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Unterwegs mit dem byzantinischen Heer (1 Leser) (1) Gast
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THEMA: Unterwegs mit dem byzantinischen Heer
 
Ioannes Kantakouzenos

Byzanz
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Unterwegs mit dem byzantinischen Heer      09.06.2010 11:19:45 --- 1 Jahr, 8 Monate her  
Basileios Kantakouzenos eilte durch die Flure und Gänge des Blachernenpalastes. Der Konferenzsaal des Kaisers war sein Ziel. Der Rat war überstürzt einberufen worden und nun hasteten die Strategoi und Protoasekreti in den Saal. Dort saß bereits der Kaiser, Protosebastos Markus von Langenfelden, mit steinerner Miene und im kaiserlichen Kriegsornat. Basileios grübelte über den Grund dessen nach, da er ja keinerlei Kriegserklärung erhalten hatte. Nun er würde den Grund für die Ratsversammlung bald erfahren.

Der Protosebastos berichtete die unfassliche Begebenheit, welche letztlich halb Europa in einen sinnlosen Krieg verwickeln sollte:"Sachsen hat mit einem, allen Berichten nach, sehr starken Heer unsere Nordgrenze überschritten und steht in Karvuna. Angeführt wird das Heer von Königin Thornia persönlich." Geschockt schwiegen die Würdenträger und versuchten, das Gesagte und die Konsequenzen dessen zu realisieren. Basileios ergriff das Wort:"Mein Kaiser, wisst Ihr sicher, dass sie in kriegerischer Absicht die Grenze überschritten haben? Wir liegen mit Sachsen weder im Streit, noch erhielten wir eine Kriegserklärung." Der Kaiser entgegnete: "Mein lieber Kantakouzenos, Eure Vorstellungen über sächsisches Ehr- und Rechtsempfinden sind äusserst naiv. Nachdem die Sachsen in Karvuna die dortigen Bauern metzelten und mit der Plünderung der Imkereien begonnen haben, liegt wohl kaum ein Zweifel über ihre kriegerischen Absichten vor."

Anschließend erhielten die Protoasekreti ihre Befehle und verließen den Ratssaal, in dem nun der Kaiser mit den Strategoi über die zu treffenden Gegenmaßnahmen beriet.

Tage hektischer Betribsamkeit folgten. Basileios musste zeitweise zwei Sekretären gleichzeitig diktieren, um mit der Depeschenflut fertig zu werden. Positiv war, dass die Verbündeten Völker, sofort nachdem die Ereignisse publik wurden, ihre tatkräftige Hilfe anboten. Darüber hinaus zeigte sich, dass sich die Sachsen mit diesem rücksichtslosen Vorgehen auch im Empfinden katholischer Völker ganz klar ins Unrecht setzten. Dies allein bedeutete allerdings ohne Waffenhilfe noch nichts. Schließlich war das Heer zusammen gezogen und einsatzbereit. Basileios bestand darauf, seinen alten Platz in der Phalanx der Speerträger einzunehmen. Diesen bekleidete er zu Zeiten des verstorbenen Protosebastos, ehe er an den Hof gerufen wurde. Also kämpfte er in der Schlacht als Speerträger und nahm abseits der Kämpfe seine diplomatischen Pflichten wahr.

Südlich Karvunas stieß das byzantinische Heer auf die vorrückenden Sachsen. Der Kaiser stellte das Heer in verdünnter Linie auf, da die sächsische Übermacht so groß war, dass sie ansonsten das kaiserliche Heer problemlos überflügelt hätte. Basileios war kein Stratege, aber ihm war klar, dass es unmöglich war, diese Flut einzudämmen. Kurze Zeit hielt das Heer stand, doch als die Soldaten vom Kampf gegen das sächsische Fußvolk bereits ermüdet waren, begann erst der Angriff der sächsischen Ritter. Basileios kannte Reiterangriffe aus vergangenen Schlachten. Doch eine solche Masse an Pferden und Gerüsteten hatte er noch nie zuvor gesehen. Er rammte das Ende des Speers in den Boden und hielt den Speer in Brusthöhe eines Pferdes. Die erste Welle der Ritter strauchelte am Speerwall der Byzantiner, doch die zweite Angriffswelle nutzte das Durcheinander sofort aus. Einzelne Ritter gelangte in und hinter die Speerkämpfer, danach immer mehr. Von da an war es nur noch niedermetzeln. Die sächsischen Ritter schlugen mit ihren schweren Schwertern und Streitkolben ununterbrochen zu, die Masse des Fußvolkes floh in panischem Entsetzen. Basileios war verwundet worden und wurde von zwei anderen Stratioten halb getragen, halb mit gezerrt. Der Kaiser kämpfte mit seiner Elite der Garde und der Scholaren um dem Heer die nötige Zeit zum Rückzug zu erkaufen. Dies gelang allerdings zu einem schrecklichen Preis. Erst ganz zum Ende hin, als die Garde bereits engeschlossen zu werden drohte, zog sich der Protosebastos auf die instndigen Bitten der Strategoi zurück. Der Kern des Heeres war erhalten worden, doch der Preis war hoch gewesen. Und der sächsische Vormarsch war nicht einmal verlangsamt worden.

Nach dieser shweren Niederlage führte der Kaiser das Heer ins Landesinnere. Eine Woche lang wurde geruht, wurden neue Versorgungsgüter heran geschafft und auch die Mehrzahl der Verwundeten genas in dieser Zeit. Diese nötige Ruhephase wäre unmöglich gewesen, hätte die Königin sofort die Verfolgung der Byzantiner aufgenommen. Doch sie ließ sich nun Zeit und begab sich dann sogar nach Kleinasien.

Der Kaiser nutzte diese Zeit um die beiden verlorenen Provinzen zurück zu erobern und den Krieg anschließend in das Reich der Sachsen zu tragen. Die Grafschaft Moldawien wurde gegen den Widerstand eines Elite Milizheeres, das durch einige Ritter verstärkt worden war, genommen. Basileios fühlte mit den Bauern, die ihr weniges Hab und Gut zurück lassen mussten, stammte er selbst doch aus einer Bauernfamilie. Er wusste um das Unglück derer, die die Räuber ihrer Freiheit und ihres Besitzes auch noch jahrein, jahraus mit ihrer schweren Arbeit ernähren mussten. Von dort gelangte das Heer in die Grafschaft Vrancea, wo sich wiederum ein geringfügig verstärktes Elite Milizheer den Byzantinern entgegen stellte. Auch hier war der Sieg sicher. Nachdem man eine Woche lang in Vrancea rastete, berichteten die Späher von einem in Eilmärschen rasch näher kommenden Heer. Die Armee führte Kiewer Banner mit sich. Mit Russen hatte hier niemand gerechnet, aber inzwischen hatte sich das ganze Feindesrudel versammelt. Bayern, Ungarn, Kiewer, Polen, Litauer, sogar der Papst und Mordwina sandten eilig ihre Heere, als der deustche Kaiser, Thomas der Streitbare rief.

Dies würde nun die Bewährungsprobe für die Armee aus Byzanz darstellen. Hatte sie die schwere Niederlage verwunden oder nicht? Das Heer der Kiewer war etwa gleichstark als wie dasjenige aus Byzanz. Es war ein erhabener Anblick, als der Protosebastos das Heer zur Schlacht ordnete, die ganze Linie abritt, seine Soldaten segnete und sie Gott dem Herrn anempfohl. Sir Schurrstein, Herrscher über das Zarenreich, führte sein Heer heran und ging aus dem Marsch in den Angriff über. Die russischen Ritter konnten abgewehrt werden, dann schloss das russische Fußvolk auf und es entbrannte ein unentschiedern hin und her wogender Kampf über Stunden hinweg. Der Kaiser hatte seine Elitetruppen für die Entscheidung in Reserve gehalten. Jetzt bemerkte er eine schwache Stelle in der russischen Linie. Erschöpfte Kiewer Fußsoldaten hatten das Feld geräumt und dort wollte Markus von Langenfelden die feindliche Schlachtlinie aufbrechen. Hornsignale ertönten und die Berittenen des Kaisers begannen den Angriff. Der Zar musste die Gefahr bemerken und reagierte schnell. Er zog rasch seine Reserven zusammen und konterte den byzantinischen Angriff. Dort wo Zar und Protosebastos aufeinandeprallten kam es nun zum erbittertsten Kampf des Tages. Auf beiden Seiten versuchten die tapfersten Ritter zum jeweiligen Herrscher durch zu dringen. Über eine Stunde tobte dieser Kampf, ehe die bereits geschwächten Kiewer Sir Schurrstein, der obwohl verwundet, noch immer kämpfte, mit sich zum Rückzug rissen. Die Russen hatten erbittert gefochten, doch als sie nun die Standarte des Zaren sich zurück bewegen sahen, wandten sich alle, ob Ritter oder ob Fußsoldat, zur Flucht. Die Schlacht war für Byzanz siegeich und vor allem trotz des harten Kampfes ohne große Verluste abgegangen. Der Mut im Heer stieg nach diesem Sieg. Die Niederlage gegen Thornia und ihre Sachsen war noch nicht vergessen, aber neuer Mut beseelte die Kämpfer.

