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Re:Grenzenlos 31.07.2010 22:08:38 --- 1 Jahr, 6 Monate her
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Wohltuende Wärme kroch endlich durch ihre Glieder. Man reichte ihr einen Becher mit einer heissen Flüssigkeit, dessen honigartiger Geruch sie kurz innehalten liess. Konnte man das auch heiß trinken? Sie berührte vorsichtig mit den kalten Lippen den heissen Rand des Gefässes und nahm einen kurzen Schluck. Warmer Dampf umspielte ihr Gesicht und erlöste die kalten Wangen aus ihrer Eisesstarre. Langsam rann der warme Saft ihre Kehle hinunter und weckte die inneren Lebensgeister. Sie atmete auf und genoss Schluck für Schluck die sie umgebene Wärme.
Der moskauer Monarch gesellte sich zu ihr und sprach mit ihr in einem so ungewohnten und ruhigen Tonfall, dass sie kurzzeitig vergass zu trinken. Ihre Finger, denen allmählich wieder soetwas wie Blut durchströmte, umklammerten den Becher und vorsichtig blickten ihre dunkelblauen Augen über den Becherrand. Kaum merklich hob sich das Gesicht, welches sich dagegen wehrte, den warmen Dampf des Getränks freie Bahn zu geben. Tief durchdrangen ihre Augen die seinen, doch ihre Lippen blieben stumm.
Hinter ihnen wurde die Runde geselliger und ausgelassener. Vendela war diesen Abend aber zu zerschlagen und sehnte sich nach nichts mehr als endlich Ruhe und Schlaf. Sie leerte ihren Becher und bevor sie nachgeschenkt bekam, stellte sie ihn auf einen mächtigen Holztisch vor sich. Leichter Dampf entstieg dem Becherrand und kroch in leicht geschwungenen tänzelnen Fäden gen Decke bis er sich vollkommen im Nichts auflöste. Wortlos stand sie auf und wendete sich zum nächsten Kämmerchen, zu welchem sie die Bäuerin freundlich wies. Doch dann hielt sie in jedem Atemzug, in jeder Bewegung inne und drehte sich zu Abyrgur. Wieder trafen ihre Augen die seinigen, und dieses Mal blieben ihre Lippen nicht stumm.
"Ich werd nun zu Bett gehen und wünsche Euch noch eine erholsame gute Nacht." Kurz hielt sie ihren Atem an, als würde sie mit sich zaudern. "Ich danke Euch Velikij Knjaz Abyrgur." Hastig wendete sie den Blick von ihm ab und ging eiligen Schrittes auf das Kämmerchen zu. Im Blickwinkel erhaschte sie kurz sein erstauntes Gesicht, doch wollte sie nicht eine Antwort oder jegliche andere Reaktion von ihm abwarten, öffnete die Tür und schloss sie flink hinter sich. Allein stand sie nun in diesem Raum und ein Lächeln huschte über ihr Gesicht. Doch was immer sie in diesem Moment dachte, sollte hier der Öffentlichkeit nicht preis gegeben werden.
Am nächsten Morgen machte sich die Gruppe von Rittern frühzeitig wieder auf den Weg Richtung Moskau. Unter ihnen eine junge Reiterin, die nach langen mühseligen Tagen endlich wieder eine ruhsame Nacht verbrachte. Der Sturm hatte sich gelegt und Boden, Bäume und Strauchwerk glitzerten in den unterschiedlichsten hellen Grautönen bis reinstem Weiss. Die Rösser waren ausgeruht und gestärkt und stampften mit neuer Tatenkraft durch den weichen Pulverschnee.
Und wahrhaftig, Moskau war wirklich nicht mehr fern. Schon am nächsten Tag standen sie vor den trutzigen Mauern der gewaltigen Stadt. Doch hier trennten sich die Wege der moskauer Rittersleut und Vendelas. Sie erhaschte einen flüchtigen Blick des Monarchen und nickte ihm zum Abschied zu, bevor sie die Zügel kürzer nahm und ihr Stute in eine Abzweigung lenkte.
