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Ich empfehle seine Seele dir oh Herr... (1 Leser) (1) Gast
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THEMA: Ich empfehle seine Seele dir oh Herr...
 
Alex Svoboda

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Ich empfehle seine Seele dir oh Herr...      22.01.2009 19:02:32 --- 3 Jahre, 4 Monate her  
Endlich wieder in der Heimat. Mit stolzen Schritten lief der Friedhelm über sein Lehen. Prächtig war es gewachsen. Seine kleine Au hatte sich zu einer beeindruckenden Stadt entwickelt , umgeben von mächtigen Mauern, fruchtbaren Feldern und von einer geschäftigen Bevölkerung bewohnt, deren Handwerkskunst sich schon über die Grenzen Mordwinas hinaus einen Namen gemacht hatte. Nur seine eigene Residenz sah noch nicht sonderlich beeindruckend aus. Tatsächlich schon fast heruntergekommen, waren er und sein kleiner Stab aus vertrauten Personen fast 3 Jahre durch ganz Europa gereist, Bayern, Sachsen, Byzanz, Makedonien, Vatikan. Der Feldzug gegen Ungarn war ohne große Gegenwehr verlaufen, ein Jammer, dass es so weit hatte kommen müssen. Aber nun war er wieder zurück in seiner Heimat, der geliebten Heimat Mordwina.

Freude überkam ihm und er verspürte den kaum zu bändigenden Wunsch, vor Übermut über die saftige Wiese zu rollen, die sich vor ihm ausbreitete. Was er natürlich nicht tat, schließlich war er Bischof seines jungen Volkes und hatte Ernst und Ruhe auszustrahlen. Unentwegt musste er kleine Kinder segnen, die ihm seine fruchtbaren Lehenstreuen unter die Nase hielten, vielerorts hielt man in Gesprächen inne und zollte ihn Respekt auf eine Weise, die ihm in der Hingabe gar nicht gefiel. Aber er erinnerte sich daran, dass es ja nicht ihm galt, sondern dem, was er repräsentierte: den Heiligen Stuhl in Rom. Er war der Gesalbte, der Schäfer der Mordwinen, der Leuchtturm des Glaubens und geistiges Oberhaupt der durch und durch gläubigen Bevölkerung. Die Mitra und sein Bischofsring, Schäferstab und alle anderen Insignien seiner Würde überstrahlten alles, was er selbst als Person darstellte. Zumindest redete er sich das ein, um die Schwere, die er bei solche Respektsbekundungen empfand dem Amt zuschieben zu können, das er bekleidete.

„Eure Exzellenz! Eure Exzellenz!“ ein fetter Herold mit Wappen des Zarenhauses kam schnaufend angerannt und blieb schwer atmend stehen. Bevor der Bischof überhaupt reagieren konnte, hatte der schon die Hand Friedhelms ergriffen und den Bischofsring geküsst und sich dann vor ihm auf die Knie geworfen. „Eure Exzellenz. Ihr müsst kommen. Ihr müsst zum Zaren kommen. Wir haben Euch schon überall gesucht.“ Friedhelm wollte schon lachen über diese ungewöhnlichen Auftritt des Herolds, doch ein Blick ins Gesicht des Mannes und die Tränen in seinen Augen ließ ihm die Nackenhaare zu Berge stehen und das Lachen im Halse stecken bleiben. Eine schlimme Vorahnung brach über den Schäfer herein, ein Knoten bildete sich in seinem Magen.
„Ruhig Mann. Was ist los in Gottes Namen. Warum seid Ihr so aufgebracht?“ presste er hervor.
„Der Zar. Der Zar. Der Zar liegt im Sterben!“ flüsterte der Dicke heiser. Tränen rannten ihm die Wangen hinunter. Friedhelm wurde schlagartig eiskalt. Einen Moment später rannte er auch schon los. Jegliche Würde vergessend raffte er seine Robe über die Knie und raste zum nächsten Pferd, dass er im Sichtfeld hatte. Mit einem Satz war er von Hinten auf den Rücken des Tieres gesprungen und war bereits im gestreckten Galopp, bevor dessen Besitzer überhaupt „HE“ gerufen hatte. Seine Mitra landete unbeachtet auf dem Boden. Die zwei schwergerüsteten Schweizergardisten und sein Sekretär Floriens riefen ihm noch irgendetwas hinterher, aber er hörte nichts mehr, denn er brüllte das Pferd an, um ihn noch schneller zur Burg Mordwina, dem Sitz des Zaren, zu tragen.

