Lange hatte er keine Muse gefunden seine Gedanken in Worte zu fassen, denn zuviele Geschehnisse nahmen in gefangen und so brauchte es eine Weile bis er den verloren gegangenen Faden weiter zu spinnen bereit war.
Mit gedankenschweren Kopfe trat er in seine Räumlichkeiten, als ihn förmlich ein Schatten anzuspringen schien und instinktiv schlug er mit seiner Faust dorthin wo er den Kopf des selbigen vermutete. Der Schlag schien getroffen zu haben den sein Knappe Malvoisin lag vor ihm im Staube und sein glasiger Blick sagte dem Kanzler das es noch eine Weile dauern könnte bis dieser wieder zu sich käme.
Verwundert nahm er war das seine Schatulle mit privater Korrespondenz offen stand und einige Briefe sehr persönlicher Natur herumlagen und eindeutig gerade erst gelesen worden waren. Behutsam nahm er einen nach dem anderen auf und überflog jede einzelne Zeile liebevoll und mit verzücktem Lächeln.
QUOTE:
Verehrter Kanzler de Moustache,
ich wollte Euch auf diesem Wege nur mitteilen, dass ich einem Antrag von Euch durchaus aufgeschlossen wäre. Immerhin habe ich Euch bereits als sehr tapferen und ehrenwerten Ritter kennengelernt, der nicht nur das Französische Großreich, sondern auch mich schwache Maid gut verteidigen kann.
Ich habe einen Antrag bereits von einem Ritter aus Bayern erhalten, jedoch stehe ich diesem nicht sehr positiv gegenüber.
Ich kann allerdings verstehen, dass Ihr vielleicht keine Heirat mit mir wollt, auf Grund meiner Jugend, meiner noch unzureichenden Erfahrung und meines kleinen Lehens, das sich noch im Aufbau befindet. Sollte dies der Fall sein, so bitte ich Euch mit der Euch angemessenen Großzügigkeit über dieses Schreiben hinweg zu sehen.
Eure Vanessa de Montpellier
Er konnte sich noch an seine Antwort erinnern als wäre es gestern gewesen, zaghaft und kaum sich trauend das undenkbare auszuformulieren.
QUOTE:
Liebreizende Blume Frankens mit Namen Vanessa de Montpellier,
Eure Worte schmeicheln meinem Ego mehr als ich dies in Schrift und Bild zu fassen vermag und dies dem Manne dem nachgesagt wird einer der begnadetsten Schreiber des Grossreiches zu sein.
Nur allzugern bin ich bereit um Euch zu werben und gar erschüttert bin ich über das dreiste, als auch unverfrorene Ansinnen eines bayuwarischen Kuhhirten Euch in die entfernte Provinz zu entführen.
Einzig ein Hinderniss steht dem im Wege, das da wäre mein Versprechen gegenüber meinem geliebten und einzigartigen Herzog Prinzipal, zuforderst ihn zu verheiraten auf das die Dynastie durch einen legitimen Erben erhalten bleiben möge. Doch dies wurde von meiner Seite schon in Auftrag gegeben und so ihr dennoch auf einen Aussenkanzler warten wollt, der Eure Grazie mit Sicherheit nicht verdient hat, würdet Ihr diesen Manne überglücklich machen.
Auch würde meine Wenigkeit Euch niemals schlicht vor den Brautaltar zerren, sondern angemessen von einem Grafen ein Turnier zu Euren Ehren ausrufen lassen, auf das der stärkste befreundete Kämpe Euer Brautzeuge sein möge.
Desweiteren wäre es mir eine Freude Euch den Hof im Vorfelde machen und einige schlechte Kostproben meiner Minne vortragen zu dürfen.
In tiefster Demut vor solcher zarter Schönheit und reinem Geiste
Albert de Moustache
Aussenkanzler Burgunds
Baron zu Troyes
Vasall Eurer Eleganz
*Gesiegelt als Baron zu Troyes*
Kaum wagte er die Depesche aufzuheben, die ihre zarten Finger im schrieben.
QUOTE:
Verehrter Kanzler de Moustache,
Eure schönen Worte und Einverständnis erfreuen mein Herz sehr. Euer Versprechen gegenüber dem Herzog ehrt Euch und mehrt Euer Ansehen in meinen Augen ungemein, denn es beweist mir was für ein loyaler und tapferer Ritter Ihr seid.
Dies beweist mir nur um so mehr, dass es von mir die richtige Entscheidung war, nicht dem Werben dieses "Kuhhirten", wie Ihr so treffend sagtet, nachzugeben.