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Re:Grenzenlos 01.08.2010 22:52:20 --- 1 Jahr, 6 Monate her
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Unglaublich, wieviele merkwürdige Gestalten auf diesem Marktplatz herum rannten. Vendela nutzte natürlich gleich die Gelegenheit, sich unters Volk zu mischen und die feilgebotenen Güter zu begutachten, wenn sie nun schon einmal in Moskau war. Die Händler schienen irgentwie immer die gleichen zu sein, in jedem Fall benahmen sie sich wie überall. Hauptsache laut und Hauptsache man konnte seine Konkurenten über den gesamten Marktplatz hinweg beschimpfen. Und wenn es nur darum ging, dass ein Interressierter mehr bei dem anderen als bei sich selber stand. Neugierig schlenderte Vendela zwischen den Ständen hindurch. Kisten und Krüge, Körbe und Schalen mit den seltsamsten Waren versperrten zum Teil den Zugang zu den Ständen. Ständig musste man sich bücken oder zumindest darauf achten, dass man nicht plötzlich in irgentwelchen Ketten und anderen Gedöns mit dem Halse hing.
Dann, wie vom Blitz erschlagen, blieb sie angewurzelt stehen und starrte geradewegs auf einen dieser Stände. Ungläubig musterte sie das vor ihr. Konnte es sein? Ist das wirklich ein...? Langsam, fast zögerlich, ging sie darauf zu und verharrte mit dem Blick auf ihn, nicht achtend auf irgentetwas anderem. Er war wunderbar. Sie hielt ihren Kopf schief und liess fasziniert ihre Finger an ihm entlang gleiten. Erinnerungen einer längst verblassten Vergangenheit wurden in ihr wach.
"Wollt Ihr ihn mal nehmen?"
"Wie?" Unsanft riss jemand sie aus ihren Tagträumen.
"Ich fragte Euch, ob Ihr ihn mal nehmen wollt?"
"Sicher, wenn ich darf?" Ihr Augen begannen zu leuchten wie bei einem kleinen Mädchen.
"Nur zu, bedient Euch!" Ein buckliger Händler fuchtelte aufgeregt mit seinen Händen hinter seinem Warentisch und seine Augen blitzten auf, als würde er das Geschäft seines Lebens machen.
Zögernt fasste ihre Hand nach dem Griff und zog das Teil mit Schwung aus seinem Schaft. Glänzender Stahl blitzte ihr entgegen. Welch wundervolle Arbeit, Mit wieviel Handarbeit und Können dieses Meisterwerk gefertigt wurde.
"Was wollt ihr dafür?" Für Vendela gab es keinen Zweifel, sie wollte ihn haben, wollte ihn sein Eigen nennen.
"Vierhundertsiebzig Silberlinge und er ist Euer!"
"Ich geb Euch Vierhundert!"
"Nein,nein, Ihr seht doch, dass ist ein Meisterstück. Vierhundertsiebzig."
"Das ist mir zu viel. Dann halt nicht." Gespielt verzog sie ihre Schnute und liess den Stahl langsam zurück ins Leder gleiten. Wusste sie doch längst, dass das ihr Geschäft war.
"In Ordnung, na schön, vierhundertzwanzig. Aber das ist mein letztes Angebot."
"Sehr schön." Gewinnend warf sie ihm ein Ledersäckchen zu, drehte sich grinsend um und hielt ihre neue Errungenschaft fest in der Hand...einen Hunnensäbel.
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Re:Grenzenlos 03.08.2010 13:24:39 --- 1 Jahr, 6 Monate her
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Die Tage vergingen, die Wochen vergingen, ja nun war sie schon fast einen Monat hier. In ihr wurde ein Drang spürbar, der eine Drang, den sie im Blute ein Lebenlang mit sich führen würde. Sie war mit ihm geboren und jede Rast, die sie hinderte, diesen Drang auszuleben, machte sie mürrisch. Doch der strenge Winter in dieser Fremde und ihre zunehmende Lebenserfahrung rieten ihr zu warten, zumindest bis die Witterung milder werden würde. Und nun war es soweit. Die ersten Boten des Frühlings zogen ins Land und ein spürbares Kribbeln zog sich durch ihre Finger, durch ihre gesamten Glieder. Ein Kribbeln, das ihren Aufbruch hastig eilen liess. Es vergingen nur wenige Stunden, als sie ihren Entschluss festigte. Es waren nur wenige Handgriffe, die ihre Habseligkeiten zusammen packten, den Reiseproviant füllten, sie aufsitzen und die Zügel nehmen liessen.
