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THEMA: Der Skalde des Unbeständigen
 
Anuschka Ormsdottir

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Der Skalde des Unbeständigen      11.03.2010 20:09:37 --- 2 Jahre, 2 Monate her  
Od saß in Lettland fest. Er hatte die Grenzen Litauens überschritten. Keine Böse Absicht hat ihn getrieben. Oder vielleicht doch? Nicht einmal er wusste genau, warum er es getan hatte. Aber der Graf Wulfgar ohne Land hatte ihn gefangen nehmen lassen. Nun saß er hier in einer Zelle. Ihm wurde wenigsten zugestanden, eine Zelle alleine und Oberirdisch zu bewohnen, denn immerhin war er kein gewöhnlicher Verbrecher, sondern ein Jarl Schwedens.

Od wurden in seinem Leben noch nie die Freiheit entzogen. Das Schicksal, an das er gebunden war, lass zwar auch nicht immer Freiheit zu, aber doch mehr, als diese Zelle. Aber es war sein Schicksal. Dessen war sich Od sicher. Loki stellte ihm nur eine weitere Prüfung, so wie er es immer schon getan hatte. So lange Od lebte war es nicht anders. Schon kurz nach seiner Geburt starb seine Mutter. Sie wurde von einer Schlange gebissen. Solch ein Biss war in seiner Heimat Schwedens nicht besonderes. Beim Beeren pflücken wurden immer wieder Frauen gebissen. Und solch ein Biss ist auch meist nur lästig, aber nicht gefährlich. Doch die Wunde seiner Mutter hatte sich entzündet. Sie merkte es leider zu spät und so starb sie an dem Fieber. Od hatte damals noch nicht einmal einen Sommer gelebt.
Niemand hätte damals auch nur geahnt, welches Schicksal der kleine Od vor sich hatte. Er wuchs bei seinem Vater auf. Schon früh zeigte sich die Angewohnheit von Od, ärger zu machen. Sein Vater hatte es nicht leicht mit ihm. Es gab kaum einen Tag, an dem Od artig war. Mal versteckte er das Bier von seinem Vater, mal löschte er das Feuer oder verteilte Mehl im ganzen Haus. Die Bewohner des Dorfes nannten ihn daher schon früh Loptrskald, den Skalden Lokis.

In der Jugend wurden Ods Vergehen immer schlimmer. Er zerschnitt Netze, manipulierte Waffen und zerstörte Segel. Auch sonst war er anders als seine Altersgenossen. Er war ein Einzellgänger und er kämpfte selten. Dabei war er weniger aggressiv, sondern kämpfte Hinterhältig. Nicht selten versteckte er sich und schlug von hinten zu. Bei seinem größten Streich verbrannte er zwei Fischerboote. So zog er sich den Hass des ganzen Dorfes auf sich. Doch bevor er von ihnen bestraft werden konnte, floh er aus dem Dorf. Sein Talent einfach zu verschwinden hatte er schon vorher genutzt. Doch diesmal rettete es ihm das Leben.

Als er nach Litauen kam, nützte ihm diese Fähigkeit leider gar nichts. Er war nicht darauf vorbereitet, dass er in Litauen ist. Eigentlichen wollte er nur durch Nowgorod reisen und dann mit einem Schiff nach Schweden über zusetzen.
Das ganze erinnerte ihn an die Gylfaginning, wo unter anderem beschrieben wird wie Loki gefangen wurde. Nur durch eine Nachlässigkeit konnte Loki gefangen werden. Und auch Od konnte nur wegen seiner eigenen Nachlässigkeit gefangen genommen werden. Nun ist er der, der das Gift der Schlange ab bekam. Seine Entschuldigung wurde vom Wulfgar verspottet. Das Angebot von Wulfgar, dass sich Od taufen lassen sollte, war wie Gift einer Schlange in seinen Ohren. Mit jedem Tag, den Od länger im Kerker sitzt, wir der Hass auf Litauen und die gesamte Christenheit größer.
Aber auch diese Prüfung wird er überstehen. Irgendwann werden es auch wieder angenehmere Aufgaben von Loki geben, da war er sich sicher.