Die sächsische Grafschaft Neamt wurde das nächste Ziel des Protosebastos. Wiederum, wie auch in den vorangegangenen Grafschaften, stellte sich eine Elite Miliz zum aussichtslosen Kampf. Die Kiewer hatten sich zurück gezogen und verfolgten das Heer des Kaisers vorerst nicht weiter. Anstelle von Kiewern rückte dafür eine sächsische Armee unter dem Befehl des deutschen Kaisers, Thomas des Streitbaren, gegen unser Heer vor. An Rittern waren die Sachsen leicht überlegen, beim Fußvolk dafür die Byzantiner. Wieder ordnete Markus von Langenfelden sorgfältig die Truppen zur Schlacht. Die Sachsen hatten sich ebenfalls bereits geordnet. Die Byzantiner begannen den Angriff mit Hörnerklang. Das Fußvolk rückte vor, langsamen Schrittes, die Speere nach vor geneigt. Hüben wie drüben begannen die Bogenschützen die Schlacht. Neben Basileios stöhnte ein Stratiot auf und sackte dann langsam zu Boden. Unmittelbar darauf verspürte Basileios einen harten Schlag auf den Schildarm. Ein Pfeil hatte seinen Schild getroffen, war aber nicht durch gedrungen. Als die beiden Schlachtreihen nur noch durch 50 Meter getrennt waren, brandete auf Seiten der Sachsen wildes Kriegsgeschrei auf und die Linie des Fußvolkes warf sich auf die Byzantiner. Deren Soldaten knieten hin, rammten das Speerende in den Boden und reckten die Spitze den Sachsen entgegen. Mit deren Schwertern war gegen den Speerwall nichts auszurichten. Die vordersten Krieger wurden von den nachfolgenden regelrecht in die Speere getrieben. Verwirrung und Angst bemächtigte sich der Sachsen. Die Byzantiner begannen nun nachzudrängen, doch hatten die Sachsen ihren Mut wieder gefunden. Sie leisteten Widerstand, obwohl schon viele Kämpfer verwundet und gefallen waren. Thomas der Streitbare versuchte die Schlacht zu wenden, sammelte seine Ritter und befahl einen massiven Angriff auf die Mitte des Fußvolkes der Byzantiner. Wie schon in der ersten Schlacht gegen Königin Thornia zeigte sich, dass gegen die sächsischen Ritter kaum ein Kraut gewachsen schien. Nach anfänglichem Widerstand wichen die meisten Speerkämpfer und drehten den Sachsen den Rücken. Basileios hielt mit einigen Stratioten noch aus, als er hinter sich Angriffssignale hörte und vor sich plötzlich den Kaiser der Deutschen auf ihn zureiten sah. Basileios wich dem Schwert des Kaisers aus und rammte ihm den Speer in die Hüfte. Leider hatte er durch die Ausweichbewegung nicht die ganze Kraft einsetzen können und die Rüstung tat ein übriges. Dennoch trat Blut aus einer Wunde aus. Basileios hätte dies nicht überlebt, wäre nicht jetzt gerade der Protosebastos an der Spitze seiner Scholaren angeritten. Thomas der Streitbare wandte sich sofort von Basileios ab und ritt gegen Markus von Langenfelden an. Der Protosebastos parierte den ersten Hieb des Kaisers der Deutschen mit dem Schildrand und stach ihm sein eigenes Schwert tief in die rechte Schulterhöhle. Thomas der Streitbare stürzte vom Pferd und seine Ritter hatten die größte Mühe ihn zu retten. Mit dem Fall des Kaisers brach jeder Widerstand der Sachsen zusammen und jeder floh, wo immer er Sicherheit erhoffen durfte. Nur ein Ritter, William the Bruce, weigerte sich mit einer kleinen Anzahl Fußsoldaten die Schlacht zu beenden. Mit größter Tapferkeit schwang er sein Schwert mal hierhin, mal dorthin und wo immer es traf, verwundete es. Es brauchte eine gehörige Anzahl Scholaren um den rasenden sächsischen Ritter schließlich doch zu verwunden. Der Respekt vor dem Ritter war berechtigt und der Kaiser bewies seine Großmut, indem er die letzten Fußsoldaten mitsamt dem verwundeten Ritter gehen ließ. Ein Stratiot hob den Umhang des deutschen Kaisers mit dem Speer hoch und tosender Jubel antwortete ihm.

Noch diesen Abend bastelten einfallsreiche byzantinische Krieger eine Strohpuppe, die mit dem Umhang umhüllt wurde. Dann setzten sie unter großem Jubelgeschrei die Puppe des "Antichristen", wie Thomas der Streitbare von jedem aufrechten orthodoxen Christen inzwischen genannt wurde, in Brand.

Basileios war müde. Die Anstrengungen des Feldzuges, die Schlachten und die Wunden forderten ihren Tribut. In eine Decke gewickelt lag er in seinem Zelt und starrte nach oben. Von draußen klangen die Lieder der Feiernden herein. Basileios dachte an den Tod seines Gönners, des alten Kaisers. Und er dachte an die Leistungen des neuen Protosebastos. Es waren große Leistungen. Er hatte das Reich gestärkt, er hielt die Armee zusammen und seine Krieger folgten ihm wie die Apostel dem Heiland. Basileios schlief ein. Er träumte, dass dieser Kaiser vielleicht noch alles zum guten Ende führen konnte.


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Ioannes Kantakouzenos

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Re:Unterwegs mit dem byzantinischen Heer      11.06.2010 12:25:16 --- 1 Jahr, 8 Monate her  
Nach einigen Ruhetagen brach das Heer auf und wandte sich nach Süden, in das befreundete bulgarische Siebenbürgen. Wir kamen gerade rechtzeitig zum dortigen Hauptort, um einer kleinen bulgarischen Streitmacht zur Seite zu stehen. Es war später Vormittag als wir eine Ebene erreichten, fruchtbare Wiesen, Felder, dazwischen ein Fluß und alle paar Meilen kleine Weiler. Aber auch dieser idyllische und scheinbar so friedliche Landstrich war bereits von den Schrecken des Krieges eingeholt worden. In keinem der Dörfer waren Menschen anzutreffen, sie alle mussten wohl weiter ins Landesinnere geflohen sein. Der Befehl zum Eilmarsch wurde erteilt. Schließlich erreichten wir im Schnellschritt eine Ortschaft, vor der sich, als wäre es nur für uns als Zuschauer inszeniert worden, ein Gefecht zwischen einer kleinen bulgarischen Streitmacht und einem deutlich stärkeren feindlichen Heer anbahnte. Der Führer der feindlichen Streitmacht musste uns erblickt haben, da die Ritter und das Fußvolk ihre Positionen änderten. Die feindlichen Ritter waren fantastisch anzusehen, reich gerüstet, wehende Federschwingen an hohen Stangen hinter ihrem Rücken gaben ihnen das Aussehen von Fabelwesen. Ein Stratiot wandte sich an Basileios: "Was sind das für seltsame Krieger? Ich sah noch keinen Sachsen mit solch einer Rüstung und auch die Fahnen kenne ich nicht." Basileios antwortete lächelnd: "Das sind Polen, mein Guter. Tapfere Krieger, ein slawisches Volk von oben, an der Ostsee beheimatet." "Von der Ostsee? Aber was suchen sie hier im Süden bei den Bulgaren?" fragte der Stratiot ungläubig. "Nun, die Sachsen sind zwar Barbaren aber sie gebieten über viele Vasallenvölker. Die Sachsen sind ein mächtiges und kriegerisches Volk. Viele ihrer Nachbarn haben die Sachsen so oft überfallen und drangsaliert, bis sie sich den Sachsen unterwarfen." sprach Basileios in verbittertem Ton. "Und nun sind wir an der Reihe." fügte er hinzu. Die beiden wurden vom Hornsignal, das den Angriff bedeutete unterbrochen und nun galt nur noch der Kampf und das Überleben.

Das polnische Heer war zahlenmässig deutlich unterlegen, aber dennoch ritten die Feder- und Bannergeschmückten Ritter mit großem Mut gegen die Byzantiner und Bulgaren an. Die Polen führten kaum Fußvolk mit sich und so war es ein großer Reiterangriff der die Polen bis in die ersten Reihen des Fußvolks trug. Ihre Lanzen waren länger als die Speere der Byzantiner, aber zumeist nur einmal zu brauchen. Eine Weile zog sich hier der Kampf erbittert hin, ohne dass eine Seite bereit gewesen wäre zu weichen. Dann allerdings wirkte sich die Überlegenheit des bulgaro-byzantinischen Heeres aus. Von der einen Seite wurden die Polen von den Scholaren umfasst, auf der anderen Seite von den bulgarischen Rittern. Nur kurze Zeit konnten die Polen diesem Zangenangriff standhalten, dann wandten sie sich zur Flucht. Sie stellten sich auch nicht mehr und zogen gleich ganz aus dem bulgarischen Siebenbürgen ab.

Gemeinsam mit den Bulgaren wurde an Ort und Stelle ein Lager errichtet. Ein Versorgungszug der Bulgaren traf zwei Tage später ein. In diesen blieb es friedlich und die Verwundeten konnten ausreichend versorgt werden. Täglich sah man den Protosebastos viele Stunden im Gespräch mit seinen Strategoi verbringen. Bisher war der Feldzug sehr gut verlaufen, wie würde er nun weiter gehen? Welche Ziele würde man verfolgen und welche Route dabei gehen? All diese Fragen beschäftigten die Scholaren ebenso wie die Stratioten und in Gruppen zusammensitzend wurde über dieses und jenes diskutiert. Vier Tage nach der Schlacht gegen die Polen wurde das Heer zusammengerufen und eine Parade abgenommen. Anschließend verschiedene Truppenteile zu einem zweiten Heer zusammen gefasst. Dieses bildete die etwas schwächere Hälfte der byzantinischen Armee. Am nächsten Tage schon verließ dieses Heer das Lager und wandte sich in Richtung Südosten in die Heimat. Jeder hatte die Gerüchte gehört, wonach ein Feindesheer in der ungeschützten Heimat brandschatzte und plünderte. Viele Stratioten zitterten um ihre Familien und ihre Güter. Was würden sie vorfinden, wenn sie jemals nach Hause zurück kehrten? Würde es überhaupt noch ein Zuhause geben? Was ging in Thrakien vor sich? Die Gedanken daran, was die Sachsen anrichten konnten, ließ ihn schaudern.

Das Hauptheer brach am nächsten Tag gemeinsam mit dem bulgarischen Kontingent nach Banatului auf. Schon bald nach Überschreiten der Provinzgrenze brachten Späher die Nachricht eines sehr starken Feindheeres, das sich von Norden annäherte. Abends wurde gelagert. Vorbereitungen wurden getroffen und viele Gerüchte gingen die Runde, was die Krieger noch nervöser machte. Ungewöhnlich viele Soldaten konnte man mit Gebeten verbringen sehen. Am folgenden Tage kurz nach Mittag trafen wir auf die Feinde. Der Anblick war nicht ganz so schlimm wie damals in Karvuna, aber ihre Übermacht schien eine Schlacht nicht ratsam erscheinen zu lassen. Das Feindheer schien gut dreimal so stark als das eigene zu sein. Es handelte sich um Sachsen, Polen und sogar um Litauer. Basileios hatte wie viele der anderen Soldaten auch nicht damit gerechnet, dass es gegen ein solches Heer zum Kampf kommen würde. Umso überraschter war er, als die Befehle zur Formierung einer Schlachtformation anstelle des Rückzugsbefehls kamen. Er nahm seine Position in der Linie des Fußvolks ein. Links vom Fußvolk hatten die Bulgaren Aufstellung genommen, rechts davon die Scholaren. Dahinter stand nur mit seiner engsten Garde der Protosebastos. Zuvor ritt er die Schlachtreihe ab, stieg dann ab und betete gemeinsam mit seinen Soldaten um Gottes Segen. Danach nahm er seinen Platz vor seiner Garde ein. Die Mitte des feindlichen Heeres nahmen die Sachsen ein, rechts platzierten sich die Polen, links die Litauer. Kalte Angst ergriff Basileios, nahm seinen Darm und knüllte ihn dem Gefühl nach zusammen.