Ihre kleine Stute liess mit flinken Hufen die Stadtmauern von Moskau hinter sich. Vendela liess sich treiben und liess ihrem Ross die Entscheidung, wohin ihr Weg sie führen sollten. So durchritten sie die rauen kargen Wälder der russischen Taiga immer weiter, weiter in den Süden hinein, bis sich die Wälder lichteten, sich öffneten und vor ihr weites offenen Land zu ihren Füssen lag. Die Luft war kalt und der frische Wind umspielte zärtlich ihr Gesicht. Lockend umkreiste er ihre Langen schwarzen Haarsträhnen, die ungezwungen auf ihrem Rücken ruhten, nur um sie auf ein wildes Tänzchen zu bitten. Die ersten wärmenden Sonnenstrahlen vertrieben den letzten Schnee, der trotzig die Ebene unter seinen Mantel zwang.
Zarte feine flüchtige Düfte drangen in ihre Wahrnehmung vor, die ihre Sinne aufschrecken liessen. Irritiert nahm sie die Zügel auf, um das Tempo des Tieres zu dämpfen. Bedächtig setzte sich ihr Weg in die Ebene fort, bis sie auf einer Anhöhe stehend völlig innehielten. Schwerfällig setzte Vendela ab, streifte den Helm vom Haupt und überblickte mit unendlicher Wehmut die Weite, ihre geliebte Steppe, die vor ihr lag. Starke Gefühle rangen in ihr hoch, Sehnsucht, Schmerz, pure Verzweiflung, Bitterkeit, tiefe Trauer, alles tobte wild in ihr.
Sie stand da, einfach da und tröstend trocknete der Wind ihre feuchten Wangen. Sie schloss ihre Augen und lauschte dem Wind, der sie zärtlich umarmte und mit alter Vertrautheit sacht in ihr Ohr flüsterte. Sie lauschte dem Ruf eines Adlers, der weit über ihr in den Wolken seine erhabenen Kreise zog, sie lauschte den gleichmässigen Schnauben ihres Rosses, dass an den frischen grünen Grasspitzen knabberte. Tränen, die in ihren Wimpern hingen glitzerten wie funkelnde Kristalle im Sonnenlicht und liessen sich nur schweren Herzens vom Winde davontragen.
Die Stunden verrannen und noch immer stand Vendela auf diesem Fleckchen Erde ohne sich gerührt zu haben. Ihre Augen blickten wieder nach vorn, weit über den Horizont hinweg. Irgentwo dort hinten waren nun ihre Gedanken, ihre Erinnerungen, ihre Gefühle. Sie schluckte schwer. Sie wusste es, so schmerzlich wie es war. Diesen Weg konnte sie nicht weiter gehen. Tiefe Trauer überkam sie, so tief, das sie mit ihrer Beherrschung rang, die zu ersticken drohte in den Wellen von verzweifeltem Schluchzen. Selbst der ihr so vertraute Wind vermochte sie nicht länger zu trösten. Sie senkte den Kopf und begrub ihr tränenverhangenes Gesicht in ihren zitternden Händen. Alles um sie herum erstarrte in tiefer Stille. Nichts und niemand vermochte ihr Trost zu spenden. Langsam hob sie ihr Gesicht und mit erstickter Stimme verabschiedete sie sich von ihrer grössten Liebe, und allen denen, die sie darin zückliess.
"Mein Schmerz ist so unendlich.....doch....ich....werde...muss weiterziehen. Niemals werde ich..."
Unter Schluchzen versucht sich ihre Stimme zu beherrschen"...werde ich dich vergessen. Meine geliebte Steppe. Rainald...wo immer du bist...nie fand sich mir eine …..Möglickeit...dir zu ..sagen...was ich für dich...empfand" Langes Schweigen unterbrach die Gedanken "Lebe wohl... hege kein Grauen gegen mich oder meine Entscheidung....Ich werde dich...kann dich niemals vergessen.Vergib mir!"
Ungehört verhallten ihre leisen Worte im Wind und ihre Lippen verstummten. Schweigend ging sie hinüber zu ihrem Ross, sass auf, blickte ein letztes Mal traurig über die weite Ebene und ritt gen Sonnenuntergang.
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Re:Grenzenlos 05.08.2010 11:42:04 --- 1 Jahr, 6 Monate her
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Und schon wieder war sie auf dem Wasser. Keine Ahnung, warum es sie nun ständig auf dieses nasse Element hinauszog, aber ein Gefühl sagte ihr - da draussen, dort hinter dem Horizont liegt deine Zukunft - Ob sie damit glücklich wurde, wusste sie nicht, denn schon einmal war sie dort, nur kurz, aber die Erinnerung daran war jetzt nicht die schönste. Naja, ihre Reise war ein Abenteuer, und dieses sollte sich gerade hier...diese Nacht...fortsetzen.