Gerne bin ich bereit zu warten, bis Ihr Euren Herrn verheiratet habt, um seine Dynastie am Leben zu erhalten. Dass Ihr meiner Wenigkeit wegen sogar ein Turnier ausrichten wollt, ist mehr Ehre als eine junge Edeldame wie ich verdient hat, aber so es Euer Wunsch ist, werde ich mich diesem gerne beugen.
Desweiteren dürft Ihr mir natürlich gerne den Hof machen, bis Ihr Euren geliebten Herzog verheiratet habt. Ich warte gerne auf Euch.
Mit liebsten Grüßen
Eure Vanessa de Montpellier
Freiherrin von Franken
Auch hier kannte er noch die Antwort auswendig, hatte er doch gar viele Stunden über die passende Antwort gebrütet, die nicht zu dreist aber auch keinesfalls zu gefühlskalt klingen durfte.
QUOTE:
Güldene Rose Frankens mit Namen Vanessa de Montpellier,
Ach welch Labsal sind Eure Worte für meine verwundete Kriegerseele, die gezwungen ist sich mit Barbaren, die kaum einer zivilisierten Sprache mächtig, auseinander zu setzen.
Eure Sprache zeugt von einem Geiste der kaum zu benennen ist in seinem strahlenden Lichte und Reinheit, die nur durch Eure feine Bescheidenheit übertroffen wird.
Euer Einverständnis, mir die Minne um Euretwegen zu erlauben versetzt mein Herz in einen himmelhochjauchzenden Zustand, der nur noch durch ein Hosianna der Engel zu übertreffen wäre.
Auf das Schnellste will ich Euren Lehnsherr um die Erlaubnis bitten um Euch zu freien, so ihr denn mir diesen benennen wollt und möge er mir noch so schwere Questen auferlegen um meine Würdigkeit zu erproben, so will ich alle erfüllen wenn Gott und seine Heiligen mir dies gestatten.
Auch werde ich den Grafen zu Konstanz Tenereth zu Eile gemahnen auf das er seine Quest in Eile beenden und eine standesgemässe Braut unserem Herzog zuführen möge, wie es ihm von mir aufgetragen wurde.
In grösster Verzückung ob Eures Duftes des reinen Geistes
Albert de Moustache
Aussenkanzler Burgunds
Baron zu Troyes
Eures Herzen Vasall
*Gesiegelt als Baron zu Troyes*
Er nahm den dritten Brief von ihren Händen auf und brauchte ihn erst gar nicht zu überfliegen um zu wissen was in ihm stand.
QUOTE:
Tapferer Ritter, begnadeter Dichter und Kanzler von Burgund
Albert de Moustache,
meine Lehensherrin ist Lady Ravenhorst von Maritime, wo ich auch mein Lehen habe. Auch erfreut es mein Herz zu hören, dass Ihr Euren tapferen Ritter zur Eile animieren wollt, um seine Quest zu beenden.
Ich bin mir sicher, dass wir dann schon bald unsere Hochzeitsfeierlichkeiten abhalten können, denn ich glaube nicht, dass eine Euch gestellte Aufgabe zu schwer sein kann. Ich freue mich darauf wieder von Euch zu hören und bin zuversichtlich, dass sich für uns bald alles in Wohlgefallen auflösen wird.
In Liebe
Eure Vanessa de Montpellier
Er nahm alle drei Schreiben legte sie behutsam zurück an ihren angestammten Platz und verschloss das Kistchen mit einer zarten Bewegung die man diesen sehnigen Kriegerhänden nicht zutrauen würde, drehte sich zu seinem langsam erwachenden Knappen um und packte ihn am Kragen.
"
Bursche du weisst was dir nun blüht oder?" kam es aus dem kleinen Kanzler hervor.
"
Ja ... Herr" war das einzige was der ertappte und kaum bei Bewusstsein befindliche Knappe hervorbrachte.
"
Soll ich die Strafe den Knecht ausführen lassen oder wollt ihr sie von mir empfangen?"
"
Wenn der Herr so gütig wären, würde ich es vorziehen sie von Euren Händen zu empfangen!"
So geschah es das kurze Zeit später ein einzelner Schrei des Knappen Malvoisin über den Burghof zu Burgund erschallte als der Feldscher ihn von der Bank nahm und ihn behandelte.
Doch während der zwanzig Schläge auf seinen Rücken hatte er sich ritterlich zurückgehalten, wie Albert de Moustache stolz vermerkte. Denn auch wenn er den Knaben liebte konnte und durfte er diesen Affront nicht durchgehen lassen.
Doch ein Gutes hatte das unbedarfte Handeln des Jungen, der Kanzler war sich nun bewusst das drei Schreiben aufzusetzen unbedingt nötig war und so begab er sich nachdem sicher war das sein Knappe gut umsorgt wurde, gen Schreibstube.