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Re:Der Skalde des Unbeständigen      11.03.2010 23:12:56 --- 2 Jahre, 2 Monate her  
Die Stunden vergingen wie Tage, die Tage wie Wochen in dem Kerker. Es gab nichts zu tun. Doch das schlimmste war, dass Od wusste, dass seine Brüder und Schwestern in Schweden für die Freiheit kämpften. Er hatte den Bericht von Arcus vor dem Turnier in Nowgorod gehört und wusste um die Situation in der Heimat. Aber vielleicht war der Krieg auch schon zu Ende. Vielleicht gab es kein Schweden mehr. Vielleicht würde er wenn er Heim kehren würde nichts so sein wie es war. Vielleicht waren nur noch Ruinen übrig, von dem einst so stolzen Schweden. Aber nein, die Götter würden dies nicht zu lassen. Diese Ungewissheit war das schlimmste in seinem Gefängnis.

Od stand am vergitterten Fenster wo er in der Ferne das Meer sehen konnte. Das Meer, die Heimat aller Nordmänner war auch seine Heimat. Es war so nah, aber doch unerreichbar fern. Innerlich hoffte er, dass Drachenboote am Horizont erscheinen würden um ihm zu befreien. Doch er wusste, dass keines kommen würde. Sie wissen, dass er fehlt, aber nicht wo er ist. Od konnte keine Nachricht verschicken. Die Wachen erlaubten nur einen Briefwechsel mit dem Grafen der ihn gefangen hielt. Und diesem hatte er nichts zu sagen. Er hoffte, dass Loki schon in seinem Federgewand Od erspiehen hat und den Schweden Kunde von seinem Missgeschick überbringen würde.

Loki half häufig. Vor allem wenn er der Schuldige an den Missgeschicken war. Od fiel eine der ersten Sagen ein, die er gelernt hatte. Diese Sage hatte er von der alten Knochenhexe in seinem Dorf gelernt. Eine der wenigen Personen, die von Ods Schicksal ahnten. Von ihr lernte er in seiner Kindheit und seiner Jugend viel über die Welt des Asen, Wanen und Riesen. Sie lehrte ihm die Sagen, aber auch die Fähigkeit, aus den Runen zu lesen.
Die Sage Handelte von der Entführung und Wiederholung der Idun und ihrer goldenen Äpfel. Die drei Brüder Odin, Hönir und Loki zogen über die Berge, wo es kaum etwas zu essen gab. Doch als sie auf eine Herde Ochsen stießen, nahmen sie einen und wollten ihn kochen. Der Riese Thiassi, in einem Adler Gewand, sicherte ihnen Hilfe zu, wenn er sich satt essen könne. Doch Loki missfiel es, dass er sich die besten Stücke nahm und schlug ihn mit einer Eisenstange. Daraufhin schleppte ihn der Riese mit und Loki schrie um seine Freiheit. Der Riese wollte Idun und ihre Äpfel haben und Loki versprach sie ihm zu geben. Doch als Idun und ihre goldenen Äpfel fehlten, alterten die Asen gar schnell. Also wurde der schuldige Loki damit beauftragt sie zurück zu holen. Er borgte sich das Falkengewand von Freyja und flog nach Thyrmheim. Dort verwandelte er Idun in eine Nuss und holte sie Heim nach Asgard. Thiassi verfolgte sie, doch wurde er von den Asen erschlagen.
Diese Sage erinnerte ihn ein wenig ein seine Situation. Doch die Rettung nahte noch nicht und so wand Od von dem Fenster ab und setzte sich auf sein Bett. Seine Kehle war trocken und er trank einen Schluck Wasser. Was würde er für einen Schluck Met alles tun. Er stützte seinen Kopf auf seine linke Hand. Die Langeweile war schrecklich. Also legte er sich in sein Bett und versuchte etwas zu schlafen.