Ihre Mitfahrgelegenheit war dieses Mal ein ausgesprochen grosses Handelsschiff aus den nördlichen Landen. Das Blaugoldene Wappen prangte trotz der leichten Verwitterung immer noch majestätisch auf dem Segel. Die Mannschaft, bestehend aus genau zwanzig gestandenen Mannsbilder, war karakterlich recht bunt gewürfelt, doch waren sie alle mehr oder weniger brummige Seebären.
Das Vendela überhaupt auf diesem Schiff war, verdankte sie dem Kapitän, der ausser seiner Landessprache auch noch einem recht brauchbarem Russisch mächtig war. Sein völlig, von der rauhen Seeluft zerfurchtes Gesicht stand im starken Widerspruch zu seinem recht strammen muskulösen breitschultrigen Oberkörper, welches Vendela unmöglich machte sein Alter zu schätzen. Seine strahlend blauen Augen, die wie Knöpfe aus den Falten herausstrahlten, überblickten jede Kleinigkeit und war sie noch so banal. Sein langes graues Haar war wüst und nur die vordere Haarpartie war durch geflochtene Zöpfe irgentwie in Zaum gehalten. Silbern glänzte es im Sonnenlicht und gerade die grauen Haare auf seiner stark gebräunten Brust bildeten einen charmanten Kontrast. Viel sagte er nie, doch wenn er etwas von sich gab, war immer ein gewisses
schelmisches Blitzen in seinen Gesichtszügen erkennbar, welches sich unter seinem wallenden Bart zu verheimlichen versuchte.
Dann war da noch einer unter ihnen, der Vendela sofort auffiel. Der Kerl war ziemlich abgebrochen und gedrungen und war so gar nicht hünenhaft wie die übrigen. Er schien mehr für sich zu sein. War immer auf Abstand zu den anderen bedacht und unterhielt sich anscheinend häufig mit sich selbst. Ein merkwürdiger Kauz, aber ansonsten machte er wie die übrigen einen recht harmlosen, fast freundlichen Eindruck.
Ausser, ja ausser dieser Bjarne. Er war ein Riese, selbst für die Nordmänner. Er überragte alle noch weit über einen Kopf und genauso breit und mächtig schienen seine Schultern hinaus zu ragen. Sein Körper war ein reines Muskel- und Fleischpaket und wenn er auf den Planken schwerfällig entlang lief, ächzte das Holz unter seinen Füssen unter seinem Gewicht. Seine kahle Kopfhaut war wie poliert und wenn sie nicht durch ein winziges Kopftuch geschützt war, glänzte sie spiegelblank in der grellen Sonne. Er war wie alle auf dem Schiff ein wortkarger Zeitgenosse, ja eigentlich sagte er nie ein Ton. Er war stumm wie ein Fisch und Vendela konnte nur vermuten, dass dieser Kerl eher von Dummheit gestraft war, als von Wissen, denn er unternahm nie etwas, um ihr das Gegenteil zu beweisen. Die Mitreisende hielt sich eh immer im gebührenden Abstand zu ihm. Nicht, weil sie Angst vor seine Grösse hatte, sondern eher vor seinem Blick, den er ihr ständig entgegenwarf. Kalt war dieser, so dass es sie beinahe fröstelte, wenn sich ihre Blicke trafen. Solch einen abfälligen Blick, der nur von seinem schäbigen einseitigen grinsenden Mundwinkel noch übertroffen wurde.
Ansonsten bestand die begrenzte Männerwelt aus freundlichen brummigen, manchmal auch mürrischen Hünen aus den Nordlanden, die, wenn es die See und die Zeit zuliess, gerne sich dem honigsüsses Gesöff als Zeitvertreib hingaben. Denn genügend Fässer schlummerten im wogenden Bauch dieses Seegefährts...
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Letzte Änderung: 2010/08/05 11:45 von .
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Re:Grenzenlos 06.08.2010 13:14:41 --- 1 Jahr, 6 Monate her
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...Nun senkte sich der strahlende Himmelkörper zur Ruhe und übergab dem Mond die Nacht zur Obhut, um über sie zu wachen. Tiefblau war die Nacht und noch still war die See.
