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Fabienne raufte sich die Haare. Das war zum verrückt werden. Nirgends konnte sie einen Vermerk über eine Frau in den Unterlagen finden. „Gefangenschaft, Kerker, Sizilien, kein Austausch, sehr gefährlich“, überflog sie die Pergamente. Seufzend ließ sie sich in den Sessel zurück fallen. Seit Stunden schon suchte sie nach einem Anhaltspunkt – vergebens. Aber eines stand fest, im Kerker war sie nicht.
Eine Magd kam ins Zimmer, brachte Wein und etwas Obst. Das Mädchen sah kränklich aus. „Was ist mit dir?“, fragte die Gräfin und das Mädchen antwortete, dass es vor ein paar Tagen in einen rostigen Nagel getreten und sie seitdem fiebrig und schwach sei. Und dann arbeitest du noch?, schoss er Fabienne durch den Kopf. Du solltest zu der Heilerin im Dorf…“ Die Dunkelhaarige unterbrach sich selbst. Das sie selbst nicht darauf gekommen war. „Komm, ich nehme dich mit. Wir haben den gleichen Weg!“
Die alte Frau hatte die Wunde des Mädchens rasch versorgt und die junge Magd wartete vor der Hütte auf Fabienne.
„Hast du eine fremde Frau im Dorf gesehen?“ begann Fabienne sogleich. „Eine Schwangere“, fügte sie nach. Die alte Heilerin hob den Kopf. Eine Fremde? Fragend sah sie Fabienne an. In Burgund gab es zahlreiche Fremde. Burgund war schließlich eine Stadt des Handels. Aber eine Schwangere begab sich nicht häufig in Reisegesellschafft. „Hm, begann die Alte. „Seit ein paar Wochen, so sagen die Leute, soll es in Burgund eine schwarze Frau geben!“ Sie flüsterte fast, als habe sie vor etwas Angst. „So schwarz wie die Nacht“, fuhr sie fort. „Ja, sie soll ein Kind unter dem Herzen tragen. Die Leute sagen, es sei das Kind des Teufels.“ Fabienne zog die Brauen hoch. „so etwas glaubst du doch nicht wirklich oder?“ Die weise Frau schüttelte den Kopf. „Nein, natürlich nicht!“ Sie schmunzelte. „Ich habe sie auch gesehen, die schwarze Teufelin!“, sagte sie nun mit einem Lächeln. „Letzte Woche als ich auf die Burg rauf bin. Sie trug ein Bündel im Arm, vermutlich einen Säugling!“ Fabienne hielt die Luft an. Natürlich, seine Frau würde versuchen in die Burg zu kommen. Mitleid keimte in ihr auf. Zugleich ärgerte sie sich darüber. Warum musste sie immer so mitfühlend sein? „War sie wohlauf?“ „Ja, sie sah nicht so aus, als wäre sie krank.“ Fabienne nickte zufrieden. Vielleicht würde Fabienne sie sogar selber suchen können? Sie verwarf den Gedanken. Nein, dafür hatte sie nun keine Zeit. Sie würde dem Gefangenen berichten was sie erfahren hatte und dann seinen Brief nach Sizilien bringen. Mehr durfte und konnte man nicht von ihr erwarten.
Es war schon fast Abend als Fabienne nun die Treppen zum Turm hinaufstieg.
Sie trug ein Tablett auf dem das Essen für den Gefangenen, sowie eine Krug und zwei Becher platziert waren. Heute würde sie ihm das Essen bringen und sogleich Bericht erstatten.
Die Wachen vor der Tür schlossen ihr sogleich auf.
Vorsichtig trat sie nun ein und stellte das Tablett auf dem Tisch ab und füllte die beiden Becher.
Es war sonderbar den Mann im hellen zu sehen. Er wirkte nicht wie jemand den man hinrichten muss. Meist waren es solche Leute deren Gefährlichkeit man regelrecht ansah, doch bei ihm. Verstohlen sah Fabienne zu Boden. „Ich habe nicht viel über Eure Gemahlin erfahren können. Die Leute im Dorf halten sie, wenn sie es denn wirklich ist, für eine schwarze Teuflin und meiden ihre Gegenwart. Sie soll so schnell sein, dass sie im einen Augenblick hier und im nächsten Augenblick wo anders ist. Das sagt jedenfalls der Torwächter!“ Fabienne hatte ihre Erkundigungen weiter ausgebreitet und viele Menschen aus dem Dorf gefragt. „Man sagt, sie trägt ein Bündel unter dem Arm, wenn sie vor der Burg steht. Einige munkeln, sie würde eine halbe Ewigkeit zur Burg schauen. Andere sagen, es seien nur einige Herzschläge. Die Gerüchte sind verschieden, doch eines haben sie gemeinsam, dass die Frau stets ein Bündel vor sich trug und wohlauf war.“
Die junge Gräfin sah nun wieder auf. Hoffentlich konnte sie dem Mann helfen, hoffentlich war es wirklich seine Frau von der das ganze Dorf sprach.
Gemahlin des ehrenwerten Herzog Archimbald le Moine Tochter des Grafen Friedrich von Gunzenlee und Fabienne von Greifenstein Schwester von Philipp von Gunzenlee Baronin von Greifenstein Gräfin von Burgund Herzogin von Burgund
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