nacht im Heerlager der Norweger. Lieber wäre er sofort aufgebrochen.
29. November 1045 - Thule
Seiner Jugend war es wohl zu verdanken, dass er sich so rasch erholte und am Abend des 29. Novembers im Jahre 1045 erreichten sie das Feldlager in Thule.
Was er hier sah, erfüllte sein Herz mit Freude: Schweden und Norweger, Iren und Schotten bereiteten sich gemeinsam auf die kommende Schlacht vor. Die Schotten und die Iren - fern der Heimat, ohne Aussicht auf Silber, nicht wissend ob Sie ihre Familien jemals wieder sehen würden. Sogar Könige, Kanzler und Grafen waren gekommen! Er hoffte er würde den Tag erleben, an dem er seinerseits diesen Verbündeten zur Seite stehen durfte.
Soweit ihm bekannt war, hatten sich die Samen und die Dänen bis jetzt aus dem Konflikt raus gehalten. Er schätze vor allem die Dänen sehr, war doch sein Mutter als eine von Ihnen geboren worden. Und so wollte er sich seine Enttäuschung nicht eingestehen - sie hatten bestimmt ihre Gründe. Und es waren gewiss gute Gründe.
So denkend, schritt er durch das Lager und begrüßte Freunde und Gefährten. Er war erleichtert, das kaum einer der ihm vertrauten Schweden fehlte. Besonders erleichtert war er, das Weor, wenn auch etwas mitgenommen, unter den Kriegern war. Es ist nicht lange her, dass sie sich zuletzt gesehen hatten, dennoch schien er verändert. Seine Haltung, sein Blick. Vel ging gerade auf ihn zu, als einer der Heerführer den jungen Weor lauthals zu einer Waffenübung bestellte.
Sie würden bestimmt später noch Gelegenheit haben miteinander zu reden...
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