Vendelas Gemüt war unruhig, nicht Willens sich dem Schlaf hinzugeben. So schlenderte sie übers Deck und liess sich von dem leichten Wind umwehen und atmete tief die frische Seeluft ein. Wie rein sie doch war. Sie blickte hoch über sich und betrachtete den Wächter der Nacht, der sie und das Schiff in silbernes Licht tauchte. Er war so wunderschön, dass sie jegliches Zeitgefühl verlor und auch nicht bemerkte, wie plötzlich mehr und mehr Wind aufkam.
Er peitschte die See. Die Wellen türmten sich am Bug, der Sturm blähte das riesige Segel und zerzauste ihr Haar. Mit Mühe klammerte sie sich an ein Tau und versuchte gegen den Wind anzukommen. Der Sturm wurde heftiger und heftiger. Das Schiff brauste durch die brodelnde See und schwere Brecher schlugen über die Bordwand hinweg auf das Deck. Donner erfüllte die Nacht. Der Mond war vollends verdrängt von mächtigen Wolkenheeren, die durch peitschende Blitze in ihrer Wut Unterstützung fanden.
Die Männer schrieen durch den wütenden Sturm und was für Vendela zunächst wie ein heilloses Durcheinander aussah hatte Hand und Fuss. Jeder wusste was zu tun war. Jeder Handgriff sass. Doch der Sturm hatte solch einen Zorn in sich, er zerrte unnachgiebig an dem Mast und an den Tauen.
Dann Plötzlich schien das Segel wegzubrechen. Panik kam auf. Die Männer griffen nach einem Seil, klammerten sich mit aller Kraft daran...und zogen so viel sie konnten. Selbst Vendela fasste nach dem Seil und stemmte sich gegen die unsichtbare Kraft. Der Sturm tobte. Wütend zerrte er am Segel, die mächtige Ströhmung rüttelte am Schiff, der Wind peitschte die Gesichter der Männer und der Frau und das Wasser schwappte an Bord und durchnässte jeden einzelnen bis auf die Haut. Das Segel schien verloren.
Doch dann, im letzten Moment stürmte in grösster Hast ein Felsen heran. Seine riesige Hand griff nach dem Seil und mit stöhnender Gewalt legte sich der massige Körper gegen den Sturm und holte das riesige Tuch zurück in Sicherheit. Es war Bjarne, der fast im Alleingang das Schiff und alle darauf Lebende vor dem sicheren Tod rettete.
Noch gab der Sturm nicht auf, noch wollten er die Seeleute in die Knie zwingen.
Doch die Männer hatten ihr Schiff wieder unter Kontrolle, wandten sich in ihrer Kühnheit dem brausenden Sturm entgegen und trachteten ihm zu trotzen. Sie lachten herausfordernt in die von Blitzen erhellte Nacht und ihre starken Hände umschlossen die Seile und das Boot ritt im wilden Tempo die See ...
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Re:Grenzenlos 07.08.2010 11:32:32 --- 1 Jahr, 6 Monate her
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...Stunden später floh der Sturm besiegt von Dannen und die See legte sich erschöpft zur Ruh.
Vendela sass nah der Reling und hielt ihre flache Hand beruhigend auf ihren flauen Magen. Die Berg- und Talfahrt machte ihr jetzt im Nachhinein doch zu schaffen. Verkrampft hielt sie sich mit der anderen Hand an einem Tau fest. Leichter Wind umsäuselte die junge Frau und liess sie unter ihrer durchnässten Kleidung frössteln. Schritte kamen auf sie zu und sie schaute auf den unteren Teil von ausgetretenen alten Lederstiefeln, die dicht neben ihr hielten. Dann spürte sie einen starken Druck auf ihrer Schulter. Hastig schaute sie hoch und bereute es zugleich im nächsten Augenblick. Es ging ihr wahrlich nicht gut.
Eine kräftige Hand ruhte auf ihrer Schulter. Der Kapitän stand neben ihr und seine stahlblauen Augen blitzten ihr wohlwollend aus seinem faltigen zerfurchten Gesicht entgegen.