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Re:Der Skalde des Unbeständigen      14.03.2010 16:23:23 --- 2 Jahre, 2 Monate her  
Es war kein Ende in Sicht. Od stand wie jeden Tag mehrmals am Fenster und schaute auf das Meer. Nichts war von seinen Brüdern und Schwestern zu sehen. Er hatte auch nur noch wage Hoffnung, dass sie kommen würden um ihn zu befreien. Wie lang war er schon hier? Er wusste es nicht. Nach einem Monat hatte er aufgehört zu zählen. Loki lies auf sich warten.

Langsam kam Od die Gewissheit, dass Loki selbst nicht kommen würde. Doch vielleicht würde Loki ihm die Kraft geben, sich selbst zu befreien. Od sprach viel mit den Wachen. Er erzählte ihnen von den Ländern im Norden. Von den Göttern und den Helden. Immer wieder durfte er die Sagen erzählen und begeisterte die Wachen und Gefangenen. Und auch Od hörte zu, wenn die Wachen von ihrem Land und ihrem Gott erzählten. Sie gingen ein Risiko ein, wenn sie die Sagen des Heiden zuhörten. Würde es ein Würdenträger hören, so würden er es sicher verbieten. Dies steigerte das Vertrauen der Wachen. Doch Od wollte dieses Vertrauen nutzen. Er wusste, dass es die einzige Möglichkeit wäre, zu entkommen.

Noch war es nicht an der Zeit. Die Wachen hatten immer noch ein misstrauisches Auge auf dem Nordmann. Er musste sich erstmal mit der besseren Verpflegung zufrieden geben. Als er sich nach einem möglichen Freigang erkundigte, verweigerten die Wachen ihm diesen. Doch bald würde die Zeit gekommen sein. Und dann würde er den Weg in die Freiheit antreten. Od wusste noch nicht wie er es schaffen sollte. Doch er wusste, wenn es soweit ist, dann wird Loki ihm helfen und er wird fliehen können. Jetzt musste er sich aber noch damit zufrieden geben, aus dem Fenster zu schauen...



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Re:Der Skalde des Unbeständigen      16.03.2010 00:05:31 --- 2 Jahre, 2 Monate her  
Die Sonnenscheibe stand hoch am Himmel. Od schaute wieder aus dem kleinen Fenster in seiner Zelle. Sein Blick war diesmal aber nicht nur auf das Meer gerichtet, wie sonst fast immer. Die Hoffnung, dass irgendwer zu seiner Rettung kommt, hatte er aufgegeben. Heute würde er flüchten. So eine Flucht muss gut vorbereitet sein, wenn man denn wirklich weg will. 'Das Wichtigste ist aus der Zelle zu kommen, dass stellt das größte Problem da. Aber kein unlösbares.' Od versuchte mehr von dem Dorf zu sehen. Es war nicht einfach. Der Winkel mit dem er aus dem Fenster schauen konnte, war nicht besonders groß und so sah er nur zwei kleine Häuser. 'Keine reichen Leute wohnen da. Das ist gut, dann werden sie nicht bewacht. Dort gibt es hoffentlich etwas zu essen und trinken für die Überfahrt.' Er hatte den Plan gefasst, mit einem Boot zu fliehen. Das zur Seefahren liegt einem Nordmann ja im Blut, zumindest glaubten das hier alle. Und Od wollte sie nicht enttäuschen. Außerdem kannte er sich dort aus. 'Ich muss es mit den Vorräten zumindest nach Gotland schaffen. Dort kann ich neue Vorräte kaufen.'

Die Flucht würde er Nachts versuchen müssen. Im Schein der verräterischen Sonne bräuchte er es nicht versuchen. Nicht nur, dass Od etwas unrechtes tun will, nein er ist auch noch Lokis Skalde. Baldur hasste Od, wie Od ihn hasste. Er müsste es Nachts versuchen. Der Mondhund würde ihm den Weg leuchten, ohne ihn dabei zu verraten.

'Hoffentlich reicht ein Fischerboot.' Od lief in seiner Zelle hin und her. Die Nacht kam immer näher. Seine Aufregung stieg stetig. Unruhig schaute er immer wieder aus dem Fenster. In Gedanken ging er immer wieder den Fluchtweg durch. 'Wenn ich doch wenigstens die Runen lesen könnte!'

