Stille. Tzwenson stand aufrecht nach dem letzten Gefecht. Er hatte viel abbekommen und doch stand er noch. Eine tiefe Wunde klaffte in seiner Schulter. Ruhig überblickte er das Schlachtfeld und fühlte sich gut. Susdal war nun sicher und der Marsch auf den Feind hatte begonnen. Endlich ging es in die Offensive gegen diesen satanischen Bund aus den südlichen Ländern. Er fühlte sich erleichtert, als wenn gerade eine große Last von ihm ab fiele. Alexej scheuchte im Hintergrund die heiler herbei die sofort mit der Arbeit anfingen. Sie wuschen mit Vodka die Wunde aus und nähten sie zusammen. Schlangen einen verband um die Wunde und richteten den Arm so das er ihn nicht mehr bewegen konnte. Er fühlte keinen Schmerz, kein Unbehagen nur Erleichterung. Der Anblick der sich ihm bot war grauenhaft und doch hatte er etwas schönes und sinnliches. Leichen über Leichen lagen zu seinen Füßen und rund um ihn. Die flüchtenden Feinde wurden von all seinen Truppen verfolgt und so stand er allein mit seiner Leibgarde auf dem Schlachtfeld.
Er hatte nicht das Bedürfnis zu gehen oder sich sonst zu bewegen. Er wollte keinen Siegesschrei ausstoßen oder die Flüchtlinge verfluchen. Es war ihm … egal. Das erste mal in seinem langen Leben war es ihm egal. Er machte sich keine Sorgen um die Planung des weiteren Feldzuges. Nicht um diejenigen die Ihre Häuser verloren hatten ja nicht einmal das Hungergefühl, das ihn sonst nach einer Schlacht heimsuchte, überkam ihn.
Die Sonne ging langsam unter und er starrte weiter auf das Schlachtfeld. Alexej stand dicht neben ihm, er wusste genau was nun folgte. Eine Träne stand auf seinem Gesicht. Der Atem ging schwer doch er beherrschte sich immerhin verhielt sich sein Herr nicht anders. Er stand eine Stunde neben ihm bevor er ihn ansprach. Mehr als ein „Herr...“ brachte er aber nicht heraus. Tzwenson starrte weiterhin über die Ebene und es wurde dunkler. Erst als es merklich kühler wurde sprach zu Alexej:
„….mein Leben lang habe ich versucht zu verbinden was nicht verbunden werden wollte.....“
Alexej verstand nicht doch hatte er gelernt das der Zar sich erklären würde wenn er es wollte. So standen sie noch eine weile dort bis Tzwenson erneut seine Stimme erhob.
„Gott, gib mir die Gelassenheit,
Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.....“
Mit seinem letzten Wort atmete er ein letztes mal aus. Alexej brauchte eine Weile um zu merken das sein Zar der eben noch lebendig neben ihm stand seine letzten Worte gesprochen hatte. Erst jetzt erlaubte er sich zu weinen und seinen Herrn zu betrauern. Es war ein Bild das zu seinem leben passte. Er hatte die letzten Monate schon mit dem Tod gerungen doch hatte er ihn nicht in die Knie zwingen können. Er starb aufrecht, zu Stolz um sich die Blöße zu geben nicht selbst seine Totenwache zu halten. Alexej verstummte und stand ebenso erstarrt wie sein Herr neben ihm.
Erst am nächsten Morgen wurden sie von wenigen Kriegern gefunden und erst in ihrer Mitte gaben die Knie des Zaren nach. Noch bevor er auf dem Boden auf traf fingen sie ihn auf und brachten ihn auf eine Trage. Sie brachten ihn zurück nach Hause wo seine Kinder schon auf ihn warteten. Seine Söhne brachen sofort zu den vorausgeeilten Heeren auf um Rache zu nehmen. Seine Töchter aber trauerten und weinten. Vasiya Pupkin wusste das sie seine Erbin war. Sie wusste welche Aufgaben auf sie zu kamen jetzt wo er nicht mehr war. Doch vorerst musste sie sich um seine Beerdigung kümmern. Die Katholische Gemeinde in Susdal war nicht so groß wie einst in Mordwina doch nahmen auch viele orthodoxe Christen Anteil. Ein Mann lief vor dem Trauerzug her und rief den Leuten zu: „Der größte russische Zar ist nun von uns gegangen. Er starb wie er lebte, im Kampfe. Der Zar ist tot!“
Den gesamten Zug entlang schüttelten Vasiya fremde Menschen die Hände. Schluchzende Frauen warfen sich ihr um den Hals und beklagten ihres Vaters tot. Es waren Menschen die von seiner Fürsorge Profitierten. Denn nichts war ihm wichtiger gewesen als seine eigenen Leute. Es dauerte nicht lange und Blumen schmückten den weg des Trauerzuges. Am Grabe angekommen erhob ein Priester die Stimme doch er konnte nur wenige vom Schluchzen abbringen.
„Liebe Gemeinde, wir haben uns hier versammelt um einen geliebten Menschen zu verabschieden. Er war unter uns wie einer von vielen und doch sprach man von ihm als bester Heerführer russlands. Er war ein begnadeter Kämpfer und nur wenige Schlachten gingen verloren wenn er dort war. Er war aber auch ein leuchtendes Beispiel für uns Katholiken in diesen fernen Landen. Jede Invasion aus dem Norden schlug er zurück. Er verzagte nicht obgleich die Briefe aus dem Vatikan mich hatten Zweifeln lassen. Er war ein liebender Vater nicht nur für seine eigenen Kinder, nein uns alle nannte er seine Kinder und tat alles um uns zu schützen. Der Heer hat ihn zu sich gerufen um an seiner Seite gegen den Unbill aus der Hölle zu kämpfen. Er wird nun dort gebraucht. Sorgen wir hier für sein Andenken und führen das fort was er begonnen hat. So reichet euch nun die Hände und betet mit mir......“
Vasiya verlor die Fassung und brach weinend am Grab ihres Vaters zusammen. Er wurde hin abgelassen und die Schlange der Trauernden ließ Blumen und Erde auf seinen Sarg fallen. Alle zogen an ihr vorbei, einige Weinten wie sie, andere hatten versteinerte Gesichter und einige berührte der Tod ihres Vaters nicht. Doch alle nahmen sie teil an diesem Ereignis. Als sie allein am Grabe war sah sie das es fast gänzlich gefüllt war. Sie hatte stundenlang dort gesessen und zugesehen wie es sich langsam füllte. Sie verdrückte eine letzte Träne, gab dem Grabstein einen Kuss und ging um den Worten des Priesters zu folgen.
Als sie sich einige Meter entfernt ein letztes mal umdrehen wollte sah sie das ein kleiner Stein auf dem Grabe ihres Vaters lag. Sie wunderte sich doch stand ihr Entschluss fest. Sie verließ diesen Ort um erst wiederzukommen wenn sie seinen Plan vollendet hatte.