Tuben, Hörner und Trommeln erklangen bei den Sachsen, Polen und Litauern. Der ganze gewaltige Heerhaufen setzte sich in Bewegung wie eine Naturgewalt. An den Flügeln ritten die litauisch-polnischen Ritter an. Die weiteste Entfernung im Trab, dann im Handgalopp und und die letzten paar Dutzend Meter im vollen Galopp. Signalhörner wurden geblasen und sowohl die Bulgaren als auch die Scholaren zogen ihre jeweils äussersten Flügel zurück, so dass sie in einem etwa 45° Winkel zur Mitte zurück gebogen waren. Dadurch stieß ein Teil der anstürmenden Ritter ins Leere, die anderen aber stießen voll in die Schlachtlinie. Sofort nach dem Anprall wendeten sie, ritten ab, formierten sich neu und ritten die nächste Attacke. Immer wieder zogen sich die Ritter zurück und attackierten aufs Neue. Inzwischen war in der Mitte das sächsische Fußvolk herangekommen. Deren Bogenschützen ließen eine den Himmel verdüsternde Wolke an Pfeilen auf die Stratioten niedergehen und warfen sich danach unter gräßlichem Geschrei auf die Byzantiner vor ihnen. Ein Schlag durchfuhr Basileios linke Schulter und sein Schildarm wurde mit einem Mal unendlich schwer. Ein Pfeil hatte sich durch das Kettenhemd in seine linke Schulter gebohrt und ließ Wellen des Schmerzes durch den Arm wandern. In diesem Moment fiel die Angst wie ein überflüssiges Kleidungsstück von Basileios ab und es galt nur noch der Kampf um zu überleben. Er ließ den Schild fahren, nun da er ihn nicht mehr gebrauchen konnte. Der erste Sachse, der ihm gegenüber stand schwang seine Axt. Basileios kannte Axtkämpfer. Parieren konnte man eine Axt nicht, also wich er aus und stieß mit dem Speer in den vorgeschobenen und ungeschützten Oberschenkel. Der Kampf in der Mitte tobte über fast zwei Stunden ohne Entscheidung. An den Flügeln wurden sowohl die Bulgaren als auch die Scholaren immer weiter zurück getrieben. Schon drängten die Strategoi auf Rückzug, ehe die Armee völlig eingeschlossen wurde. Der Raum zu kämpfen wurde immer enger. Ein versprengter polnischer Ritter attackierte Basileios mit der Lanze. Im letzten Augenblick gelang es ihm noch mittels einer Körperdrehung die Lanze ins Leere gleiten zu lassen. Basileios drehte sich und jagte dem Ritter den Speer in die Seite. Wieder ertönten Hörnersignale und der Protosebastos griff allen Bitten seiner Strategoi zum Trotz mit der Kaisergarde die Mitte an. Er musste wohl gehofft haben, das sächsische Fußvolk durchbrechen zu können. Allein es waren zu viele und hinter ihnen standen noch die sächsischen Ritter in Reserve. Es war keine Schlacht mehr. Basileios wurde wie soviele andere Stratioten auch zurück gedrängt. Ein sächsischer Schwertkämpfer parierte Basileios Stoß mit dem Schild und hieb ihm das Schwert aufs Haupt. Basileios Glück war der Umstand, dass der Sachse in dem Gedränge nicht mehr den Raum gefunden hatte um auszuholen. So hielt der Helm dem Schlag stand und Basileios sank nur betäubt zu Boden. Er konnte nciht sagen wielange er besinnungslos gewesen war, doch der Kampf dauerte noch immer an. Die ganze Armee war inzwischen eingeschlossen. Die Stratioten hatten sich, wie sie es gelernt hatten in kleine Gruppen zusammengefunden, Rücken an Rücken eingeigelt und fochten ihren letzten Kampf. Die Bulgaren als Elitekämpfer hatten mit letzter Kraft aus der Umklammerung ausbrechen können und strebten im Eilmarsch nach Osten ihrer Hauptstadt zu. Sie flohen nicht sondern blieben in Formation, einige litauische Ritter mühelos abwehrend und zeigten große Disziplin. Basileios hatte sich inzwischen wieder erhoben und gesellte sich rasch einer der Widerstandsgruppen zu. Die Schulter mit dem Pfeil darin pochte ununterbrochen und er konnte den Arm fast gar nicht mehr bewegen. Mit der Rechten stieß er seinen Speer einem unvorsichtigen Sachsen durch die Rüstung weit in den Leib hinein. Röchelnd sackte dieser zu Boden. Basileios hatte seinen Speer noch nicht aus dem Toten heraus ziehen können, da stand schon der nächste Sachse vor ihm um den Kameraden zu rächen. Sein Schwert durchbohrte das Kettenhemd und kratzte über die Rippen. Stöhnend brach Basileios über dem von ihm getöteten Sachsen zusammen. Hinter ihm erklangen die Schreie: "Rettet den Protosebastos!" Dann wurde die Welt um ihn wie mit Watte eingepackt. Die Schmerzen vergingen und wohltuhende Dunkelheit umfing ihn. Und der Tod lieh den verbündeten Feinden seine Sense.

Basileios erwachte. Dumpfe Schmerzen brachten ihn aus Fieberträumen in die Wirklichkeit zurück. Er fühlte sich erbärmlich schwach und beim ersten Versuch sich zu bewegen, hätte er aufgrund der rasenden Schmerzen beinahe laut aufgeschrieen. Hier bleiben konnte er aber nicht. Er lag auf dem Schlachtfeld und die einzigen Stimmen die er hörte sprachen die bellende barbarische Sprache der Deutschen. Panik überkam ihn, als die Stimmen näher kamen. Unter größter Kraftanstrengung zog er sich einige Meter weit zu einem Gebüsch hin. Die Schmerzen im Bereich der linken Brustseite wurden übermenschlich stark, als ein Ast über die Wunde kratzte. Er konnte einen Schrei nicht mehr unterdrücken. Das nächste, was er hörte, waren näherkommende Schritte, dann wieder das abgehackte Gebell. In der Hoffnung, dass diese Sachsen Latein verstanden, rief Basileios laut: "Ich gebe mich gefangen, ich habe keine Waffe und bin verwundet!" Es waren drei Sachsen, die ihre Waffen auf den Verwundeten richteten. Einer hastete davon und kam Minuten später mit einem Ritter wieder. Dieser sprach Latein, hörte sich Basileios an und ließ ihn in das sächsische Lager tragen. Die Schmerzen wurden dabei so groß, dass er wieder in Bewusstlosigkeit verfiel.

Wieder erwachte Basileios. Er sah sich verwirrt um. Er lag auf einem Strohlager und einer Decke. Der Raum war nur durch ein schwaches Öllämpchen erleuchtet und bestand aus grob behauenem Stein. Ein Fenster gab es, das durch Längsgitter verschlossen war und durch das etwas Mondlicht hereinfiel. Die Schulter und die linke Seite pochte stark, doch fühlte sich der Druck eines Verbandes gut an. Er fühlte sich geringfügig besser, war aber so schwach, dass er bald wieder einschlief. Am Morgen wurde er durch das Scheren eines Riegels munter. Als er die Augen geöffnet hatte erkannte er eine Frau in mittleren Jahren, gekleidet in ein völlig abgetragenes Wollkleid, das einst in grüner und roter Farbe recht ansprechend ausgesehen haben musste. Die Farben hatten sich inzwischen jedoch zu einem recht gleichmäßigen Braungrau verschossen. Ihre schwarzen Haare waren mit ersten Grautönen gesprenkelt und hinten zu einem strengen Knopf zusammen gehalten. Als sie sah, dass Basileios wach war, sprach sie ihn auf bulgarisch an: "Gott hat dich gesegnet junger Mann. Du wurdest gerade noch rechtzeitig gefunden und meiner Obhut übergeben. Beinahe wärest du verblutet. Aber jetzt besteht keine Gefahr mehr, sei also guten Mutes und danke Gott unserem Herrn, der dir seine Gnade vor Augen führte. Übrigens ich bin Ioana." Er wurde vorsichtig gewaschen und neu verbunden. Ein bewaffneter Sachse brachte Gerstenbrei und Wasser.

Als er wieder alleine war, rasten die verschiedensten Gedanken durch seinen Kopf. Ist der Kaiser noch am Leben, ist er frei oder auch Gefangener? Sind meine Söhne sicher von Thrakien nach Konstantinopel gelangt? Wie konnte das nur geschehen, die Früchte des bisher so erfolgreichen Feldzuges waren unwiederbringlich verloren gegangen. Wie würde das weiter gehen? Und was würden die Sachsen tun, wenn sie herausfanden, wer er war?


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Nikephoros von Nikaia

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Re:Unterwegs mit dem byzantinischen Heer      12.06.2010 12:08:23 --- 1 Jahr, 8 Monate her  
Nik, der Bartlose, wurde er genannt, freilich nur hinter seinem Rücken. In der Tat sah Nikephoros von Nikaia wesentlich jünger aus, als es seine Fortschritte als geschickter Kämpfer annehmen ließen! Denn, obwohl noch nicht in der vollen Blüte jugendlicher Mannespracht, hatte er durch seine verbissene und durchhaltende Art so manchen körperlichen Rückstand wettgemacht. Auch war er ein frommer und milder Christ, so dass es seinen Eltern nicht leicht fiel zu entscheiden, ob er zum Krieger oder zum Mönch von Gott berufen war.
Es war ein Frühlingsmorgen, als Nikephoros die entscheidende Botschaft erhielt, die Gottes Willen in unmissverständlicher Weise kund tat: Er wurde berufen, dem erstehrwürdigen Kaiser im vielschönen Byzanz als Merarches zur Seite zu stehen. Freilich ließ er sich das nicht zweimal sagen: Tränenreich und stolz nahm er Abschied von seinen Eltern und reiste unverzüglich in das goldene Byzanz, wo ihm der ehrwürdigen Marenzio in seiner Grafschaft Thrakien das kleine Lehen Adrianopolis zur Verwaltung übergab. Nikephoros schwor bei der Gottesgebärerin seine Aufgabe mit größter Sorgfalt zu erfüllen. Und so glaubte er zunächst ein ruhiges und beschauliches Leben führen zu können, da er doch von seiner Herkunft her wie zur Verwaltung weltlicher Ländereien und zur Bestreitung gottgefälliger Duelle geschaffen zu sein schien.
Doch seine Ruhe wärte nicht Lange!
Verwirrt sah Nikephoros, wie das Heer der Byzantiner an seinem Lehen vorbei gen Norden zog. Nur wenige Gefolgsleute blieben so lange stehen, ihm zu erklären, was geschehen war: Die Sachsen hatten, wie ehrlose Lumpen, Byzanz ohne Kriegserklärung, ohne Grund überfallen. Doch noch vewunderter nahm Nikephoros wahr, dass das Heer geschlagen zurückkehrte. Wie konnte dies geschehen, dass Gott den Verteidigern des wahren Glaubens nicht den Sieg schenkte? Wie konnte er zulassen, dass diese Hunde die Erde von Byzanz verwüsteten? Mit einer Übermacht hatten sie angegriffen! Keine Chance hatte das Heer der verbissenen Byzantiner gegen sie! Als Nikephoros von verletzten Soldaten, die er aufnahm, erfuhr, wie es um Byzanz stand, zögerte er keinen Moment. Mit den schwächlichen Mitteln, die er besaß, stattete er sich zum Krieg aus und reiste nach Byzanz, um an der Seite des Erstehrwürdigen zu streiten, als jüngster, als schwächster einer Armee von Merarches, die nichts anderes kannten, als den Willen, die Heimaterde zu verteidigen!
Im vielschönen Byzanz angekommen, schloss er sich sofort dem ersten Thema an, dass in Byzanz versammelt wurde. Athelonson, der Domestikos ton scholon, begrüsste ihn verwundert. Zu jung, zu unerfahren war Nikephoros, um tatsächlich eine Rolle zu spielen, zu schwach, um dem Feind ein Hindernis zu sein. "Nichts wünsche ich mir sehnlicher, als Byzanz zu verteidigen. Ich freue mich auf die erste Schlacht, die Sachsen aus unseren Land zu treiben!" Nikephoros sprach mit einer Stimme, die nur schwer den jugendlichen Zorn ob des hinterhältigen Überfalls der Sachsen unterdrücken konnte. Der Domestikos sah ihn ernst und durchdringend an und lachte brüllend und rief, in Anwesenheit der anderen Soldaten und Merarches: "Immer voran, so ist es richtig!" Stolz und bestimmt nahm Nikephoros so seinen Dienst im ersten Thema auf.

