Vorgeschichte:
Es war ein herrlicher Junitag als Svana die Nachricht durch einen Boten erhielt:
Mit gemischten Gefühlen vernahm sie diese Nachricht und schluckte schwer, denn es würde ihre erste Kriegserfahrung werden. Ernüchternd entsinnt sie sich den Duellen mit Yira. War sie doch immer die Unterlegene, aber Yira war ein guter Gegner und sie konnte bereits einiges von ihr lernen. Aber gegen gut bewaffnete, kampferprobte Männer kämpfen? Das wird eine große Herausforderung. In dem Augenblick wünschte sich Svana, sie hätte noch mehr Zeit zum Erlernen ihrer Fähigkeit gehabt, aber nun hilft es nicht weiter. Sie muss sich dem stellen und ihrem Land beistehen.
Ihren wenigen Einwohner von Nybro gab sie noch letzte Anweisungen und betrachtet Nybro mit einem flauen Gefühl im Magen. Ob ich dieses Dorf je wieder sehen werde? Sie atmete tief durch, ließ einen letzen Blick über Nybro schweifen, griff sodann ihre paar Habseeligkeiten und machte sich auf den Weg zur Burg nach Västmansland.
Der Marsch dauerte lange und die Hitze der bereits stehenden Junihitze machte sie schwer zu schaffen. Hier und da war ein Bach und das kühle Wasser war sehr willkommen. Der Fisch, den ihr die Bäuerin einpackte, fing bereits an zu stinken. Angewidert warf ihn Svana weg. Das wenige Pökelfleisch und Brot gingen ebenso langsam zur Neige. Sie musste sich nun aus der Natur bedienen. Die Bäche waren reichhaltig an Fischen. So musste sie kaum hungern, aber so langsam mochte sie keinen Fisch mehr sehen. Hier und da griff sie zur Rinde eines Baumes, um auf anderen Geschmack zu kommen.
Schließlich erreichte sie doch noch ihr Ziel.
Als sie die Burg betrat, sah sie viele Ritter – und zu ihrem erstaunen war sie nicht die einzigste Kriegerin. Es gab noch mehrere Frauen, die es vorzogen, mit der Waffe in den Krieg zu ziehen als das Heim und die Bälger zu hüten. Sie erkannte sogar einige Gesichter und nach der langen Anstrengung konnte sie sich ein Lächeln abringen. Freundlich begrüßte sie jeden der Ritter mit einer Verneigung und wünschte allen: Möge Odin mit uns sein.
Sie fand sie in der großen Halle ein. Dort erfuhr sie, dass ihr eigentliches Heer bereits weiterzog und so erhielt sie den Befehl, dem verbliebenen Heer in der Burg anzuschließen.
Nun steckte Svana in einer moralischen Zwickmühle. Sie erhielt zuvor von Arcus einen Botengang zu einem Ritter des bereits ziehenden Heeres. Er würde sicher mächtig mit ihr schimpfen, aber die Kriegsplanung war nun wichtiger und sie befolgte den Befehl.
Anknüpfung:
Das Heer zog nicht sogleich fort und es standen Trainingskämpfe an. Ernüchternd stellte Svana fest, dass jeder seinen Partner hatte und als sie den einen oder anderen fragte, ob dieser mit ihr trainieren war, wurde sie nur belächelt. ‚Ja, ich bin noch klein und schwach’, dachte Svana bei sich. ‚Aber wartet nur, wenn eure Bälger mich eines Tages fragen sollten.’ Sie war frustriert über diese Ablehnungen. Vor Wut schlug sie so auf einen Baum ein. Kurz darauf wurde sie angesprochen mit den Worten: „Wieso hast du keinen Kampfpartner wie die anderen?" Svana zuckte zusammen. Irgendwie fühlte sie sich dabei ertappt, sich nicht hartnäckiger durchgesetzt zu haben. Doch dies wollte sie sich nicht anmerken lassen und antwortete trotzig: „Was können dir mir schon noch beibringen?“ Um ihrer Aussage noch Nachdruck zu verleihen, reckte sie den Hals und das Kinn besonders hoch mit einem schelmischen Grinsen auf den Lippen.
Mit großen, funkelnden Augen mustert sie den Ritter, der vor ihr stand von Kopf bis Fuß und wieder zurück. Ihre Augen starrten direkten in die Seinen. Sie kannte diesen jungen Mann nicht und war sich unsicher. ‚Ob das so klug war, Svana?’