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Eine Reise in feindliche Gebiete und andere Sorgen (1 Leser) (1) Gast
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THEMA: Eine Reise in feindliche Gebiete und andere Sorgen
 
Cathy von Greifenstein

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Eine Reise in feindliche Gebiete und andere Sorgen      17.08.2010 15:57:40 --- 1 Jahr, 5 Monate her  
August 1052

Das zarte, sonst eher blasse Gesicht der Gräfin war von der Sonne gerötet. Der Sommer war im diesem Jahr recht spät und so zeigte er sich Ende August von seiner besten Seite. Die Zofe auf dem Pony neben ihr ächzte und stöhnte schon eine ganze Weile. Verstohlen sah Fabienne zu ihr rüber und musste sich ein Schmunzeln verkneifen. „Ich hab dir immer wieder gesagt dass du nicht auf einem Damensattel das Reiten üben sollst!“, gab Fabienne nun doch mit einem Grinsen von sich. „Nun wird dir heute Abend dein Hinterteil weh tun, da du zum ersten Mal in einem richtigen Sattel sitzt.“ Die andere Frau warf einen Blick zu Fabienne, der sie hätte vom Pferd werfen können. Fabienne lachte. Es war gemein von ihr, dachte sie. Um keinen Verdacht zu hegen hatte Fabienne ihr Gefolge, zu der auch die Zofe zählte, mitnehmen müssen. Wenn auch nur einer geahnt hätte wohin ihre Reise ging und was sie vorhatte, so hätte man sie niemals ziehen lassen. So musste sie, neben der Zofe mit einem Pferdeknecht und zwei Ritter auskommen. Doch Fabienne würde sie in Appenino zurück lassen. Sie könnte sich schließlich nicht als Magd ausgeben, wenn sie Gefolge hatte. Auf der anderen Seite war es ein großes Risiko alleine in das feindliche Land zu reisen. Sie seufzte. Was sie dort zu erwarten würde? Wie würde seine Tochter auf diesen Brief reagieren? Wie würde Fabienne reagieren, wenn einer der Mörder ihres Vaters vor ihr stehen würde und ihr diese Nachricht sogar noch übermitteln würde? Doch sie würde Widar doch nicht töten, sondern ihr Volk. Doch sie vertrat Burgund, auch wenn sie ihr Wappen und das Wappen ihres Herzogs abgelegt hatte damit man sie nicht erkennen würde. Sie könnte auch seine Tochter anlügen, ihr auch die Geschichte der Magd auftischen. Doch Fabienne hatte sich vorgenommen dies nicht zu tun, sie wollte wenigstens seine Tochter nicht anlügen wollen.

Wie waren sie, die Sizilianer? Würde man sie dann auch vor ein Gericht stellen, wenn die Tochter des Söldners offenbaren würde, wer die Nachricht übermittelt hatte? Oder würde man ihr gleich den Kopf abschlagen? Die Dunkelhaarige schluckte bei dem Gedanken. Dann würde sie sterben ohne vorher ihre Kinder gesehen zu haben. Sie wollte sie sehen, Julienne und Catherine. Doch als Fabienne nach ihnen schickte erfuhr sie, dass ihr Gemahl sie ins Elsass geholt hatte. Wütend war sie deswegen gewesen, als sie aufgebrochen war. Jetzt war sie traurig darüber. Catherine hatte sie nur wenige Tage gekannt und Julienne, das Mädchen war 3 Jahre alt und kannte seine Mutter vermutlich nicht einmal. Verbittert wischte sich Fabienne eine Träne mit dem Handrücken aus den Augen. Plötzlich musste sie an Friedrich denken. Wieso hatte er nicht nach ihr schicken lassen? War er ihr immer noch gram weil sie ihm keinen Sohn geboren oder den Verstand verloren hatte? Ja, sie war eine unberechenbare Furie, doch suchte ein Mann seine Frau deshalb zwei Jahre nicht auf? Schmollend verzog Fabienne den Mund. Warum auch immer Friedrich das tat, es verletzte sie mit seinem Verhalten und das war für ihre Krankheit nicht gerade förderlich, auch wenn diese in der letzten Zeit eine Art Ruhephase hatte.