Die ersten Wochen im Heer waren hart. Zu den Märschen kamen die Schlachten, in denen Nikephoros von wenig Nutzen war. Er hatte mehr das Gefühl dem Heer ein Hindernis zu sein, da er immer wieder schwer verletzt aufgeben musste, um noch lebend aus der Schlacht zu kommen. Getroffen hatte er keinen einzigen Feind! Byzanz hingegend war siegreich. Die Sachsen hatten sich gen Kleinasien begeben, dort für Chaos zu sorgen und die gottgegebene Ordnung zu zerstören. Der Kaiser blieb derweil nicht müßig und eroberte zunächst die verlorenen Regionen zurück und drang nach Moldawien vor, dem sächsischen Bollwerk am schwarzen Meer. Auch dort siegte das byzantinische Heer, freilich ohne dass Nikephoros von irgendeiner Hilfe war: er verließ verletzt das Feld. Verzweiflung und Verwirrung überfielen ihn in der Nacht: Was war sein Part, was war seine Aufgabe als Merarches? War er so schwach, so belanglos? Freilich war er jung und unerfahren, und doch voll Eifer und Verbissenheit, dass Land, das er so liebte, und den rechten Glauben an Gott zu verteidigen! Tränenreich und voller Zutrauen betete er die ganze Nacht zu heiligen Gottesmutter, die ihm die Stärke geben solle und seine Hand ihn der Schlacht führen.

Sie zogen über Vrancea nach Neamt... Während die Sachsen Kleinasien und die westlich des Bosporus gelegenen Besitztümer mit ihrer Übermacht in gottloser Gier plünderten, stieß das Byzantinische Heer mit Hilfe seiner bulgarischen Verbündeten in die sächsischen Gebiete vor. Nikephoros, nach Nächten des Betens und Bittens, war müde und schwach. Wieder bereitete er sich auch eine Schlacht vor, doch diese war anders als die bisherigen: Der Sachsenteufel persönlich sollte mitkämpfen: Thomas der Streitbare, der Feind eines jeden friedliebenden Christen! Die Wut, der Zorn stieg in Nikephoros hoch, die pure Verachtung engesichts eines Feindes, der - derweil er sich als Christ bezeichnete - nicht einen Funken Anstand und Ehre sein Eigen nannte: Ein Kriegstreiber und Wegelagerer! Wieder begab sich Nikephoros in die Reihen der Fußkämpfer, unerfahren mehr ein Schild als eine Waffe. Die Schlacht begann. Nikephoros stand mit seiner Waffe, einem Messer, eigentlich ungeeignet für den echten Kampf, geschuldet seiner Mittellosigkeit, in der ersten Reihe und die gegnerischen Soldaten hieben auf ihn ein. Er, kaum eine Chance, steckte ein, willenlos seine Mitstreiter schützend, als er merkte, dass eine Schar sächsischer Ritter auf seinen Truppe zuritt. Thomas, ihr Kaiser, war, in all seiner weltlichen Pracht, unverkennbar dabei. Ein Stoßgebet gen Himmel schickend, richtete sich Nikephoros auf und schritt benommen vom letzten Schlag auf den Kaiser der Sachsen zu. Dieser teilte mit seinem Schwert rechts und links seines Pferdes mit kräftigen Schwüngen seines Schwertes aus. Er kam näher. Und ein Schlag, so heftig, wie er es noch nie erlebt hatte, traf Nikephoros. Er drohte zu fallen. Halb ohnmächtig blieb er stehen, Thomas bereits hinter sich. Sicherlich rechnete dieser damit, einen tödlichen Schlag gemacht zu haben. Mit einem Male stieg in Nikephoros die Wut, der Zorn auf, die Gedanken, an seine Heimat, die brannte, die Erinnerung an seine Freunde aus Kindertagen, an seine Familie, an all das, was unwiederbringlich verloren war durch die Gier und Heimtücke der feigen und ehrlosen Sachsen. Wie der Schrei, der seinen Lippen entwich, erstand Nikephoros seiner benommenen Gedanken und er stürzte sich auf Thomas, der bereits weiter metzelte. Nur seinen Fuß erwische er und durch die Platten des Panzer stieß er das Messer, dass Thomas streifte und dessen Blut vergoss. Dieser mochte den Schmerz kaum gespürt haben - war es doch lediglich ein Kratzer - und dennoch ließ er von seinem neuen Opfer ab und seine Klinge traf Nikephoros, der schwarz umnachtet zu Boden stürzte...

Nikephoros erwachte in einem Sanitätszelt. Wie er vom Schlachtfeld gekommen war und wer ihn herausgezogen hatte, wusste niemand, aber er lebte. Sofort fragte er einen nahestehenden Feldarzt, wie es um Byzanz stehe. "Sieg, wir haben gewonnen!" Der Arzt grinste ihn an. Voll Schmerz lachte Nikephoros: "Die Mutter Gottes ist mir gnädig! Das erste Blut in meinem ersten Krieg, in dem ich unsere Heimat verteidigen darf, vergoss ich heute! Und des war des Sachsenkaisers Blut! Ich, der jüngste und schwächste von allen! Kaum der Kinderstube entwachsen, habe ich das Blut des Erzfeindes vergossen!" Selig lächelnd und friedlich wie lange nicht mehr schlief er ein. Fürwahr, zwar sind die Siege klein, die Gott den Gerechten schenkt, doch es sind Siege über die je Größeren!
 
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Ioannes Kantakouzenos

Byzanz
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Re:Unterwegs mit dem byzantinischen Heer      22.06.2010 14:56:05 --- 1 Jahr, 7 Monate her  
Die nächsten Tage verbrachte Basileios mehr schlafend als wachend auf dem Strohlager. Dreimal täglich kam ein sächsischer Kriegsknecht mit Nahrung und Wasser. Der Byzantiner bemerkte, dass immer derselbe kam. Ein gedrungener kräftiger Mann, der allerdings das linke Bein steif nachzog. Ein ebenmässiges, mit wenig Falten durchzogenes Gesicht, wurde von einem wild wuchernden braunen Bart eingerahmt. Die Schläfen bereits ergraut, aber das Haupthaar noch in kräftigem Braun gehalten. Zwei graue Augen blickten offen und mit einem gutmütigen Ausdruck in die Welt. Anfangs versuchte der Deutsche mit Basileios zu sprechen, merkte aber schnell, dass dieser kein Wort der deutschen Sprache beherrschte. Also blieb es bei Gesten und Mimik. Am Morgen des zweiten Tages klopfte er mit der Handfläche auf die eigene Brust und bellte etwas hervor. Basileios schüttlelte vorsichtig den Kopf worauf der Sachse langsam wiederholte: "G-e-b-h-a-r-d-t." Basileios verstand endlich, führte nun seinerseits Die Rechte zur Brust und sprach: "Photios." Er hatte sich für diesen griechischen Allerweltsnamen entschieden um seine eigentliche Herkunft nicht zu verraten. Die beiden Männer lächelten unwilkürlich. Gebhardt trat näher und löste einen Lederschlauch vom Gürtel seines grünen Wamses, öffnete ihn und gab dem liegenden Byzantiner ein wenig davon zu trinken. Fast hätte sich Basileios verschluckt. Das Zeug schmeckte ähnlich wie verdorbener Süßwein, dem man noch zusätzlich Honig beigemischt hatte. Aber es war Alkohol und er wirkte belebend. Basileios lächelte dankbar zu dem Sachsen auf.

An jedem Tag jeweils des Morgens und des Abends betrat Ioana den Raum, in dem Basileios ruhte. Morgens wurde der alte Verband entfernt und die Wunde mit Wein ausgewaschen. Danach legte Ioana einen Umschlag mit einer Kräuterpackung auf die Wunde und legte einen neuen Verband an. Abends kam sie nur zur Kontrolle und traf dann immer gemeinsam mit Gebhardt, der die Abendsuppe brachte, ein. Bevor er zu essen begann musste er stets aus einer Kürbisflasche, die sie ihm reichte, trinken. Es schmeckte so scharf wie die Kräuterpackung auf der Wunde sich anfühlte und so bitter als wie seine Gedanken an das brennende heimatliche Thrakien. Abends blieb Ioana dann oft noch eine Weile bei ihm sitzen und unterhielt sich mit dem Byzantiner auf bulgarisch. Anfangs hatte Basileios sie noch erregt um Neuigkeiten von Kaiser Markus von Langenfelden gefragt. Die enttäuschende Antwort lautete prompt: "Junge, ich weiß nichts von eurem Kaiser. Denk lieber an deine Genesung. Vielleicht werden dich die Deutschen auch bald freilassen und du kannst in deine Heimat zurückkehren. Was tust du eigentlich so, wenn du dich nicht für deinen Kaiser aufschlitzen lässt?" frug sie mit kaum verhohlenem Sarkasmus. "Meine Eltern haben einen Hof in Thrakien. Dort leben auch ich und meine beiden Söhne. Wenn ich nicht in Konstantinopel Handel treibe." antwortete Basileios. "Ah Handel. Das erklärt dein silbernes Kreuz um dem Hals und den goldenen Ring an deinem Finger. Ich dachte mir schon, dass du kein einfacher Bauer sein kannst. Sag Junge, du hast deine Eltern und deine Söhne erwähnt, gibt es denn keine Mutter für deine Kinder?" fuhr sie fort. Basileios Blick wurde feucht als er antwortete: "Sie starb bei der Geburt meines zweiten Sohnes im Kindbett. Und ich weiß auch nicht ob ich, sollte ich jemals heimkehren können, überhaupt noch jemand antreffen werde. Die letzten Gerüchte vor der Schlacht lauteten, dass ein sächsisches Heer plündernd und brennend durch Thrakien zieht. Ich kann nur hoffen, dass meine Familie rechtzeitig nach Konstantinopel floh."