Als die Dämmerung sich langsam über das Land legte, kam Od kurz zur Ruhe. Noch kurz zur Ruhe kommen. Er wollte noch Zauber. Die Zaubersprüche der Ljodatal würden helfen.

" Die Lieder kann ich,
die keine Königin weiß
und niemandes Nachkomme:
Hilfe heißt das erste;
es wird helfen dir
in Not und Nachstellung."

Od machte eine kurze Pause. Dann fuhr er mit dem vierten Zauberspruch fort:

"Ein viertes kann ich,
wenn ich Fesseln man mir
die Gelenke legt:
die Weise sing ich,
dass ich wandern kann;
es springt das Band mir vom Band,
die Fessel von der Faust"

Dann stand Od auf und ging wieder zum Fenster. Er schaute hinaus und wartete auf die Dunkelheit.



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Letzte Änderung: 2010/03/16 00:14 von Anuschka Ormsdottir.
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Re:Der Skalde des Unbeständigen      16.03.2010 23:58:44 --- 2 Jahre, 2 Monate her  
Die Wach ablöse wurde vollzogen. Od verstand nicht was sie sagten, aber er erkannte die unterschiedlichen Stimmen. Er wartete noch ein bisschen.
Nach dem Fenris am Himmel schon ein Stück gewandert war, fühlte sich Od sicher genug. Die Einwohner des Dorfes sollten schlafen und nur noch der Nachtwächter auf den Straßen sollte anzutreffen sein. Od klopfte an die Tür zu seinem Verlies. Nichts. Nicht mal Schritte waren zu hören. Der Nordmann versuchte es noch einmal. Sein Klopfen war diesmal lauter und er länger. Es waren Schritte im Gang zu hören. Dann ein genervtes Stöhnen. Ein alter dicker Wächter machte die Tür auf. Od erschreckte sich kurz. Dieser Mann war noch nie hier gewesen. Ods ganzer Plan musste neu durchdacht werden. Schnell. Od improvisierte. Die Zelle war dunkel. Fenris licht schien noch nicht in die Zelle. Es gab nur zwei Möglichkeiten. Entweder war der Wächter ein alter Hase, der lange nicht mehr im Gefängnis wäre oder ein neuer. Und einen neuen Wächter könnte man schnell an der Nase herum führen. Es musste ein neuer Wächter sein, denn er hatte nicht einmal eine Laterne mitgenommen. So war es immer noch Dunkel in der Zelle. Nur etwas Licht kam vom den Fackeln im Gang in die Zelle. Od wusste, dass es nur leichter werden konnte. "Mein Bett ist kaputt. Könntet ihr euch das einmal anschauen." Od sprach in einem wohl formulierten Latein.
Er hatte es damals von der alten Knochenhexe gelernt. Niemand wusste woher sie diese Sprache konnte. Sie war länger in dem Dorf gewesen, als alle anderen. Jeder hat sie damals um ihren Rat gefragt. 'Wie es ihr wohl geht. Ob sie überhaupt noch lebt?' Od schossen diese Gedanken einen Moment durch den Kopf. Seit seiner Flucht, war er nie wieder in dem Dorf.
Aber im Moment gab es wichtigeres. Der dicke Wächter guckte Od regungslos an. "Ką pasakysi?" Anscheinend konnte er kein Latein. Od zog seine Mundwinkel nach unten. Er deutete in die Richtung seines Bettes. Der Wächter trat in die Zelle und ging zu dem Bett und schaute sich um. Blitzschnell war Od hinter ihm. Seine linke Hand presste er fest auf den Mund von dem Wächter, der sich erschrak und kurz kaum bewegte. Od zog den Dolch des Wächters aus der Scheide und schnitt dem Wächter die Kehle durch. Er versuchte sich noch aus dem Griff zu wenden, doch nach einem kurzem Moment gab es nur noch zucken der letzten Nerven und er Wächter glitt zu Boden. Od wischte sich das Blut von seinem Armen und dem Dolch, nahm sich den Schlüssel des Wächters und verließ die Zelle. Er ging zur neben Zelle. In dieser war Ods Gefährte Gunnar eingesperrt, der mit ihm Gefangen genommen wurde. "Los Gunnar. Heute gehts zurück nach Schweden."