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Letzte Änderung: 2010/08/17 18:02 von Archimbald le Moine. Grund: Rechtschreibefehler auf Bitte des Erstellers behoben!
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Cathy von Greifenstein

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Re:Eine Reise in feindliche Gebiete und andere Sorgen      17.08.2010 16:47:40 --- 1 Jahr, 5 Monate her  
Lombardei - September 1052

Einerseits genoss die die Reise, anderseits verfluchte sie sie.
Das ewige Gejammer der Zofe brachte Fabienne um den Verstand, den sie ohnehin schon lange verloren hatte. Die junge Gräfin beschloss das Gefolge schon in der Lombardei zurück zu lassen. Sie konnte die Zofe nicht ohne Schutz zurück lassen, demnach würden die Ritter bei ihr bleiben müssen. Diese würden keine Knechtsarbeit verrichten wollen, daher würde auch der Knecht in Italien bleiben. Alles in allem war Fabienne erleichtert.
Nachdem sie Zofe, Ritter und Knecht in einem Gasthaus untergebracht hatte, zog sie weiter.
Neugierig beobachtete Fabienne die fremden Landschaften und die Menschen. Da die Gräfin ihre Sprache nicht sprach, hielt sie sich zurück, lächelte aber stets freundlich. Sie hatte ohnehin nicht viel Zeit. Der Wirt im Gasthaus meinte, dass sie sich beeilen sollte, denn bald würde ein Schiff nach Sizilien ablegen und wann das Nächste komme wisse man nie so genau. Demnach hielt sie sich nie lange auf und ritt zügig. Die recht unbeholfene Zofe hatte ihre Reisepläne um Tage zurück geworfen.
Wie immer, wenn Fabienne alleine reiste, kreisten ihre Gedanken. Mal waren sie bei ihren Kindern, mal bei ihrem Herzog, dann bei dem sizilianischen Gefangenen. Wieso war alles so gekommen? Egal welchen Gedanken, welche Sorgen sie auch hatte, an allem war der Krieg Schuld. Würde dieser gottverdammte Krieg nicht sein, dann müsste niemand sterben weil er einem anderem in Weg war. Wenn dieser Krieg nicht wäre, so hätte sie nicht ihren Verstand verloren und wenn dieser Krieg nicht gewesen wäre, dann wäre ihr Herzog nicht mit all dem hoffnungslos überfordert und könnte in aller Ruhe ausgebildet werden. Er wäre nicht so ein…, sie suchte nach einem Begriff, so ein sturer Ziegenbock. Fabienne musste lachen. Ja, vielleicht würde er endlich seine widerliche Art ablegen und man könnte getrost nach einer Frau für ihn suchen, auch wenn sie auf eine unerklärliche keine Eile damit hatte. Sie blickte auf. Es war Zeit ein Nachtlager aufzuschlagen.


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Benji von Schönkirchen

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Re:Eine Reise in feindliche Gebiete und andere Sorgen      17.08.2010 21:25:14 --- 1 Jahr, 5 Monate her  
Welch großer Stein viel mir von der Seele als in den letzten Tagen des Juli im Jahre 1052 der deutsche Kaiser seine Unterschrift unter den Friedensvertrag mit der oströmischen Allianz setzte.
Zum Schluss der Verhandlungen sah es so aus als würde der Vertrag, wegen einiger Unstimmigkeiten, doch noch platzen.

Doch jetzt waren Tinte uns Siegelwachs getrocknet und der Vertrag in Kraft.

Ich erlaubte mir mich bei meinem König abzumelden und ein Reise durch die bayrischen Ländereien zu machen.
Zum einen wollte ich mich von den Aufbauten der zerstörten Ländereien überzeugen und andererseits plante ich schon lange mich mit Freunden meiner Familie zu treffen.

Während des großen Krieges gegen das französische Großreich taten sich einige des italienischen Adels besonders hervor und unterstützen meinen Vater bei der Bemühung das italienische Land vor den übergriffen bretagnischer Truppen zu schützen.