Ioana blickte zu Gebhardt, der eben mit dem Abendessen die Zelle betrat. "Da geht es dir so wie Gebhardt hier." sprach sie sinnend. Gebhardt begann auf deutsch los zu reden und Ioana übersetzte schmunzelnd: "Er will wissen, was wir in unserer gottlosen Sprache über ihn zu reden haben." Basileios starrte sie überrascht an während er sprach: "Du sprichst seine Sprache? Deutsch? Was bist du, Deutsche oder Bulgarin?" "Ich bin Bulgarin, war aber fast zehn Jahre lang mit einem deutschen Bader unterwegs. Von ihm habe ich auch meine Heilkenntnisse erlernt. Leider hat er sich zu Tode gesoffen. Er war kein schlechter Mann. Zärtlich zu mir und von den Leuten nahm er nur was sie geben konnten. Aber dem Alkohol war er vollkommen verfallen." antwortete Ioana zögernd. Gebhardt unterhielt sich kurz mit ihr, während er das Essen neben Basileios auf einem Schemel abstellte. Danach setzte er sich auf die andere Seite und trank aus seinem Lederschlauch. Ioana wandte sich wieder Basileios zu. "Gebhardt stammt aus einer Grafschaft namens Altmark, die Nachrichten zufolge von den Dänen verwüstet wird. Er hat einen Bauernhof den, seit er von seinem Baron als Kriegsknecht eingezogen worden war, seine Frau allein bewirtschaften muss. Daheim hat er noch seine Tochter. Er spricht oft von ihr." Basileios deutete auf das steife Bein des Sachsen und blickte ihn fragend an. "Neamt." sagte er. Basileios nickte wissend. Es war eine böse Schlacht gewesen. Schließlich ließen die beiden Basileios mit seinem Buchweizenbrei, in dem einige Kohlstücke schwammen, allein. Er hatte viel zu bedenken.

Die Tage vergingen und seine Schulterwunde war problemlos verheilt. Anders die schwere Wunde an der Brust. Ioana erklärte ihm, dass er Glück gehabt habe, das das Schwert die Rippen entlang geschrammt war, anstatt sie zu durchstossen. So war es nur eine Fleischwunde, wenn auch eine tiefe und langgezogene. Sie war inzwischen gut genäht und wurde nur noch regelmässig straff verbunden. Am sechsten Tag stand er zum ersten mal auf und ging in seiner Kerkerzelle umher. Von da an schonte er sich nicht mehr und versuchte seine steif gewordenen Muskel durch mannigfache Bewegungsübungen wieder geschmeidig zu machen. Wiederum zwei Tage später sprach er Ioana an: "Mütterchen Ioana, du hast mich gepflegt und meine Wunden versorgt. Bei Gott, der auf uns herniedersieht und unsere Herzen wiegt, ich muss hier raus. Glaubst du, kannst du mir helfen und diesen letzten Dienst erweisen?" Sie sah ihn erschrocken an: "Junge, Junge, hör zu, du kannst mit meiner Hilfe vielleicht aus diesem Kerker entkommen, aber was dann? Die Sachsen kontrollieren das ganze Land hier. Du kannst ihnen nicht auskommen. Vertraue auf Gott, dass auch dieser Krieg eines Tages zu Ende geht. Dann kannst du in deine Heimat ziehen. Jetzt ist es viel zu gefährlich." "Aber Ioana! Ich muss heim, die Sorge nach meinen Kindern bringt mich um den Verstand. Ich kenne gefährliche Situationen, das überlaß nur mir. Aber ich muss nach meiner Familie sehen, oder bei Gott, ich werde hier wahnsinnig!" antwortete Basileios hitzig. Die Bulgarin blickte ihm lange in die Augen. Dann sprach sie plötzlich ganz ruhig: "Ich sehe du bist entschlossen. Bevor du Dummheiten machst, will ich dir lieber helfen. Aber ich werde mich nicht in Gefahr bringen deinetwegen." Der Byzantiner war nun ebenfalls ganz ruhig und antwortete leise: "Das sollst du auch nicht Mütterchen. Eher will ich weiter hier verkommen, ehe du Gefahr erleidest. Du kennst dich hier aus und ich will auf deine Anweisungen warten." Er hatte nicht gelogen, die Sorge um seine Familie lastete schwer auf ihm. Mindestens ebenso schwer lastete jedoch auch die Sorge um Kaiser und Reich auf seiner Seele. Diese Sorge durfte er jedoch mit niemandem teilen.

Zwei Tage vergingen ohne dass Ioana ihn auf dieses Unternehmen ansprach. Gebhardt kam wie üblich, trank mit Basileios Honigwein und teilte mit ihm freundschaftliches Schweigen. Am Morgen des dritten Tages aber, während die Heilerin einen neuen Verband anlegte, raunte sie ihm leise ins Ohr: "Bereite dich für heute Abend vor. Der Wächter in deinem Gang bekam die letzten Tage von mir nicht nur ein Lächeln, sondern auch immer etwas zu trinken. Diesen Abend wird ein Schlafmittel enthalten sein. Ich komme später, wenn Gebhardt dir das Essen schon gebracht hat. Ein anderer Verwundeter wird mich etwas aufhalten, so dass es nicht auffallen wird, wenn ich mich verspäte." Von diesem Augenblick an dehnten sich für Basileios Empfinden die Minuten zu Stunden und die Stunden zu einer ganz persönlichen Ewigkeit. Er ging alles in Gedanken durch. Er musste die bulgarische Hauptstadt erreichen. Von da an ließen sich sicher Wege finden. Aber über die Distanz bis zu den ersten bulgarischen Patrouillen würde er allen Gefahren ausgesetzt sein. Langsam, viel zu langsam für Basileios kam der Abend heran. Gebhardt kam, brachte dem Gefangenen eine Suppe, in der Bohnen, etwas Gemüse und wenig Speck schwammen und gab ihm Brot dazu. Dann blickte er sich suchend um, setzte sich neben Basileios und hielt seinen Weinschlauch an den Mund. Basileios begann zu beten, dass der Sachse vor Ioanas Eintreffen wieder gehen solle. Er aß schneller als sonst und begann demonstrativ zu gähnen. Gebhardt blickte sich noch einmal um und schien dann den Wink zu verstehen, indem er ging. Danach dehnten sich die Minuten während Bsileios immer ungeduldiger wurde. Da wurde wiederum der Riegel zur Seite geschoben, die Tür wurde geöffnet und Ioana betrat den Raum. Sie wirkte völlig ruhig und gefasst, als sie den Finger zu den Lippen führte um anzudeuten, dass er leise sein solle. Sie besah sich noch einmal die genähte Wunde und nickte zufrieden. "Solange du keine akrobatischen Bewegungen vollführst, werden die Nähte halten. Dann öffnete sie den Packen mit ihren Heilutensilien und entnahm ihm ein grobes Bauernwams aus Jute, dazu eine Hose mit Strick anstatt eines Gürtels, sowie ein paar ausgetretene Bauernschuhe. Ein Bündel mit Brot und Zwiebeln steckte sie ihm mit den Worten zu: "Los zieh dich um! Du hast etwa die Statur meines Bruders." Seine zerschlissene Kleidung verschwand in dem Packen. Die Bulgarin betrachtete Basileios kritisch und nickte dann zufrieden. "Du siehst aus wie ein sehr armer Bauer. Und vergiß nicht, kein Wort griechisch, nur bulgarisch. Du lebst in dem Dorf Dobrapolje nahe Pliska beim Dorfschulzen Borissof. Und dein Name ist Samuil und du bist ein Taglöhner. Präg dir das ein. Halte dich nach ostsüdost und du gelangst nach etwa vier Tagen zur Zarenburg." Bis jetzt hatte Basileios nur stumm den Weisungen gelauscht, doch nun sprach er während er im Stroh seines Lagers wühlte und mit zwei Gegenständen wieder zum Vorschein kam: "Ich will mir das alles einprägen, so sollte es wirklich möglich sein, zur Zarenburg zu gelangen. Doch warte, ich habe dies hier versteckt, jenes Kreuz unseres Erlösers ist für dich, möge es dich behüten und Gottes Segen auf dich herab rufen. Und dieser einfache Ring hier ist für Gebhardt. Er ist aus Gold und aus dem Erlös wird er mit seiner Familie einen neuen Hof und Wohlstand aufbauen können. Einen weiteren Ring versteckte er im linken Schuh. "So, wie gelange ich nun hinaus?" Ioana nahm die beiden Schmuckstücke an sich und versteckte sie rasch. Dann öffnete sie vorsichtig die Tür und spähte hinaus. "Es hat gewirkt! Der Wächter schläft tief und fest, los komm jetzt." Mit diesen Worten trat sie hinaus auf den Gang. Basileios folgte ihr sofort. Gemeinsam schleiften sie den betäubten Sachsen in den Eingang zu Basileios Kerkerzelle. "So wird jeder glauben, dass ich ihn überwältigt habe und auf dich wird kein Verdacht fallen." flüsterte Basileios. Ioana lief voran, bis sie aus dem Kerkertrakt heraus waren, dann hakte sie sich bei dem Byzantiner unter und sie sahen nur noch aus wie ein altes Bauernpaar auf dem Weg nach Hause. Die Wächter am Burgtor machten keine Probleme. Ioana war bekannt und niemand legt sich mit der Person an, die einen selbst vielleicht bald zusammenflicken muss. Unverdächtig langsam gingen sie durch die Stadt zum Tor. Einige Sachsen standen dort Wache. Sie beachteten die beiden Bauern kaum, die wohl zurück zu ihrem Hof wollten. Dafür lauschten sie auf, als auf der Burg die Alarmglocken zu läuten begannen. Hundert Meter hinter Ioana und Basileios wurde das Tor geschlossen. Sofort begann Ioana auf Basileios einzureden: "Los lauf! Du musst schnell sein. Bleib nicht auf der Strasse und jetzt geh. Gott schütze dich vor den Ketzern." "Gott schütze dich auch Mütterchen, alles Gute und ich werde dich nicht vergessen. Sag Gebhardt dass ich seine Gesellschaft sehr mochte, aber sein Wein war scheußlich." antwortete Basileios unter gleichzeitigem weinen und lachen. Einen Moment sah Ioana ihm noch nach, dann hatte die Dunkelheit der Nacht den Byzantiner bereits verschluckt.