Gunnar war ein Nordmann, wie er in Büchern der Christen beschrieben ist. Er war gute zwei Meter groß, hatte lange blonde Haare und war muskelbepackt. Od hatte ihn deswegen zu seinem Leibwächter gemacht. Selbst in der Heimat konnte er sich so Respekt verschaffen.
"Wurde ja auch Zeit." Gunnar grinste und folgte Od aus der Zelle. Beide schmierten sich etwas Dreck ins Gesicht, damit die draußen nicht so schnell gesehen werden konnte. Sie schlichen aus dem Gefängnis. Sie mussten sich etwas beeilen. Zwei mal pro Nacht, kam ein zweiter Wächter zu den Zellen und schaute nach dem Rechten. Dieser war ansonsten als Nachtwächter im Dorf unterwegs. Sonst war alles ruhig.
Die beiden Männer schlichen zu dem vorderen Fischerhaus am Rande des Dorfes. Od flüsterte "Bleib hier draußen und Pass auf, dass dich der Wächter nicht sieht. Ich geh rein und besorge ein paar Vorräte." Od öffnete vorsichtig die Tür und schlich in die kleine Kate. In der linken Ecke standen zwei Betten, in denen zwei Personen lagen und schliefen. Aus dem rechte Bett kamen laute Schnarchgeräusche. Außerdem stand gegenüber von Od ein drittes, etwas kleineres Bett. Od schlich zu den beiden Betten. Im rechten lang ein Mann, so um die 30 Sommer alt. Od presste wieder seine Hand auf den Mund des Mannes und schnitt ihm die Kehle durch. Er gab keinen Laut von sich und ging ruhig in die Hallen von Hel ein.
Dann drehte er sich um und schaute in das andere Bett. In diesem lag eine Frau, vielleicht etwas jünger als Od selbst. Einen kurzen Moment dachte er daran sie sich zu nehmen. So lang schon hatte er keine Frau mehr gehabt. Doch dann erinnerte sich daran, dass er sich beeilen musste und so schnitt er auch ihr die Kehle durch. Er musste warten, bis er wieder auf der Schwedenburg war und einer Magd nachstellen konnte. Od ging weiter zu dem Bett was gegenüber der Tür stand. Der Junge der in dem Bett schlief, war noch nicht sehr alt. Er hatte vielleicht 5 Sommer erlebt. Doch Od kannte keine Mitleid. Er umschloss mit seinen Händen die Kehle des Kindes. Es wachte langsam auf. Schlaftrunken stammelte es so etwas wie "Tėti?" Dann drückte er zu. Der Junge wand sich in seinem Bett und stöhnte leise. Od drückte so lange zu, bis der Junge sich nicht mehr rührte.
Nach dem Mord an den drei Bewohnern der Kate plünderte Od die Speisekammer. Er nahm einen Ranzen des Fischers uns stopfte alles hinein, was etwas länger Haltbar war. Salzheringe, einen Schinken, Pökelfleisch und natürlich Brot. Reichhaltig war die Kammer nicht und jetzt fasst leer. Dann nahm er noch zwei Fässer Bier und klemmte sie sich unter die Arme. Die Vorräte müssten wenigstens bis nach Gotland reichen und wenn die beiden Nordmänner etwas kargere Rationen zu sich nehmen würden, müsste es reichen.

Draußen wartete Gunnar. Od drückte ihm eines der Bierfässer in die Hand. "So jetzt aber los." Die beiden Nordmänner gingen zur Küste. Die Fischerboote standen auf dem Strand. Sie packten in eines ihre Vorräte und ließen es zu Wasser. Die erste Meile ruderten sie hinaus auf die See. Ein aufgespanntes Segel würde sie sonst verraten. Danach spannten sie das Segel uns setzen Kurs auf Seeland. "Wir müssen uns abwechseln. Einer schläft, während der andere Fährt. Lass uns erst einmall Kurs auf Gamle Hamn setzen. Dort können wir bei unseren dänischen Freunden ein paar Vorräte besorgen und dann weiter Richtung Schweden. Leg dich schlafen. Ich fahre lieber Nachts." Od war sich sicher, dass sie nicht mehr geschnappt werden konnten. Er lächelte. "Danke dem Allvater und dem Feuerbringer."