Während des Krieges vertiefte sich diese Unterstützung und wurde zu einer Freundschaft die sich auch auf spätere Generationen übertrug.

So reiste ich, begleitet von einem Leibgardisten, von der Steiermark über Aquileja und überschritt dort die Grenze nach Italien.
Ich dankte im Geiste meinen Vater, der entlang der breiten Strassen zur Küste befestigte Herbergen mit Stallungen für die Heereskuriere anlegen ließ.
In diesen Stallungen standen immer frische Pferde bereit und die Unterkünfte waren zwar klein aber sauber.
So musste ich, Gott lob, nie im freien übernachten.

In Verona konnte ich mich, dank einem Schreiben meines Königs, in die Jagdschlösser des italienischen Adels einquartieren und mich an den italienischen Köstlichkeiten laben.

Mein Plan war es via Appennino in die Lombardei zu reisen um dort die Freundschaftsbande zu erneuern.
In Appennino wollte ich einige Tage länger verweilen um den Hafen, der einzigartig an der Adria sein solle, zu bewundern.

Ich kam in den letzten Augusttagen in Appennino an. Quartiere mich mit meinen Begleiter in eine große Hafentaverne ein.
Die Mauern, teilweise aus behauenen Stein, teilweise aus Ziegel gebaut waren weiß getüncht.
Der große und helle Schankraum war sauber. Eine große offene Feuerstelle lud in kalten Tagen zum verweilen ein.
Da das Wetter aber warm war blieb die Feuerstelle kalt und verbreitet einen rauchigen Ruch der mir keineswegs unangenehm war.

So saß ich in dem fast leeren Schankraum und lies mich von den einfallenden Sonnenstrahlen umschmeicheln die durch die zahlreichen, mit buntem Glas verzierten, Fenstern vielen.
In der Ferne konnte man beobachten wie Ladebäume im Hafen große Ballen und Kisten auf ein Schiff hoben.
Gedankenverloren drehte ich den Zinnbecher und betrachtete das Lichtspiel zwischen dem Wein und den Sonnenstrahlen während mein Begleiter mit dem Wirt über die Bezahlung für die nächsten Tage verhandelte.


 
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Cathy von Greifenstein

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Re:Eine Reise in feindliche Gebiete und andere Sorgen      18.08.2010 15:07:17 --- 1 Jahr, 5 Monate her  
Appenino – September im Jahre 1052
„Ich danke dir Herr!“ Fabienne sah zum Himmel und hob beschwörend die Arme. Die letzten Tage hatte es ununterbrochen geregnet. Zwar war die Luft nicht wirklich kalt, doch wenn man mehr als drei oder vier Tage mit triefnasser Kleidung reisen musste, half die warme Luft auch nicht mehr.
Einen halben Tag bevor sie Appenino erreichte, hatte es plötzlich aufgehört zu regnen und die Sonne riss den wolkenbedeckten Himmel regelrecht auf. Die warmen Strahlen wärmten ihr Gesicht und bald war ihr widerspenstiges gelocktes Haar getrocknet. Bevor sie jedoch die Hafenstadt passierte, rastete sie am Waldrand. Aus der Satteltasche zog sie ein schlichtes Kleid hervor. Im Schutz der Bäume zog sie ihre Rüstung aus und das königsblaue Kleid über. Welch Glück hatte sie ein einfaches Kleid gewählt, welches man einfach so überziehen konnte. Bei einem Kleid vom burgundischen Hof wäre es nicht so schnell gegangen, dachte sie sich und musste schmunzeln. Das Leben am Hofe hatte so seine Nachteile.
Sie sah an sich herunter. Das Kleid war aus gutem Leinen mit schönen Borten verziert. Fabienne hatte sich überlegt sich in der Hafenstadt als Gemahlin eines einfachen Kaufmannes auszugeben. Als Magd könnte sie sich in der Hafenstadt nicht ausgeben. Denn woher sollte eine Magd das Geld für eine solche Fahrt haben?
Noch einmal ging Fabienne ihren Plan durch.
Wenn sie richtig informiert war, dann würde das Schiff in wenigen Tagen nach Sizilien auslaufen. Vielleicht könnte sie in den Tagen ein wenig über die Lebensweise der Sizilianer erfahren.
Wenn sie mit ihrem Wissen dort auftauchte war es so, als wenn ein Rabe im Hühnerstall Unterschlupf suchen würde. Nein, sie würde es durchdacht angehen müssen.
Sie tastete nach Widars Brief. Hoffentlich würde alles gut gehen.
Einen Moment noch ließ sie ihren Gedanken freien Lauf, dann schwang sie sich in den Sattel was gar nicht so einfach war mit einem Kleid.

