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Ein Jahr war es nun her, dass wir zurückgekehrt waren nach Vaestmansland.
Dem wohltuenden und beruhigenden Sommer war die geschäftige Zeit der Ernte gefolgt und der endlose, endlose Winter. Die Burg und der Hof hatten bis auf die Zeit, in der sich die jungen Krieger bei der Räuberjagd bewiesen hatten, gebrummt vor Leben. Und immernoch erfüllte die Anwesenheit fast aller Soldaten und Jarle jeden Tag.
Fast schien es so, als habe der Krieg in unserem Lande zu einer besonderen Einheit geführt und was früher pure Überheblichkeit gewesen war, fußte allmählich auf wahrem Stolz und echter Kampfkraft. Es war nicht mehr die schiere Kraft und wilde Entschlossenheit, die einem mit einem Schweden entgegenstand, es kam inzwischen auch ein Wissen hinzu, eine Taktik, ein Absicht. Zu verdanken hatten wir dies erfahrenen Kriegern, die sich den Jungen annahmen, die zu uns geströmt kamen als wären die schwedischen Familien jetzt erst aufgewacht aus einem Jahrhundertschlaf. Zu viele hatten wir fallen sehen unter der Übermacht Stauferscher und Sächsischer Schmiedekunst, als dass man dieses Opfer noch einmal bringen wollte. Und so erfüllte das Ächzen harten Waffentrainings den Hof der Burg und die Schmieden standen nicht still.
Bis in die Nachtstunden saßen wir dann später zusammen über den Karten unseres Landes, hörten den Berichten von Kundschaftern und Boten aus den Jarlstümern über den Wiederaufbau zu, entschieden, wohin das Augenmerk, die Handwerkskunst und das Silber als nächstes fliessen sollte.
Und nun – zum Beginn des zweiten Sommers nach dem Krieg wollten wir am ersten Sommervollmond für Odin ein Schlachtfest beginnen – ein Turnier zu Ehren der Ahnen und Toten, der Krieger, die uns erwarteten in der Großen Halle.
Ein zweites Fest sollte auf Inkubus‘ Jarlstum stattfinden. Unser Großer Krieger war schwach geworden und er war mürrisch in diesen Friedenszeiten. So sollten sich die Jungen ab dem ersten Herbstneumond vor seinen Augen beweisen.
Thunder und ich gingen auf in diesem Trubel und Leben. Ich zwischen den Kindern und dem Wiederaufbau des Landes und Thunder zwischen Waffengängen und den Nachrichten aus dem Rest der Welt. Unser ältester Sohn Thargor war stets an seiner Seite, übte wie ein Besessener den Axtkampf und das Reiten, war ein Krieger durch und durch. Meistens schlief er bereits beim Abendessen am Tisch vor Erschöpfung ein. Aric hingegen beobachtete. Sein kleines dunkles Gesicht tauchte überall auf, wo es spannend war und oft sah ich ihn noch spätabends hinter einer Säule hervorspähen und den Geschichten lauschen. Währenddessen war Solveig immer noch der Liebling aller und wusste genau, welchen der Jarlen sie den Bart um den Zeigfinger wickeln musste, um eine Extra-Hüpfpartie durch den Hof zu bekommen.
Oft sah ich meinen Mann erst im Licht der Nachtkerze, wenn er spät und immer öfter merklich betrunken zu mir unter die Felle kam. Er vertrug nicht mehr so viel wie früher, um seine Augen und unter dem Mund zeigten sich Falten und seine Haut war nicht mehr so ebenmäßig hell. Die Sesshaftigkeit hatte dazu geführt, dass er weicher und runder geworden war. Dann schmiegte ich mich an ihn und umfasste seinen großen Leib und flüsterte spöttisch und verliebt: „Glaube ja nicht, dass ich es nicht geniesse, jeden Tag mehr von dir umarmen zu können, aber ich fürchte, beim Turnier wirst du dich ordentlich ins Zeug legen müssen, mein großer, starker Thane.“ Wenn ich Glück hatte, schlief er dann schon.
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