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Re:Der Skalde des Unbeständigen      18.03.2010 02:27:09 --- 2 Jahre, 2 Monate her  
Die See war unruhig. Das kleine Boot der Nordmänner schaukelte mächtig, doch sie kamen gut voran. Od drehte sich immer wieder unruhig um. Er hatte immer noch Angst das ein Schiff der Litauer hinter ihnen am Horizont erscheinen würde. Doch sie sollten eigentlich weit genug entfernt sein, dass sich die Suche nach einem kleinen Fischerboot kaum lohnen würde. Die wurde immer unruhiger. Od musste etwas tun. Wiedereinmal griff er auf die Zauberformeln der Ljodatal zurück, die für fast jeder Lebenslage eine Strophe hat. Diesmal nutzte er die neunte:

"Ein neuntes kann ich,
wenn mich Not auf See
mein Schiff zu schützen zwingt:
den Sturm auf dem Meer
stille ich
und besänftige die See."

Od sprach die Worte langsam und bedächtig aus, aber so laut, dass sie noch in Meilen zu hören sein müssten. Die Zauber wirkten meist nicht sofort, aber morgen könnte das Wetter vielleicht besser sein. So lange musste Od abwarten und das Ruder fest umklammert haben, damit das Boot nicht kentert.

Gunnar schlief laut schnarchend. Die Überfahrt machte ihm, natürlich, keine Probleme. Auch Od konnte mit dem Schaukeln umgehen. 'Bald müssten wir Farö erreicht haben.' Langsam ging die Sonne auf und Od spürte die Müdigkeit. Mit seinem Fuß weckte er Gunnar. Immer noch war der Sturm so stark, dass Od das Ruder nicht los lies. Gunnar schlief fest wie ein Stein. Od trat ihn noch einmal etwas heftiger, aber Gunnar murrte nur kurz und drehte sich auf die Seite. 'Wenigstens schnarcht er so nicht mehr' musste Od feststellen. 'Diesen Mensch würde nicht mal das Schicksal der Göttern wecken.' Od murrte.

So fuhr er noch eine Weile weiter, bis Gunnar von alleine aufwachte. Das Wetter war etwas besser geworden, aber immer noch nicht besonders. Gunnar setzte sich auf und trank einen Schluck Bier. "Hab ich etwas verpasst?" fragte er grinsend. Od schaute ihn nur mit böse funkelnden Augen an. "Übernimm das Steuer, ich bin müden." murrte er gerade noch. Gunnar wusste, dass mit Od nicht gut Kirschen essen ist, wenn er erbost war. Also übernahm er wortlos das Steuer. Od aß noch etwas Schinken und trank einen Schluck, bevor er sich in den Bug des Bootes legte und einschlief.

Gunnar weckte Od unsanft in dem er ihn mit dem Ranzen bewarf. Od richtete sich auf. Die See hatte sich weitestgehend beruhigt. Er schaute Gunnar böse an. "Was ist?" "Da vorne ist Gamle Hamn." Od schaute sich um und tatsächlich. In weniger als einer Meile voraus war eine kleine Siedlung zu erkennen. "Sehr gut. Dann kann ich ja noch einen Schluck Bier trinken." Od lächelte und trank gleich noch einen großen Schluck Bier.