In der Hafenstadt angekommen, nahm sie sich ein Zimmer in einer der Hafenschänken. Nachdem sie das unbändige Haar einigermaßen glatt gekämmt hatte, band sie es zusammen und steckte es hoch.
Wie eine feine Kaufmannsdame würde sie wohl niemals aussehen, dachte sich und seufzte. Vielleicht würde man ihr dennoch Glauben schenken.

Hungrig wie ein Wolf ging sie nun nach unten in den Schankraum und hoffte dort einen guten Eintopf, ein Stück Brot und Wein zu bekommen. Seit Tagen hatte sie kaum mehr als Pökelfleisch oder Brot zu sich genommen und sie sehnte sich nach etwas wohltuend warmes im Bauch.

Fabienne war recht froh darüber, dass die Schänke fast leer war. Lautes Geschrei, dumme Sprüche und dazu ein übel gelaunten Wirt konnte sie nach einer so langen Reise nicht gebrauchen.
Sie setzte sich an einen der leeren Tische und wartete darauf bedient zu werden.
Verstohlen sah sie sich um. Eine ungewöhnliche Schänke war es, fand sie. Glas in den Fenstern, sogar noch buntes, war nicht einmal an jedem Hof in Burgund üblich. Fasziniert beobachtete sie wie die Strahlen der Sonne in dem Glas brachen.


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Benji von Schönkirchen

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Re:Eine Reise in feindliche Gebiete und andere Sorgen      18.08.2010 23:47:05 --- 1 Jahr, 5 Monate her  
Der Leibgardist, mein Reisebegleiter, kam wieder in den Schankraum. Ihm folgten zwei Schankburschen mit einem hölzernen Tablett, dass mit Brot, Käse, Schinken und kaltem Braten bedeckt war und einem großen tönernen Napf in dem heiße Fischsuppe schwabte.

Dies stellten sie auf meinen Tisch und während sich meine Begleitung zu mit setzte, lief einer der beiden noch einmal in die Küche um einen zweiten Becher und frischen Wein zu bringen.

Wir ließen uns das Essen schmecken als der Leibgardist eine Augenbraue hob zu Essen aufhörte und über meine Schulter hinweg zum Eingang blickte.
Auch ich hörte zu kauen auf wende meinen Kopf soweit um aus den Augenwinkeln eine blaugewandete Gestalt zu erspähen.

Ich seufzte ob der Störung unmerklich auf und wendet mich nun dem Eingang zu. So erblickte ich eine Frau, jung, in einfachem blauen Kleid. Ungebändigt ringelten sich ihr Locken auf dem Kopf.
Ihr Gesicht war gerötet, ich nahm an das sie nicht oft das Tageslicht zu Gesicht bekam und nun von der gnädigen Sonne ein kleines brennendes Andenken bekommen hatte.
Obwohl sie schlank von Gestalt war zeichneten ihr Hände doch davon das sie häufiger schwere Arbeit verrichten musste.

Die Frau blieb kurz stehen und sah zum Fenster. Ich folgte ihren Blick und sah das sie sich dem Farbenspiel der bunten Glasscheiben ergab.
Da es sonst nichts wirklich interessantes an ihr zu sehen gab wendete ich mich wieder meinem Essen zu.
Meine Reisebegleitung grinste mich an und deutete mit seinem Kopf zu der fremden Frau. Ich zuckte nur die Schultern und goss mir Wein in meinen Zinnbecher.

