Es tat gut, seine inzwischen alt gewordene, aber immer noch zuversichtliche Stimme zu hören und Svana lauschte geduldig, um sich jede Melodie seiner Worte einzuprägen. Denn wer wusste schon, wann sie sich das nächste Mal wieder begegnen würden. Und sie hatte sich etwas zur Aufgabe gemacht, weswegen sie hier war, um ihm etwas zu überbringen, damit er Finnland nie vergessen würde. Doch sie wollte auf den richtigen Moment warten. „Was mich daran zweifeln lässt?“, fragte Svana verträumt in sich schmunzelnd hinein. „Wenn ich am Zweifeln bin, dann denke ich oft an unser Gespräch zurück, welches wir in jener Nacht auf dem Schiff zurück in die finnischen Gewässer über den Glauben führten.“ Wie naiv musste das nun klingen, aber für Svana hatte die Begegnung mit Smoker eine tiefere Bedeutung und die hatte sie geprägt wie der Aufenthalt in Mordwina, so dass sie einen ganz anderen Bezug zum christlichen Glauben als manch ein anderer Nordlebender bekam. Es half ihr durchaus bei Konflikten mit den Andersgläubigen weiter, nicht mit Unkenntnis zu argumentieren, sondern in deren Seelen und Zerrissenheit zu blicken, so wie es beim Sachsenkönig war. Aber letzten Endes waren sie doch alle gleich und Svana würde es sich nicht anmaßen wollen, sich über Smoker zu stellen, sondern ihm würdevoll auf gleicher Augenhöhe zu begegnen.
„Nicht nur dich hat es überrascht, dass ich nun Kuningatar von Suomen bin. Mich ebenso.“ Sie legte eine kurze Gedankenpause ein, ehe sie andächtig weiter sprach. „Die Anforderungen sind von allen Seiten hoch und ich fühle mich stets beobachtet. Ich frage mich oft, ob ich dem überhaupt gerecht werden kann. Manch eine Entscheidung belastet mich sehr, aber daran ändern kann ich nichts mehr. “ Dass Loreleia nach ihrem Leben trachtete und sie somit weitere, durchaus ernsthaftere Sorgen zu beklagen hatte, verschwieg sie gegenüber Smoker. Genauso verschwieg sie ihm, dass sie sich als Versager fühlte. Sie hatte sich eine sichere Zukunft für Finnland gewünscht, aber stattdessen gab es einen Streit mit ihren Nachbarn, den Norwegern und das Verhältnis zu ihnen änderte sich. Es war ein herber Schlag für sie, aber sie hatte die Fäden nicht in der Hand, sie konnte es nicht kontrollieren. Sie fühlte sich schwach.
Smoker hatte Svana angeboten, ein Stück spazieren zu gehen. Dankbar nahm sie das Angebot für ihre müden Knochen an und schlenderte so mit ihm über die Kiewer Burg. „Ja, in Finnland ist es momentan ruhig. Aber diese Ruhe kann jederzeit trügerisch sein.“ Und wieder verschwieg Svana etwas Smoker, dass sie sich einfach ihrer Pflichten entzogen hatte, um sich Tage des Rückzugs, einer Flucht gleich, zu gönnen. Das Turnier war nur ein Vorwand, um den Aufgaben in Finnland zu entkommen. Aber sie redete sich damit heraus, dass sie ihm etwas persönlich überreichen musste und das hatte genauso Priorität wie bei ihrem Volke und bei Yrr zu sein, die sie sehr vermisste. Auf der nächsten Reise würde sie sie bestimmt mitnehmen, denn dann wäre sie alt genug, um die Strapazen zu überstehen.
Ihr vertrautes Gespräch wurde sodann durch einen Priester unterbrochen, dessen Laute sie nur vernehmen, aber nicht verstehen konnte. Doch seine Körperhaltung sprach dafür, dass über sie geredet wurde und Smoker teilte ihm ihren Namen mit, woraufhin er sie fragend anblickte. Sie sah ihn ebenso erstaunt in der Hoffnung an, er würde sie aufklären, was der Priester erfahren wollte.