Sie legten mit ihrem Boot an einem Steg an. Die Menschen in dem Dorf schauten etwas unsicher. Ein Boot solchen Typs hatte man hier noch nie gesehen. Od stieg aus, Gunnar blieb an Bord des Bootes. Nach einer Weile kam er mit etwas Proviant und vor allem drei Fässchen Bier zurück und verstaute es an Bord. Die Fahrt konnte weiter gehen. "Das war ja einfach. Was hast du gemacht? Hast du sie verzaubert?" Gunnar blickte Od etwas ungläubig an. Od nickte "Ja sie konnten meinem Zauber nicht widerstehen. Sprich nicht mehr davon, sonst verzauber ich auch dich." Gunnar schaute ihn erschreckt an. Er sagte nichts mehr. Od legte sich wieder in den Bug des Bootes und grinste noch einen Moment. Natürlich hatte er sie nicht verzaubert. Er hatte den Bewohner ihre Geschichte erzählt und versprochen für das Proviant zu bezahlen, wenn er wieder in Schweden ist. Doch Gunnar sollte ruhig glauben, dass Ods Zauber so mächtig sind. Dann hätte er wenigstens Respekt vor ihm.



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Re:Der Skalde des Unbeständigen      18.03.2010 23:13:27 --- 2 Jahre, 2 Monate her  
Die See war in den letzten Tagen schön ruhig. Es gab auch genug Wind, so dass Od und Gunnar gut voran kamen. Sie waren guter Laune. Bald würden sie wieder in Schweden sein. Od freute sich schon auf die Heimat. Er wollte sich erst einmal etwas in der Burg erholen und mit seinen Brüdern und Schwestern feiern. Auf seinen Ausbruch anstoßen und sich etwas erholen. Er war ausgemergelt von seinem Gefängnisaufenthalt. Zwar war das Essen nicht so karg wie bei anderen Gefangen gewesen, aber er hatte keine Möglichkeit zu trainieren. Od war noch nie ein besonders kräftig aussehender Mann gewesen, sondern immer eher schlank. Doch nun war er nur noch als abgemagert zu bezeichnen. Seine Haut lag direkt auf der Haut, so dass man schon fast das Skelett sehen konnte. Rasiert hatte er sich auch schon seit langem nicht mehr und auch seine Haare sind lang geworden. Sie lagen nun schon auf seinen Schultern. Od war kaum zu erkennen.

"Od aufwachen. Wir sind gleich da." Gunnar trat Od wieder einmal. Od setzte sich langsam auf. "Wurde ja auch langsam Zeit. Heute Abend wird gefeiert." Od lachte kurz. Dann nahm er den Schinken und schnitt ein großes Stück ab. Er verschlang es förmlich. Dann stand er auf und streckte sich. "Die Reise ist vorbei Gunnar. Wir sind endlich wieder zuhause."

Nach einer Weile kamen sie im Hafen an. Gunnar kümmerte sich um das Boot, während Od sich in Richtung Burg aufmachte. Er wunderte sich darüber, dass es so voll war. Überall waren Menschen und am Tor wollten immer mehr hinein. Od schob sich weiter in Richtung Burg. Irgendwas musste hier los sein. Er wollte so schnell wie möglich erfahren, was hier los ist.

Als Od an der Burg ankam, schauten ihn die Wachen ein wenig angewidert an. "Flüchtlinge haben hier keine Zutritt. Und so wie du aussieht schon gar nicht!" Od schaute an sich herunter. Er sah wirklich nicht gut aus. Seine Kleidung war zerrissen und dreckig. Man konnte kaum noch die Farbe erkennen. Überall war er verdreckt. Od hätte sich wahrscheinlich selbst nicht erkannt. Trotzdem schaute er die Wachen mit einem festen Gesichtsausdruck an. "Ich bin Od Loptrskald. Jarl von Bergland, lasst mich hinein, sonst soll euch Fenris reißen." Die beiden Wachen musterten Od noch einmal genau. "Jarl Loptrskald? Wo kommt ihr her?" "Das werdet ihr noch früh genug erfahren. Ich muss dringend mit Thunder oder einem der Huskjarl sprechen.“

Die Wachen ließen ihn natürlich durch. Od ging erst einmal in Richtung Kriegerhalle.