"Wir werden noch drei mal hier nächtigen und dann in die Lombardei reisen. Ich hoffe das die Strassen weiter so gut sind wie bisher.“ Sagte ich, in die für eine Taverne ungewöhnliche Stille.
„Wie ihr meint, Herr.“ Murmelte der Gardist mit vollem Mund. Und dann etwas deutlicher:“Der Wirt meinte das wir zu Pferd wohl drei oder vier Tage zum Castello brauchen werden. Auf dem Weg dorthin gäbe es aber die eine oder andere Handelsstation.“
Ich nahm noch einen Schluck Wein und nickte. In einer Handelsstation unterzukommen war nicht wirklich mein Herzenswunsch aber besser als nur den derben Stoff eine Zeltes und die zweifelhaften Freuden eines halbgaren Essens vom Lagerfeuer.
Nun, ich wusste auf was ich mich einließ als ich diese Reise antrat und musste mich nun dem Unvermeidlichen fügen.


 
Letzte Änderung: 2010/08/18 23:48 von Benji von Schönkirchen.
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Cathy von Greifenstein

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Re:Eine Reise in feindliche Gebiete und andere Sorgen      19.08.2010 08:57:03 --- 1 Jahr, 5 Monate her  
Endlich wurde sie bedient. Ihr Magen rebellierte schon eine ganze Weile, nicht einmal einen Becher Wein hatte man ihr Zwischendurch gebracht. Doch ehe sie in schlechter Laune geraten konnte, kam eine junge Schankmagd und brachte ihr etwas zu trinken. Diese wies mit einem vorsichtigen Lächeln auf die Tischgruppe, an der einige Männer saßen und es sich schmecken ließ und Fabienne verstand. Sie erwiderte das Lächeln verständnisvoll und bat nach der Tagessuppe. Nachdem die Magd weg war, sah Fabienne verstohlen zu den Männern rüber. Feine Herrschaften, schlussfolgerte sie. Deshalb hatte man sie so lange warten lassen. Fabienne schmunzelte. Welch Glück, dass sie als einfache Kaufmannsfrau reiste. Ihr Kaufmann wäre aber eine schlechte Wahl, schlussfolgerte sie amüsiert. Denn sie hatte nichts an Schmuck, einfache jedoch gute Kleider und kaum Geld bei sich. Fabienne hatte bewusst nichts von all dem mitgenommen. Die Gefahr erkannt u werden war einfach zu groß. Hinzu kam, dass sie die letzten 8 Jahre ihres Lebens im Heer verbracht hatte und sie ohnehin kein Bedürfnis nachdem verspürte.
Da das Essen immer noch nicht kam und sie nicht wusste wie sie sich die Zeit vertreiben sollte, lauschte sie den Worten am Nachbartisch. Zuerst empfand sie die harten Wortlaute hart, fast schon brutal. Ganz anders als ihre Sprache die so weich und schwungvoll von der Zunge glitt. Dann aber erkannte sie die fremde Sprache. Es war die Sprache ihrer Mutter, genauer gesagt, die ihrer Vorfahren. Fabienne hatte verzweifelt in den Pergamenten ihrer leiblichen Mutter nach irgendeinem Hinweis ihrer Kinder, nach ihr gesucht. Dabei hatte sie eines der Tagebücher gefunden in der Blendia berichtete dass sie ihr Gedächtnis verloren hatte und eines Tages in Burgund war. Es hatte Jahre gedauert bis Blendia herausgefunden hatte, dass Blendia s Mutter, eine einfache Kräuterfrau war die sich in einen Ritter verliebte. Dieser bayrische Ritter heiratete sie nahm ihr Kind Blendia, als sein eigenes an. Die ohnehin schon missmutige Verwandtschaft des Mannes wollte mit allen Mitteln verhindern dass ihr Name in Verruf geriet und heuerte Söldner an um Frau und Kinder zu töten. Er sollte eigentlich am Leben bleiben, doch da war einer der Söldner zu übereifrig und tötete auch den Bayer. Die Einzige die all das überlebt hatte war Blendia.
Sie wuchs in einem bayrischen Kloster auf. Alles hätte gut werden können, wenn nicht einer der Täter herausgefunden hätte, dass Blendia diese Nacht überlebt hatte. Als Blendia 15 Jahre alt war, wollte man sie dort herausholen und umbringen lassen. Ihr gelang die Flucht, doch aus Angst und nach einem Sturz verlor sie ihr Gedächtnis.
Blendia hatte jedenfalls dafür gesorgt, dass auch Fabienne neben Latein diese bayrische Sprache lernte. Für Fabienne war es grausam gewesen. Die harten Laute waren anfangs wirklich schlimm für sie. Dann hatte sie sich daran gewöhnt. Doch in den letzten 8 Jahren hatte sie diese kaum gehört. Nun versuchte sie neugierig etwas von dem zu verstehen, was die feinen Herrschaften von sich gaben, was gar nicht so einfach war, da sie zum Teil mit vollem Mund sprachen.
Lombardei? Straßen gut? Fabienne grinste. Oh, da haben sie sich aber etwas vorgenommen. Die Straßen waren völlig weggespült. Selbst mit ihrem Pferd war ein Durchkommen kaum möglich gewesen. Was meinte jemand? Nächtigen? Oh, sie würden sich noch umsehen. In dieser Gegend gab es nichts weit und breit. Die Bauernhäuser, die gelegentlich auf dem Weg lagen, waren eine schlechtere Wahl als das Zelt.
Ihr Essen kam. Die Magd stellte das Tablett rasch ab und wandte sich sofort wieder den anderen Gästen zu. Nach einem stillen Gebet nahm Fabienne den Löffel und wollte sogleich mit dem Essen beginnen. Doch ehe ihr Essen nur umrühren konnte, hatte sie keinen Appetit mehr. Fett schwamm auf der Oberfläche. Das wäre nicht einmal so schlimm gewesen. Doch die undefinierbaren Gegenstände in der Suppe, die glitschig von der einen, auf die andere Seite der Holzschüssel schwammen, sorgten dafür das sie ihr Mahl beiseite schob und sie schmollend die Arme verschränkte. Man würde dem Wirt nicht einmal einen Vorwurf machen können. Sie hatten vermutlich alles Gute diesem „Bayer“ serviert. Fabienne rümpfte die Nase.
Na gut, dachte sie sich. Dann werde ich Euren Appetit auch ordentlich dämpfen.
Sie nahm einen Schluck Wein, sah zu den feinen Herren rüber und sagte: In die Lombardei wollt Ihr? Oh, dann solltet Ihr Euch wärmer anziehen!“ Die Worte gingen ihr erstaunlich gut über die Lippen, auch wenn man vermutlich ihren Akzent heraus hören würde.