"Na Mädchen, war doch ein bisschen viel für den Anfang?" Er schmunzelte und frech blitzten seine Knopfaugen auf. "Falls du deinen Magen erleichtern willst, mach es nicht gegen den Wind...könnte sonst unangenehm werden!" Er kloppfte ihr aufmunternd auf die Schulter und richtete sich lachend wieder auf. Sie hätte ihm gerne was entgegnet, doch fühlte sie sich irgentwie nicht im Stande. Sie nahm es wortlos hin, denn er hatte sicher aus Erfahrung gesprochen. Stumm und mit ihrer Übelkeit kämpfend sah sie ihm nach. Er hakte seine Daumen locker am Hosenbund ein und schlenderte zufrieden an der Reling davon, während sein Blick erwartungsvoll den Horizont absuchte. Noch von weitem hörte sie den monotonen lässigen Schritt seiner Stiefel...
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Re:Grenzenlos 07.08.2010 18:28:48 --- 1 Jahr, 6 Monate her
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Die Tage auf See kamen und gingen, wie der Wind, der kam und ging. Trotz, dass Vendela als einziges Frauenzimmer an Bord zwischen der sonst reinen Männerwelt, mit ihrer Anwesenheit so manchen Argwohn und missfallenen Blick auf sich zog, war es eine recht ruhige Überfahrt. Einige der Seeleute sahen ihre Aufenthalt als schlechtes Omen und gelegentlich gaben sie auch ihrem Unmut kund. Doch Vendela sah darüber hinweg, denn nicht alle waren ihr feindlich gesonnen. Vor allem der Kapitän hielt seine schützende Hand über sie, mit all seinem Respekt, den er bei der Mannschaft innehatte.
Wieder fiel ihr der schmächtige Abgebrochene auf. Sein Blick huschte ständig zu ihr und sobald sich ihre Blicke trafen, wendete er hastig seinen ab. Er sprach nie ein Wort mit ihr. Er ging ihr regelrecht aus dem Weg, obwohl er sich irgentwie immer in ihrer Nähe aufhielt. Sie wurde nicht schlau aus ihm.
Ein neuer Tag kündigte sich schwach golden am Horizont an. Vendela hatte eine unruhige Nacht hinter sich und genoss nun den erfrischenden Wind an der Reling. Noch schien der Mond über ihr und tauchte den Morgen in silbernes Licht. Still war es an Bord zu dieser frühen Stunde, ja zu einsam war es hier. Es schien niemand Wache zu halten.
Sie schloss die Augen und lauschte den Wellen. Langsam flohen ihre Gedanken in andere Gefilden dieser Welt. Gesichter tauchten vor ihrem Geiste auf. Augen schauten auf sie und durchdrangen ihr Gemüt. Stimmen sprachen zu ihr. So sanft und lieblich, dass ein Schauer über ihre Haut kroch. Sie sehnte sich...nach einem liebenden Blick, nach einer vertrauten Stimme und einer zärtlichen Berührung.
Dann spürte sie eine, aber nicht nach der sie sich sehnte. Hart wurde sie von hinten gepackt, herumgerissen und nah der Reling an das feuchte Holz einer Wand gedrückt. Etwas schnürte sich um ihren Hals und versuchte ihr den Atem zu nehmen. Panisch griff sie danach. Ihre Hände umfassten ein Handgelenk. Mit aller Kraft versuchte sie sich zu befreien. Doch umso mehr sie kämpfte, umso mehr zog sich die Hand um ihren Hals und nahm ihr die Luft. Sie strampelte verzweifelt mit den Beinen. Doch sie hing in der Luft, spürte keinen Boden und erfasste kein Ziel...
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packende Angst 08.08.2010 10:46:12 --- 1 Jahr, 6 Monate her
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...Sie packte die Angst. Ein Schatten stand vor ihr, riesig wie ein Fels. War es Bjarne? Sie hatte keine Chance, dass wurde ihr verzweifelt bewusst. Sie hatte ihm nichts entgegen zusetzten. Sie wollte schreien, doch die Luft, die ihr blieb, reichte gerade dazu, um sie bei Bewusstsein zu halten. Sie keuchte vor Schmerz. Ihr Körper verkrampfte vor Anstrengung.
Dann trafen sich ihre Blicke. Seine Augen blitzten drohend und ein grausames Lächeln umspielte seinen Mund. Er starrte sie an...nur an, nicht ein Ton kam über seine Lippen. Was hatte er vor? Wenn er sie töten wollte, warum tat er es nicht?