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Re:Der Skalde des Unbeständigen      19.03.2010 15:22:50 --- 2 Jahre, 2 Monate her  
Voller Elan hatte ich mich in das tägliche Training geworfen. Nach der Zeit, in der ich hauptsächlich Mutter gewesen war, dürstete mein Geist wie mein Körper wieder nach dem Speer. Nie hätte ich mich für eine Seite entscheiden können, hätte man mich vor die Wahl gestellt. Doch mein Schicksal war mir gewogen gewesen und ich durfte beiden Leidenschaften nachgeben, ohne schlechtes Gewissen.
Nun hatte ich eben wieder den halben Vormittag auf dem Trainingsplatz geübt. Ich war verschwitzt und schmutzig, nicht nur einmal war ich im Staub gelandet. Meine weich gewordenen Haut brannte unter dem Leder und meine Haare hingen zerzaust aus dem Zopf. Dankend schlug ich der Waffenmeisterin auf die Schulter und machte mich auf, mich zu waschen und umzuziehen.
Auf dem Weg über den Burghof fiel mir ein zerzauster Kerl auf, dünn und zerlumpt aber mit dem typischen Gang eines Kriegers. Sein Schritt war so zielstrebig auf die Halle zu, dass ich ihn anrief.
"Hey, Krieger, wohin des Wegs?!"
Vielleicht hatte er Neuigkeiten von den Heeren im Norden.


 
Letzte Änderung: 2010/03/19 15:23 von Silje Livström.
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Re:Der Skalde des Unbeständigen      19.03.2010 16:19:02 --- 2 Jahre, 2 Monate her  
Od schritt gerade über den Hof und klopfte wenigstens notdürftig seine Kleidung ab, als eine weibliche Stimme ertönte. Sie war nicht unbedingt unhöflich, doch Od war genervt. Seine Ankunft hatte er sich anders vorgestellt und das die Wachen ihn nicht gleich durch ließen, war der sprichwörtlich letzte Tropfen. 'Heut ist doch der Loki drin. Schon wieder jemand der mich aufhält' dachte er sich. Er drehte sich mit einem genervten Gesichtsausdruck zu der Frau und erkannte sie gleich als Elaine. Als er sie das letzte mal in Nowgorod gesehen hatte, war sie noch schwanger, doch nun hatte sie bereits ihr Kind bekommen. Sein Gesichtsausdruck wandelte sich gleich zu einem Lächeln. "Gut das ich dich hier treffe Elaine. Ich bin auf dem Weg zur Kriegerhalle um dich oder deinen Mann zu treffen." Od schaute Elaine dann aber ernst an. " Ich komme gerade aus Litauen. Sie haben mich dort festgesetzt. Diese feigen Schweine nahmen mich gefangen und ließen mich in ihrem Kerker verfaulen." Od ging einen Schritt auf Elaine zu.



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Re:Der Skalde des Unbeständigen      19.03.2010 17:26:56 --- 2 Jahre, 2 Monate her  
Energisch drehte sich der Krieger zu mir um. Als er mich sah, erkannte ich, dass sein Gesicht unter seinem Bart freundlicher wurde. Kannte er mich? Dann folgte ein Schwall von Worten, dem ich kaum zu folgen vermochte, doch die wohlklingende Stimme und der Singsang seiner Rede verrieten mir plötzlich, wer da vor mir stand. Mit aufgerissenen Augen packte ich ihn bei den Schultern - und zuckte sogleich zurück ob seiner Magerkeit.
"Bei Odin! Od? Bist du's wirklich? Ich hatte dich überhaupt nicht erkannt. Was sagst du? Du konntest fliehen? Das sieht dir ähnlich. Würde mich nicht wundern, wenn Loki persönlich dir einen Spalt in die Wand gesungen hätte. Das hast du gut gemacht. Doch nun komm erst mal." Freudig und erleichtert schob ich ihn in Richtung des Eingangs.
"Wasch dich erstmal und zieh dich um. Ich werde dir neue Kleider besorgen. Geh in die Küche und iss dich satt. Und später komm zu uns in die Halle und erzähl uns alles."
Ich hatte mir nicht wirklich ernsthaft Sorgen um ihn gemacht, Od würde immer einen Weg finden, aus der aussichtslosesten Situation herauszukommen, und ich freute ich auf seine Erzählung. Der heutige Abend würde nicht der letzte werden, in dem wir seine Geschichte hören würden.


 
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