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Re:Eine Reise in feindliche Gebiete und andere Sorgen      19.08.2010 09:33:43 --- 1 Jahr, 5 Monate her  
Ich hing meinen Gedanken nach als die junge Frau, die vor einiger Zeit den Raum betrat und sich unweit von uns an einen der Tische setzte, uns ansprach und etwas über „warm anziehen“ redete.
Eigenartigerweise sprach sie das „s“ als „sch“ oder so ähnlich. Zweifelsfrei nicht aus dem deutschsprachigen Raum oder zumindest eine entlegene Gegend. Gut, sprach man in einigen Tälern Italiens auch noch etwas deutsch.

Anscheinend mochte sie den Inhalt des Napfes nicht, denn sie schob ihn beiseite und sah zornig aus.
Nun, etwas Abwechslung in der Unterhaltung war willkommen deswegen schickte ich meinen Leibgardisten um die Frau zu uns an den Tisch zu bitten.

Er nickte, stand auf und trat an den Tisch der Frau, verbeugte sich leicht und sprach: „Mein Herr wünscht das Ihr zu Ihm an den Tisch kommt, ähm, er währe erfreut wenn ihr seiner Exzellenz Gesellschaft leiten würdet.“
Danach trat er einen Schritt zur Seite, fasst den Stuhl an der Lehne um der Frau beim Aufstehen zu helfen.