Mit einem Aufbegehren ihres inneren Willens kämpfte sie abermals gegen seine Umklammerung. Doch sie hielt sie im eisigen Griff. Sein Gesicht kam näher. Sie spürte seinen Atem. Angewidert versuchte sie von ihm zu weichen. Doch nichts, was sie versuchte, erlöste sie aus diesem Alptraum. Er kam ihr näher und näher. Sie wehrte seine Nähe mit den Händen ab. Nichts hielt ihn auf. Dann spürte sie einen nässenden Druck auf ihrer Wange. Seine sabbernde Zunge zog sich speichelnd über ihr Gesicht. Ekel stieg in ihr hoch und sie schloss in Bitterkeit die Augen. Es kam ihr wie eine Unendlichkeit vor, bis sich sein Atem wieder entfernte. Ihr Körper wurde noch ein weiteres Stück die Wand entlang angehoben. Hart schliff das Holz hinter ihrem Kopf entlang. Sie stöhnte vor Schmerz. Sie keuchte vor Anstrengung, wie sie hilflos in seiner Hand hing. Sie rang nach Luft.
Ihre Hände umfassten wieder sein Handgelenk, in diesem Moment der einzige Halt, den sie hatte.
Tief aus dem Inneren des Felsen dröhnte ein böses Lachen hervor, fast nicht hörbar, doch der Ton liess sie erschauern. Sie wusste, was nun geschehen würde und sie konnte nichts dagegen tun. Noch einmal kämpfte sie, strampelte um sich. Hart wurde sie gegen die Wand geschlagen. Ihr Schädel dröhnte, doch sie wollte sich dem Schmerz nicht hingeben. Sie kämpfte gegen die Tränen an. Sie kämpfte gegen ihre innere Verzweiflung. Dann spürte sie hektische Griffe unterhalb ihres Gürtels. Seine dreckigen Hände berürten sie zwischen den Schenkeln und im nächsten Augenblick fühlte sie den kalten Wind an ihren entblössten Beinen, an ihren nackten Schenkeln, an ihrer Haut. Wut stieg in ihr hoch. Er wollte sich von ihr etwas mit Gewalt nehmen und sie war machtlos ihn aufzuhalten. Flehend suchten ihre Augen nach Hilfe. Gab es denn niemanden hier, der ihn aufhalten konnte?...
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Re:Grenzenlos 08.08.2010 21:30:43 --- 1 Jahr, 6 Monate her
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...Hart wurde sie gegen die Holzwand gedrückt, nur mit seiner blossen Hand. Sie krallte sich in seinen Handrücken. Ihre Nägel gruben sich tief in seine Haut...bis in sein Fleisch. Fester zogen sich seine Finger um ihren Kehle,mit jedem Widerstand, den sie ihm entgegenbrachte . Röchelnd flehte sie mit erstickter Stimme: "Neeeinnnn" Jeder Atemzug, jeder Augenblick eine Qual. Sie hätte geschrien, wenn sie die Luft dazu gehabt hätte. Sie hätte ihren Säbel in sein verruchtes Fleisch gestossen, wenn sie die Möglichkeit, die Kraft gehabt hätte. Doch all dies blieb ihr verwehrt. Hilflos musste sie nun diese Pein über sich ergehen lassen.
Hektisch gingen seine finsteren Augen hin und her, von ihrem Gesicht zu sich nach unten. Sie konnte nur erahnen, dass er dabei war, sein Drang zu befreien. All seine Bosheit, die gierig nach ihrem Körper lechzte, würde sich nun gleich an ihr vergehen. Noch war er mit dem Stoff an seinem Leib beschäftigt, dass ihn von ihrem fernhielt, doch lang würde es nicht mehr dauern, bis er sich das nahm, nachdem es ihm dürstete. Vendela hing in seiner Hand wie eine zierliche Puppe, nicht fähig irgentetwas dagegen zu tun.
Sie spürte, wie er zwischen ihre Schenkel fasste und ihre Beine auseinanderriss. Sie wehrte sich, aber ihre Kraft reichte nicht bei weitem nicht. Mit schreckgeweiteten Augen musste sie nun das erwarten, was unvermeidlich war. Seine Augen durchdrangen ihren angstgepeinigten Blick. Er war soweit. Jetzt würde es geschehen. Tiefer Hass schäumte in ihr hoch. Hass gegen dieses Monster.