Die Nacht über hielt sich Basileios am Waldrand parallel zur Straße. Er hatte im Kerker so lange Zeit gehabt zu ruhen, dass er die ganze Nacht über wandern konnte ohne müde zu werden. Zweimal tauchte er hinter Bäume, als berittene Patrouillen in Richtung Osten an ihm vorbeiritten. Tagsüber blieb er ganz im Wald und kam nur in unregelmässigen Abständen an den Waldrand um sich zu orientieren. Einige Male beobachte er berittene Sachsen. Die folgende Nacht schlief er in einen Laubhaufen gebettet dort wo die Bäume am dichtesten standen. Das Brot und die Zwiebeln waren bereits verzehrt. Auch wich der Wald nun einer Weidelandschaft. Da und dort ragten Höfe aus der ebenen Landschaft. Basileios beschloß, zu einem der Höfe zu wandern um dort für eine Mahlzeit ein paar Stunden zu arbeiten. Er betrat das Hofgelände von vorne ganz offen und machte rufend auf sich aufmerksam. Eine Bäuerin trat aus der Tür eines Stalles und deutete ihm zum Hauptgebäude zu gehen. Gerade trat dort ein Mann, vierschrötig und mit einem Schaffell bekleidet, aus dem Haus. Basileios versuchte ganz auf seine Rolle einzugehen, als er den Bauern ansprach: "Gott zum Gruß Bauer. Ich bin Samuil, ein Taglöhner aus Dobrapolje und hoffte, mir bei dir eine Mahlzeit erarbeiten zu dürfen." Der Bauer musterte ihn lange ehe er zu sprechen begann: "Gottes Segen Samuil, ich bin Danilo. Du kannst dir ein einfaches Mahl erarbeiten. Komm mit, ich will dir zeigen, welche Arbeit ich für dich habe." Mit schweren Schritten ging der Hüne ums Haus zu einem Schuppen. Darin befanden sich eine Vielzahl an Werkzeugen wie Hämmer, Sensen, Sicheln, Sägen, Pflugblätter und vieles mehr. Er deutete auf die aufgereihten Werkzeuge und sprach: "Hier Samuil, die Klingen und Blätter all dieser Werkzeuge gehören geschliffen und poliert. Es steht die Zeit an, wo wir vieles davon benötigen und dann muss alles in gutem Zustand sein. Hier sind Schleifsteine, Wasser hol dir vom Brunnen und dort das alte Schaffell über dem Ölbottich verwende nachher zum polieren. Ist alles klar für dich?" "Ja Bauer Danilo, ich werde mich sofort an die Arbeit machen." entgegnete Basileios in dem Wissen schon seit knapp fünf Jahren keine schwerere Arbeit vollzogen zu haben als die Feder in die Tinte zu tauchen und anschließend zum Pergament zu führen. Er machte sich mit Gleichmut an die Arbeit und schliff säuberlich all die Roststellen aus den Werkzeugklingen ehe er überhaupt ans schärfen und nachträglichem polieren ging. Einmal kam die Bäuerin scheu lächelnd zu ihm hin und reichte ihm einen groben Holzbecher mit Schafmilch. So ungewohnt das Getränk war, es kräftigte und er arbeitete mit mehr Frische weiter.

Da plötzlich hielt er ein und lauschte. Ja er hatte sich nicht getäuscht, Hufschlag erklang, wurde langsamer und verstummte schließlich. Er arbeitete bedächtig weiter. Kurze Zeit später hörte er Schritte und als er aufsah, erkannte er vier Sachsenkrieger und den Bauern Danilo. Der Bauer verneigte sich ununterbrochen, als würde ihn nur diese Buckelbewegung vor einem gräßlichen Tod bewahren. Einer der Krieger bellte Basileios in schlampigem bulgarisch an: Du Lump komm mit! Unser Herr hat Fragen an dich. Und an deiner Stelle würde ich sehr ehrlich sein." "Basileios versuchte das Buckeln nachzuäffen um glaubwürdiger zu erscheinen. "Ja Herr." stammelte er. Er und Danilo wurden von den vier Kriegern mit blanken Schwertern in die Mitte genommen und auf den Hof vor dem Haupthaus gebracht. Dort saß auf einem Streitroß ein sächsischer Ritter, der seinen Blick über das ganze Anwesen streifen ließ, so als ob er überlegte, was er damit anstellen solle. Ein weiterer Krieger stand bei fünf weiteren Pferden. Die Frau des Bauern kauerte weinend auf dem Boden und rang die Hände ein ums andere mal über dem Kopf. Schließlich sprach der Ritter zu dem Krieger, der bulgarisch gesprochen hatte und offenbar einen Dolmetsch darstellte. Der Krieger wandte sich ihm zu und begann zu fragen: "Wer bist du, woher kommst du und bist du auf deiner Wanderschaft einem Byzantiner begegnet?" "Herr, ich heiße Samuil und bin nur ein nichtswürdiger Taglöhner. Ich stamme aus dem Dorf Dobrapolje und arbeite hier für eine Mahlzeit. Ich bin niemandem begegnet ausser wenigen fahrenden Krämern. Einen Byzantiner habe ich nicht getroffen Herr." entgegnete Basileios demütig. Der Ritter hörte sich alles an und stellte dann weitere Fragen, die der Krieger an Basileios richtete: "Wie heißt euer Dorfschulze und welchem Bojaren ist er unterstellt?" Basileios wurde abwechselnd heiß und kalt. Ioana hatte ihm zwar den Namen des Dorfschulzen genannt aber nie einen Bojar erwähnt. Basileios kannte einige Ritter der Bulgaren vom gemeinsamen Kampf her. Bedächtig wählte er seine Antwort: "Herr, unser Dorfschulze ist der ehrenwerte Borissof. Unseren edlen Bojaren habe ich nie gesehen, aber es war bis zu diesem Kriege der Bojar Rashka unser Herr." Wieder übersetzte der Krieger, der Ritter stellte herrisch Fragen und der Krieger antwortete ihm. Die Worte Pliska und Borissof konnte er aus dem deutschen Wortschwall verstehen. Der Ritter stieg ab und stapfte zu Basileios hin, der das Haupt vor ihm senkte und stumm betete. Eine schier endlose Zeit stand der Ritter direkt vor Basileios. Dann wandte er sich ruckartig ab und sprach wieder mit seinem Übersetzer. Er hatte ein Grinsen rasch überwunden, doch war es Basileios nicht entgangen. Die scheinbar harmlose Frage des Kriegers lautete: "Nichtsnutz von einem schäbigen Taglöhner, wann kehrst du wieder in euer Dorf zurück?" Basileios hätte beinahe geantwortet, da erkannte er erst die Falle. Der Übersetzer hatte seine Frage in griechischer Sprache gestellt! Basileios setzte rasch eine ratlos überrschte Miene auf und sprach stammelnd zu dem Dolmetscher: "Herr, bitte, ich spreche eure Sprache nicht, ich spreche nur meine Muttersprache." Der Krieger versetzte Basileios daraufhin eine schallende Ohrfeige, doch der Ritter rief ihn wieder zurück. Einige Anweisungen, dann bestiegen die Krieger wieder die Pferde und ritten aus dem Anwesen. Basileios stand starr da und sah ihnen nach. Ein Krieger hatte ihn geohrfeigt. Er glaubte nicht, ihm je wieder zu begegnen doch falls doch würde er diese Schande nur mit Blut abwaschen können. Langsam schlurfte Danilo näher und begann über die Sachsen zu fluchen während seine Frau verzweifelt versuchte, ihn zu beruhigen: "Gott verfluche dieses feige Ketzerpack! Sich an Bauern und Armen vergreifen, der Teufel soll sie holen! Unsere Kirchen schänden, sich aber rechte Christen nennen. Der Zar wird sie alle aus dem Land jagen. Hab ichs nicht immer gesagt Duschanka? Der Zar wird kommen und die verfluchten Deutschen aus dem Land jagen." Basileios fasste sich ob dieser Schimpftirade wieder und ging zurück zu seiner Arbeit in dem Schuppen. Stunden später wurde das letzte Sägeblatt säuberlich poliert und abgestellt. Dann ging er zu Danilo um ihm seine Arbeit zu zeigen. Der war zufrieden und den Abend über saß er mit dem Bauern, seiner Frau und einem noch jungen Mädchen am selben Tisch. Das Gebet vor dem Essen kannte er noch aus seiner Kindheit. Er stammte ja selbst aus einer Bauernfamilie. Es gab große Krautblätter, die mit Gewürzen und Schafkäse gefüllt waren und dazu brach sich jeder unter Bekreuzigung einen Teil Brot von einem Laib ab. Das Essen verlief still, danach schenkte Duschanke, die Bäuerin Kwass für die beiden Männer und Milch für ihre Tochter und sich selbst ein. Höflich trank er noch den Kwass, bedankte sich herzlich für die Bewirtung und durfte im Stall schlafen. Der Geruch nach Schafen wurde bald von einem bleiernen Schlaf abgelöst und er erwachte erst wieder als die Bäuerin in früher Dämmerung den Stall betrat. Basileios dankte für die Gastfreundschaft, verabschiedete sich mit einem Gott befohlen und wurde zum Abschied noch mit einer Wegzehrung aus Brot, Schafkäse und Äpfeln versorgt.

Er war noch einmal gut davon gekommen, doch ihm war nun bewusst, dass er noch vorsichtiger sein musste. Und zur Zaren burg waren es noch mehr als zwei Tage Marschzeit.


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Re:Unterwegs mit dem byzantinischen Heer      06.07.2010 13:13:10 --- 1 Jahr, 7 Monate her  
Die Weidelandschaft bedeutete für Basileios, dass es keine Versteckmöglichkeit gab. Um sich also unverdächtiger zu geben benutzte er die Strasse. Sie führte ihn durch manche Dörfer und kleine Weiler. Einmal traf er auf eine kleine Patrouille der Sachsen, ohne jedoch von ihnen belästigt zu werden. Am späteren Nachmittag traf er auf einen, dem Zustand nach, erst kürzlich verlassenen Bauernhof. Verlassene Gebäude haben eine eigene Athmosphäre und diese hier wirkte leicht unheimlich. Dennoch, ein geschützter Schlafplatz ist viel wert und vielleicht waren auch noch Lebensmittel zu finden. Basileios betrat das Haupthaus durch die geöffnete Türe und rief sicherheitshalber in das Haus hinein. Er befand sich in einem Flur, von wo es geradeaus zur Küche und rechts zu einem mit groben Steinen ausgekleideten Raum voller Tröge und Wannen ging. Links ging eine steinerne Treppe nach oben. Hinter ihr befand sich eine leere Räucherkammer. Sein Weg führte ihn in die Küche. Ein erkalteter Ofen mit einem kleinen Holzstapel daneben, ein Schrank, sowie ein Tisch mit zwei Bänken und einem Stuhl war die ganze Einrichtung. Die Durchsuchung des Schranks zeigte, dass die Bewohner entweder mit allen Nahrungsmitteln geflohen waren oder das Haus bereits sehr gründlich durchsucht worden war. Er begab sich zur Treppe zurück und stieg langsam nach oben. Er lauschte, doch es war alles still im Haus. Oben befanden sich das Schlafzimmer und die Stube. Basileios betrat die Stube um sich auszuruhen und den letzten Rest Brot, den ihm die Bauern heute morgen mitgegeben hatten zu essen. Kaum befand er sich in der Stube fühlte er ein Prickeln das sein Rückgrat entlang lief. Ruckartig drehte er sich um und sah, wie sich zwei abgerissene und verwahrloste Gestalten von der Wand, an der sie gelauert hatten, lösten und die Tür schlossen. Der ältere der Beiden hatte ein Schwert in der Rechten. Sein Gesicht hatte einen verkniffenen Ausdruck, so als leide er unter permanenter Verstopfung. Der Jüngere grinste wie ein Kind in Erwartung eines ganz besonders schönen Geschenkes. Seine Augen strahlten den Ausdruck fortgesetzten Wahnsinns aus. In seiner rechten Hand hielt er ein Beil. Es war mehr Werkzeug als Waffe, machte es aber um nichts ungefährlicher. Beide sprachen kein Wort und das war auch nicht nötig. Basileios wusste auch so, dass sie ihn töten wollten.