 
Letzte Änderung: 2010/08/19 09:35 von Benji von Schönkirchen.
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Re:Eine Reise in feindliche Gebiete und andere Sorgen      19.08.2010 10:42:29 --- 1 Jahr, 5 Monate her  
Fabienne zog die Braue hoch. Mit einem triumphierenden Lächeln nickte sie dem Mann zu, ließ sich beim Aufstehen helfen und trat an den Tisch, wo immer noch geschmaust wurde.
Fabienne, wenn das dein Herzog mitbekommt oder gar dein Gatte, dann wirst du wohl in den Turm gesperrt. Die junge Gräfin schob den Gedanken beiseite. Jetzt war sie keine Gräfin und Baronin sondern eine Kaufmannsfrau, die etwas Geschäftliches zu erledigen hatte.
Mit einem Lächeln, das sogar einen König froh gestimmt hätte, trat sie ehrfurchtsvoll vor dem Mann der sie so großzügig an seinen Tisch eingeladen hatte. „Habt Dank beau monsieur . Es ist mir eine Ehre an Eurem Tisch sitzen zu dürfen!“ Sie knickste höflich und sah den fremden Mann mit ihren hellblauen Augen, die einen Tropfen Wikingerblut in ihren Adern verrieten, freundlich an.


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Letzte Änderung: 2010/08/19 10:47 von Cathy von Greifenstein.
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Re:Eine Reise in feindliche Gebiete und andere Sorgen      19.08.2010 11:10:34 --- 1 Jahr, 5 Monate her  
„Aaahhh . . . französin?“ Sagte ich, erhob mich, deutete eine Verbeugung an und deutete auf einen freien Stuhl.
„Je me réjouis, chère dame“ Es lag schon eine geraume Zeit zurück als mich einer meiner Lehrer mit französisch quälte.

Mein Leibgarderitter rückte der Frau einen Stuhl zurecht, blieb aber selber stehen.
Ich blickte ihn an und meinte „Es ist gut. Du darfst dich zurück ziehen. Achte aber darauf das man mir genug Feuerholz in meine Stube bringt. Und frisches Wasser.“ Damit war er entlassen.

Ich klatsche in die Hände und ließ der Magd die leeren Schüsseln abtragen. „Verzeiht, mir viel auf das ihr euer Essen nicht angerührt habt. Stimmt was nicht damit?“


 
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Re:Eine Reise in feindliche Gebiete und andere Sorgen      19.08.2010 12:34:52 --- 1 Jahr, 5 Monate her  
Fabienne legte überrascht den Kopf zur Seite. Sein Französisch war sehr gut, das hätte sie jemandem, der eine so harte Sprache sprach, gar nicht zugetraut.
Mit einem dankbaren Nicken setzte sie sich, langsam, so wie ihre Ausbilderin es ihr beigebracht hatte, hin. „Burgunderin, Monsieur. Ich komme aus Burgund!“ Fabienne hob den Kopf um ihren Gastgeber ins Gesicht zu sehen. Natürlich war das Frankenreich ihr Brudervolk und es machte kaum einen Unterschied ob nun Franken, Bretagne oder Burgund. Doch die Gräfin fand, dass sie ihm diesen feinen, dennoch pikanten Unterschied, auf dem sie sehr stolz war, mitteilen sollte.
Mit ihrem Essen? Fabienne ärgerte sich darüber dass man ihre Unzufriedenheit so ansah. Was sollte dieser Mann nun von ihr denken? Verlegen biss sie sich undamenhaft auf die Unterlippe. „Oh nein, es ist alles in bester Ordnung Monsieur“, log sie und wurde sogleich rot. Sie spürte die Röte in ihrem Gesicht und schallt sich. Das müsste besser funktionieren wenn sie in Zukunft nur noch lügen müsste. Um von ihrer Verlegenheit abzulenken fragte sie: Und Ihr, Ihr seid aus Bayern Monsieur?“


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