Nach einem scharfen Ritt quer über die Felder erreichte Friedhelm schließlich den großen Trutz Mordwina. Zum Glück hatten die Wachen sein Gewand schon aus Ferne erkannt und ihm Platz gemacht, er hätte nicht mehr rechtzeitig anhalten können. Im Innenhof war er schon aus dem Sattel gesprungen, bevor das Pferd richtig zum stehen kam und setzte, drei Stufen auf einmal nehmend, in langen Sätzen die breite Treppe zum Tor des Haupthauses hinauf. Man ließ ihn ohne Widerwort ein und führte ihn direkt in die Gemächer des Zaren, wo der ganze Haushalt versammelt war. Überall bleiche Gesichter, verweinte Augen und das Trauerschwarz der Klageweiber. Der Zar Boris lag mit kalkweißen, eingefallenen Wangen und dunklen Schatten um Augen und Nase in seinem Bett und schien tief zu schlafen. Seine Stirn war glühend heiß, die Hände Eiskalt. Friedhelm kniete sich neben ihn auf den Boden und griff seine Rechte mit beiden Händen.
„Mein Zar. Boris! Das darfst du mir nicht antun. Das darfst du uns nicht antun. Wir brauchen dich, bleib bei uns.“ Nichts schien darauf hinzudeuten, dass der Zar Ihn überhaupt noch hörte. Eine heißere Stimme aus einer Ecke des Zimmers gab den Blick auf ein gebücktes Männlein frei, welches händeringend nach Worten suchte:
„Es… es ging ganz schnell. Wir … er… aß nichts mehr. Trank nichts mehr. Schon seit einer Woche liegt er nur noch und rührt kein Lid. Das Fieber verzehrt ihn und wir haben nicht die leiseste Ahnung, woran er leidet. Die Krankheit ist uns nicht bekannt und wir… sind Machtlos.“ Der Heiler fummelte an seinem Gürtel, blickte beschämt zu Boden und schüttelte den Kopf. Hinter Ihnen hörte man leise Aufruhr, dann betrat Floriens mit besorgter Miene das Krankenzimmer. In seiner Hand hielt er die Mitra und den Fischerstab, den sein Herr auf seiner kopflosen Anreise verloren hatte. Friedhelm straffte die Gestalt und nahm die Insignien seiner Würde wieder an sich. Dann lies er sich die notwendigen Utensilien zur letzten Ölung bringen.

Mit Weihwasser besprenkelte Friedhelm den Zaren und sprach:
„Der Friede des Herrn sei mit dir. Dieses geweihte Wasser erinnere dich an den Empfang der Taufe und an Christus, der dich durch sein Leiden und seine Auferstehung erlöst hat. Ich werde für dich Beichten, um in rechter Gesinnung deine letzte Ölung zu vollziehen.
Ich bekenne Gott, dem Allmächtigen dass ich Gutes unterlassen und Böses getan habe - ich habe gesündigt in Gedanken, Worten und Werken
-durch meine Schuld, durch meine Schuld, durch meine große Schuld.
Darum bitte ich die selige Jungfrau Maria, alle Engel und Heiligen, für mich zu beten bei Gott, unserem Herrn. Der allmächtige Gott erbarme sich meiner. Er lasse mir die Sünden nach und führe mich zum ewigen Leben."

Dann schlug er das Kreuz über dem Todkranken und flüsterte:
"Ego te absolvo.“
Unruhig flatterten die Lider des Zaren, als hätte er verstanden.
„Herr, komm mit deinem Erbarmen und erfülle sein Herz mit deinem Licht und führe Ihn zum himmlischen Leben.“
Dann salbte der Schäfer Stirn und Hände des Zaren und sprach den Segen.
„Es segne dich der allmächtige Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist.“

Und als hätte er nur auf diesen Moment gewartet, tat Boris, der erste Zar Mordwinas seinen letzten Atemzug und lag dann für immer still.


Stimme von Mordwina, der Seeligen
 
Letzte Änderung: 2009/01/22 19:05 von Alex Svoboda.
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Ich empfehle seine Seele dir oh Herr...
Friedhelm von der Au 2009/01/22 19:02
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Ottowald von Morgen 2009/01/22 19:51
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Dorgos 2009/01/22 22:15
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Goldmarie 2009/01/23 22:03
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