Mit einem Sprung warf sich Basileios zu dem Stuhl am Kamin und hob ihn hoch um ihn sowohl als Schutz ebenso wie als Waffe zu benutzen. Der jüngere der beiden Männer warf sich mit einem schrillen Schrei auf Basileios und ließ seine Axt seitlich durchschwingen. Das Blatt schrammte über eines der Stuhlbeine und Holzsplitter flogen als sich Basileios wegdrehte und den Sessel wie das Tuch eines spanischen Picadors zur Abwehr vorschnellen ließ. Basileios machte einen raschen Schritt vorwärts und während der Blick seines Gegners am Stuhl hing trat der Byzantiner mit dem Fuß dem Irrsinnigen in die Schrittgegend. Ein scharfes Aufstöhnen zeigte ihm an, dass er gut gezielt hatte. Der Mann mit der Verstopfung war inzwischen vorsichtig um die beiden Kämpfenden herum gegangen und hatte versucht Basileios in den ungeschützten Rücken zu gelangen. Rechtzeitig bemerkte er ihn und schwang mitsamt dem Stuhl herum. Dieser wurde Basileios langsam zu schwer, doch stellte er vorerst noch seine einzige Waffe dar. Der Mann stieß mit dem Schwert zu, doch brachte Basileios den Sessel wieder rechtzeitig zwischen sich und das Schwert. Mit einem ächzenden Knirschen bohrte sich das Schwert durch die Sitzfläche hindurch. Basileios drehte den Stuhl mehrmals rasch herum, so dass er seinem Gegner damit das Schwert entwinden konnte. Einem plötzlich von der Seite geführten Hieb mit dem Beil konnte er nur mit höchster Not ausweichen wobei er beinahe über seinen Stuhl gestolpert wäre. Mit Schwung drehte sich Basileios nun um die eigene Achse und ließ den Stuhl dabei mit aller Kraft mitschwingen. Der jüngere Totschläger konnte durch den Schwung seines eigenen Hiebes nicht mehr ausweichen und der Sessel traf ihn mit voller Wucht an der Hüfte. Holz brach und Basileios Gegner ging schreiend zu Boden. aber auch Basileios stolperte nun über die Reste des Stuhls und stürzte auf seinen Gegner. Kurze Zeit rangen beide um den Besitz der Axt, dann rollte sich Basileios herum, hob die Rechte und ließ das gerade eroberte Beil mit aller Kraft auf den Kopf des Mannes niedergehen. Die entsetzt aufgerissenen Augen wurden starr. Sein Haupt war von der Nasenwurzel an aufwärts gespalten. Basileios wurde mit Blut und Hirnmasse besudelt. Er hatte jedoch keine Zeit nachzudenken, da sich in dieser Zeit der ältere der Beiden wieder in den Besitz seines Schwertes gesetzt hatte. Und er war im Vorteil, da Basileios nie gelernt hatte mit einer Axt umzugehen. Dem ersten Hieb wich er aus indem er sich am Boden wegrollte. Doch als er aufstehen wollte war der Mann bereits wieder vor ihm und stieß das Schwert nach seinem Körper. Es gelang Basileios gerade noch das Schwert mit dem Beil zur Seite zu schlagen, doch brach dabei der Axtstiel und das Axtblatt wurde meterweit weg geschleudert. Ohne Waffe sah er nur noch eine Möglichkeit. Er warf sich nach vor, umklammerte die Hüfte des Mörders und brachte ihn zu Fall. Das Schwert hielt dieser jedoch fest umklammert und versuchte nun, es dem Byzantiner in die Seite zu stossen. Für den Infight ist ein Schwert jedoch denkbar zu lang und so kratzte es lediglich Basileios Bein entlang. Der Schmerz mobilisierte noch einmal alle Reserven in ihm. Er schrie wie er nie zuvor in einer Schlacht geschrieen hatte und umklammerte mit beiden Händen den Hals seines Gegners. Immer wieder schlug dieser mit dem Schwertknauf auf Basileios' Rücken ein während dieser mit beiden Daumen den Kehlkopf in den Hals hineindrückte. Die Schläge wurden matter, langsam lief er blau an und die Augen traten so stark hervor, dass sie zu platzen schienen. Bis er endlich zusammenbrach. Basileios wollte sicher gehen, löste das Schwert aus den Fingern des Alten und stach es ihm ins Herz. Danach brach er entkräftet auf dem Boden zusammen und blieb lange Zeit keuchend liegen. Sein Bein brannte höllisch dort wo die Schwertklinge die Haut aufgerissen hatte. Er fühlte sich besudelt und elend schwach als er sich aufraffte und die Treppe hinab und zum Brunnen schleppte. Er wusch sich ausgiebig und trank wie ein Verdurstender. Sein nächster Weg führte ihn in das Schlafzimmer, wo er noch einige Laken und zwei Decken vorfand. Er zerriß ein Laken in Streifen, so dass er sich die Wunde am Bein verbinden konnte. Danach ließ er sich auf die mit Heu gefüllte Matratze nieder und schlief fast augenblicklich ein.

Er erwachte schweißnass mitten in der Nacht. In seinem Traum hatte sich der junge seiner Angreifer mit gespaltenem Kopf über ihn gebeugt und gegrinst. Seine Rückenmuskeln schmerzten bei jeder Bewegung. Die Schläge mit dem Schwertknauf mussten sie geprellt haben. Er aß den Rest seiner Verpflegung und verließ anschliessend rasch das unheimliche Bauernhaus mit den beiden Toten in der Stube. Er wanderte die ganze Nacht lang in die Richtung in der er die bulgarische Hauptstadt vermutete. Stunden später als der neue Tag bereits zu dämmern begann traf er am Strassenrand auf ein kleines Lager. Vorsichtig umging er es und stieß erst hundert Meter weiter wieder auf die Strasse. Als er wieder einen Wald erreichte fühlte er sich endlich wieder etwas sicherer. Nachmittags wurde der Hunger übermächtig und als Basileios wieder einmal an einem Bauernhof vorüber kam blieb er stehen und ging auf das Haus zu. Auf sein Klopfen hin öffnete ein alter Mann, der sich auf einen knotigen Stock stützte. "Was willst du!?" fuhr er Basileios an, nachdem er ihn eingehend gemustert hatte. Basileios konnte dem Bauern den Ton nicht verargen. Er wusste, welchen Eindruck er auf ihn machen musste. "Bitte ein Stück Brot Bauer." antwortete er. Der Altbauer lachte bitter auf und sprach: "Hah! Der Bauer kämpft mit dem Bojaren gegen die dreimal verfluchten Deutschen und die Frau und die Kinden müssen sich zu Tode schuften um den Hof aufrecht zu halten und die fünf Mäuler zu stopfen. Und dann kommt so ein Gesindel daher und bettelt noch um Brot! Verschwinde du Lump oder ich will dir meinen Stock zu spüren geben." Basileios versuchte ihn zu beruhigen: "Alter bitte begütige dich doch im Namen unseres Herrn Jesus. Wenn kein Brot für einen Wanderer im Hause ist dann ist das eben so. Doch bitte hilf mir wenigstens mit einer Auskunft. Ich bin auf dem Weg zur Hauptstadt doch bin ich nicht sicher noch auf dem richtigen Weg dahin zu sein." Der Altbauer hob seinen Stock und deutete damit damit in die Richtung, in die Basileios unterwegs war. "In drei Stunden wirst du die Mauern und Türme der Stadt zu sehen bekommen." sprach er. Damit wandte er sich forsch um und schloß die Tür hinter sich. Basileios hätte vor Freude schreien wollen. Drei Stunden nur, das hieß dass sich auch sicher keine Sachsen mehr in solch unmittelbarer Umgebung zur Zarenburg aufhielten. Trotz des Hungers wanderte er weiter, bis er zwei Stunden später auf eine bulgarische Reiterpatrouille stieß. Rasch lief er auf sie zu und rief den Reitern entgegen: "Halt bitte! Ich bin Byzantiner und wurde in der Schlacht von Banatului verwundet und gefangen. Es gelang mir aus dem sächsischen Kerker zu entkommen und muss zu unserer Botschaft in der Zarenburg!" Die Reiter blieben stehen und betrachteten den abgerissenen, ungepflegten Mann, dessen rauhes Bauernhemd mit Blut befleckt war. "Wer und was du auch immer bist wird sich heraus stellen. Wir bringen dich erstmal in die Stadt und besuchen die byzantinische Botschaft. Dann wird sich weisen, was weiter mit dir geschehen wird." sprach der Hauptmann zu Basileios. Er gebot einem der Reiter Basileios hinter sich aufsitzen zu lassen. In der ersten Abenddämmerung ritten sie die letzten Meilen zur Zarenbug.


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Re:Unterwegs mit dem byzantinischen Heer      07.07.2010 12:56:23 --- 1 Jahr, 7 Monate her  
Nach einer letzten Hügelkuppe erblickte Basileios die Burg des Zaren von Bulgarien. Sie war in einem weiten, und den zahllosen Feldern und Weiden nach zu schließen, sehr fruchtbaren Tal erbaut worden. Weiße Mauern und zahlreiche Türme umgürteten die bulgarische Hauptstadt. Im Licht der untergehenden Sonne wirkten die Mauern wie gleissendes Zauberwerk. Zahlreiche Wachen standen bei den Toren, aus denen nun des Abends die Bauern herausströmten, die tagsüber Milch und Käse, ihr Gemüse und das ein oder andere Schaf oder Schwein zum Verkauf gebracht hatten. Ehrerbietig machten die Bauern den Reitern des Zaren Platz und teilten sich wie das Wasser vor dem Bug einer Dromone. Zwischen Reitern und Wachen wurden im vorbeireiten rasch Grüße ausgetauscht, dann befand sich die Gruppe auch schon innerhalb der Mauern. Sie ritten die Innenmauer entlang nach Norden, bis sie zu einem weiteren Mauerkomplex gelangten, der eine Festung in der Stadt bildete. Darin befanden sich sowohl der Palast des Zaren als auch die Botschaften der verschiedensten Völkerschaften. Gärten, Weinlauben und Parks trennten die verschiedenen Gebäudekomplexe auf geschmackvolle Art.