Plötzlich hielt der Fels inne. Starr in seiner Bewegung blickte er auf sie. Doch etwas in seinen Augen war anders. Sein Blick wurde leer und er blickte durch sie hindurch. Langsam löste sich die Umklammerung seiner Finger um ihren Hals. Langsam rutschte sie die Wand hinunter und ihre Zehenspitzen fühlten Boden unter sich. Immernoch stand er vor ihr, ohne jegliche Rührung.
Ahnungslos und zitternd blickte sie auf ihn. Was war geschehen?
Seine Kehle begann zu röcheln, und dann bemerkte sie den Schnitt an seinem Hals, aus dem mehr und mehr dickes Blut quoll. Es rann seinen mächtigen Brustkorb entlang und streifte eine Schwertspitze, die durch seine Seite hindurch gestossen wurde und vorne aus seiner Brust herausragte. Der Fels wankte und schwerfällig fiel sein massiger Leib über die Reling in die See. Die schäumende Ströhmung verschlang ihn sogleich wie ein hungriges Ungeheuer.
Schmerzgeplagt und doch erleichtert sank Vendela zu Boden. Ihre zitternden Knie waren einfach zu schwach sie zu halten. Erschöft und nach Luft ringent sah sie auf zwei Gestalten, die zielstrebig auf sie zukamen.
"Ich konnt ihn ja nie leiden. Aber ich musste es ja auch unbedingt seinem Vater versprechen..." Schnell erkannte sie die Stimme des Käpitäns, der das Blut von der Schwertscheide wischte. "...ihn nach seinem Tode auf mein Schiff zu holen." Besorgt beugte er sich zu ihr hinunter "Ich hoffe, wir kamen nicht zu spät, Mädchen? Beruhige Dich! Jetzt bist du wieder in Sicherheit. Hol mal eine Decke! Sie zittert ja am ganzen Leib." Er richtete sich an die zweite Gestalt, die noch zögernt etwas abseits den Blick auf der am Boden kauerden Frau richtete. Es war der Schmächtige. Hastig verschwand er für einen Moment, um gleich darauf mit einem dicken Wolltuch an sie heranzutreten. Ganz vorsichtig wollte er ihren frierenden Körper bedecken.
Vendela war noch immer leicht geschockt und wich seiner Berührung panisch aus. Er hielt inne und sprach unerwartet mit ruhiger Stimme "Ganz ruhig! Ich tu Euch nichts! Ihr seid in Sicherheit!" Überrascht blickte sie ihm direkt in die Augen. Er konnte ihre Sprache!
Langsam löste sich ihre Anspannung und in Tränen getränkt schüttelte sich ihr Körper von seiner Last und der Wut frei. Der Schmächtige kam ihr vorsichtig näher und legte seinen Arm tröstend um sie. Er war sich unsicher, ob sie es zuliess, aber von ihr kam keine Gegenwehr und so setzte er sich neben ihr auf den Holzboden. Der Kapitän übernahm derweil das Ruder als wäre nichts vorgefallen und steuerte das Schiff gen Land, welches sich am Horizont vor ihnen zu einem mächtigen Schatten auftürmte.
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Re:Grenzenlos 10.08.2010 16:31:53 --- 1 Jahr, 6 Monate her
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Wieder festes Land unter den Füssen, endlich, länger wollte sie nicht mehr auf diesem Schiff verweilen. Zuviele negative Erfahrungen hatten sie dort auf die Probe gestellt, auf die sie gerne verzichtet hätte. Doch sie werden sie in ihrem weiterem Leben prägen. Wie tief wird sich zeigen.
Nun war sie wieder auf dem Weg. Naja, ob man dies einen Weg nennen sollte, war sie stark am zweifeln. Es war mehr ein -sich durch die Büsche- schlagen. So etwas wie richtige befestigte Wege schienen die Bewohner hier nicht zu kennen. Um sie herum wucherte tiefster Urwald. Für Vendela war dies eine völlig neue Erfahrung. Sie fühlte sich beengt.
In ihr grübelte Unverständnis. Und das nennt man hier also Freiheit? Sie sah nur grün, grün und nochmal grün. Aber nicht als weites grünes Steppenland vor sich, sondern streifte mehr direkt ihre Nase. Es nahm ihr die Sicht, bisweilen die Orientierung.
"Verflucht! Und hier solls Zivilisation geben? Ich bezweifle es...." Frustriert hallte ihre Stimme wie ein schriller Schrei durch das dichte Laub.
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