Basileios kannte die Botschaft, er hatte hier Monate vor dem Krieg den neuen Gesandten am bulgarischen Hof eingeführt. Am Tor zur Botschaft standen je ein bulgarischer und ein byzantinischer Soldat Wache. Der Anführer der Patrouille berichtete den Wächtern von Basileios Behauptung und übergab ihn der Torwache. Der Byzantiner führte Basileios ins Innere der Botschaft und brachte ihn zu einem niederrangigen Beamten, dem er sein Anliegen vortragen sollte. Der Beamte sprach Basileios in herrischem Ton an: "Sag Bursche, du bist also ein Stratiot, der bei Banatului in Gefangenschaft geriet? Hast du auch einen Namen?" Basileios antwortete während er den Ring aus dem Versteck in seinem Schuh hervor holte und dem Beamten reichte: "Mein Name ist Basileios aus dem Geschlecht der Kantakouzenoi. Ja ich geriet verwundet in Gefangenschaft, konnte aber dank bulgarischer Helfer aus dem Kerker der Sachsen fliehen. Und nun lasst mir ein Bad richten und schickt mir den Botschaftsarzt. Anschließend bringt Ihr mich zum Gesandten Georgios Zonaras." "Der Siegelring des Domestikos Logothetes tou dromou!" ließ sich der Beamte erstaunt vernehmen.

Das Bad war eine Wohltat ohnegleichen. Wie lange hatte er ein solches Vergnügen zunächst durch den Feldzug, dann durch die Gefangenschaft entbehren müssen. Zwei junge Mädchen verwöhnten ihn im Bad mit gewässertem Wein und Obst. Danach ließ er sich ganz mit Öl einreiben und mit einem silbernen Schaber den Schmutz vieler Wochen vom Körper entfernen. Ein Masseur knetete ihn durch wobei er großes Geschick bewies. An den Stellen, an denen sich die frischen Narben und zum Teil noch nicht einmal ganz verheilten Wunden befanden, arbeitete er sehr behutsam und vorsichtig, während er an den gesunden Stellen hart zugriff. Nach dieser wohltuenden Prozedur besuchte ihn der Botschaftsarzt, der sich überraschenderweise als Frau entpuppte. Eine hochgewachsene, gertenschlanke, doch nicht mehr ganz junge Dame, deren Fältchen um Mund und Augen darauf schliessen liessen, dass sie gerne und oft lachte, untersuchte ihn sehr genau und widmete vor allem der Wunde am Bein und der von Ioana versorgten Brustwunde viel Zeit. Sie entfernte die alten Nähte dort, salbte die Wundränder und legte einen straffen Verband an. Die Beinwunde wurde mit Wein gründlich gewaschen, auf Eiterbildung untersucht und schließlich genäht und ebenso verbunden. Nach getaner Arbeit lehnte sie sich etwas zurück und musterte Basileios eingehend. "Was seht ihr mich so an?" fragte er mit leiser Stimme. "Ihr seht aus wie ein Bestiarius und nicht wie ein hoher Beamter der ihr seid. Euer Körper strotzt nur so vor lauter Narben und eure Muskeln sind gestählt. Ihr solltet einen Arzt in eure persönlichen Dienste nehmen." gab sie ihm schmunzelnd zurück. Basileios lachte. Seit langem fühlte er sich wieder leicht und entspannt. Nach einer Pause sprach er: "Ich werde gerne wieder auf eure Dienste zurück greifen und ich fürchte, dass dies eher in naher statt ferner Zukunft passieren wird. Sagt, wo habt ihr eigentlich studiert und wie lautet euer Name?" "Ich bin Sergia aus dem Geschlecht der Argyroi. Studiert habe ich am Nosokomeion des Erlösers von Adrianopel. Und nun solltet ihr euch besser wieder bekleiden, da ich euch sonst mit einer Erkältung weiter behandeln darf." antwortete sie. "Lebt wohl!" sprach sie, während sie ihre Gerätschaften zusammen packte und mit einer leichten Verbeugung den Raum verließ. Basileios sah ihr noch eine Weile sinnend nach und wandte sich dann den beiden Sklavinnen zu, die neue Gewänder für ihn bereit hielten. Die beiden Frauen, die ihn im Bad bedient hatten, kleideten ihn nun ein. Endlich wieder die gewohnte Dalmatica und der Chlamys um die Schultern. Schuhe in grüner Farbe, wie sie ihm als Protoasekretes zustanden, wurden angepasst und der Siegelring kam wieder an den gewohnten Finger. Als Basileios danach auch noch eine kleine Mahlzeit aus Brot, Käse, Nüssen und Oliven gegessen hatte, fühlte er sich fast wieder herhestellt.

Es war bereits später Abend dennoch wartete Georgios Zonaras, der Gesandte, auf ihn. Da sich beide bekannt waren, begrüssten sie sich ohne jede Förmlichkeit und setzten sich dann nur zu zweit mit einem kleinen Imbiß aus kaltem Geflügelbraten, Brot, Obst und Wein im Büro des Gesandten zusammen. Georgios wandte sich mit einem Pergament an Basileios: "Zuerst lest dies hier, mein Freund. Ich denke danach könnt ihr euch mit leichterem Herzen den Sorgen des Reiches widmen." Basileios nahm das Pergament und entfaltete es rasch. Er las:

Mein Sohn

Gleich nach den ersten Gerüchten über sächsische Scharen, die unser ungeschütztes Land plündern und brandschatzen, packte ich die nötigsten Dinge ein, nahm deine Söhne, meine geliebten Enkel, und machte mich mit dem Gefolge und Gesinde auf den Weg nach dem sicheren Konstantinopel. Beinahe hätten uns die Sachsen noch abgefangen, doch waren es nur wenige und wir konnten uns ihrer erwehren. Ioannes und Sergios verhielten sich sehr tapfer und zeigten keine Furcht. In Konstantinopel bezogen wir dein Haus nahe dem Blachernenpalast. Die Kinder sind zur Stunde wohlauf und deine Schwester kümmert sich liebevoll um sie. Sei also unbesorgt, wir sind in Sicherheit. Wir hörten von einem Sieg über den deutschen Kaiser. Gebe Gott dass die Ketzer wieder in die Löcher zurück gejagt werden, aus denen sie hervor gekrochen sind um heiligen römischen Boden zu beflecken. Ich vertraue darauf, dass du dich auch weiterhin mutig und standhaft zeigst, im Sieg wie in der Niederlage. Würdig unseres Namens der stolzen Kantakouzenoi.

Möge der Herr über dich wachen.

Gezeichnet

Dein dich liebender Vater
Ioannes Kantakouzenos der Ältere"


Erleichtert legte Basileios den Brief zur Seite. Die ganze Angst, die ihn seit Wochen bedrückte, löste sich von seiner Brust und frischer Mut durchströmte ihn. Georgios wandte sich an ihn: "Ich bekam diesen Brief als ihr bereits in Banatului wart und wir die Nachrichten von der schrecklichen Niederlage hörten. Also hielt ich alle Nachrichten, die an das Heer gehen sollten hier zurück, damit sie nicht an die Sachsen fallen konnten." "Das war sehr umsichtig von euch lieber Georgios. Und nun bitte ich euch, mich über all das aufzuklären, was seit Banatului geschah. Ich habe seit dieser Schlacht keine Nachrichten über die byzantinischen Verhältnisse mehr, vor allem aber muss ich wissen wie es dem Protosebastos geht." sprach Basileios.

Der Gesandte nickte bedächtig mit dem Haupt und begann dann zu sprechen: "Zunächst muss ich euch darauf hinweisen, dass ich selbst keinen sicheren Überblick über die Geschehnisse in Konstantinopel habe. Das derzeit schlimmste sind die widersprüchlichen Gerüchte über das Schicksal unseres verehrten Protosebastos. Mal heisst es, er sei bei Banatului gefallen, dann wieder, er sei von den Deutschen verschleppt worden, sogar das Gerücht von Verrat und Mord keimte auf." "Der Kaiser tot?!" unterbrach Basileios. "Das ist nicht sicher. Sicher ist jedenfalls dass er sebst weder in Erscheinung getreten ist, noch die Sachsen ihn scheinbar als Gefangenen haben. Er ist verschollen. Nun auf diese Nachrichten hin kamen natürlich sofort Putschgerüchte auf und unmittelbar darauf ergriff der Themengeneral von Thrakien, Marenzio, den Kaiserpurpur. Wir glaubten zunächst, dass er ein Usurpator wäre, doch trat er wenige Tage später zugunsten des ehemaligen Megas Domestikos, Wosch der Findige, zurück. In einer Erklärung gab dieser an, die kaiserliche Gewalt bis zur Rückkehr des Protosebastos Markus von Langenfelden ausüben zu wollen und sofort nach dessen Rückkehr wieder aller kaiserlicher Gewalten zu entsagen. Er verhinderte eine Vereidigung auf sich, was bedeutet, dass er sich tatsächlich nicht oder zumindest noch nicht als Protosebastos sieht. Damit gelang es ihm eventuellen Usurpatoren einen Riegel vorzuschieben und alle loyalen Kräfte weiter vereint zu belassen. Ein Friedensangebot seitens des deutschen Kaisers hat er strikt abgelehnt." Basileios blickte nachdenklich in das heruntergebrannte Feuer des Kamins und kaute gedankenverloren an einem Stück Brot. "Ich kenne den Megas Domestikos. Er ist ein aufrechter und loyaler Beamter. Ich glaube er hat genau bedacht was er tut. Es war richtig und solange er keinen Eid auf seine Person als neuer Protosebastos verlangt, gibt es an seiner Aufrichtigkeit keine Zweifel." sagte er immer noch den Flammen zugewandt.

Georgios nahm einen kräftigen Schluck und lehnte sich wieder zurück. Er sprach: "Er hat damit auf jeden Fall einen Bürgerkrieg verhindert, was wir ihm alle hoch anrechnen. Aber nun zu dem weiteren Kriegsverlauf wenn ihr gestattet. Auf die Niederlage von Banatului hin war das Reich bis auf die kleine Armee unter dem Kommando des Megas Domestikos völlig ungeschützt. Die Sachsen brandschatzten und plünderten faktisch alle Provinzen. Auch die anderen Mitglieder der Allianz hatten schwer zu leiden. Armeen des Papstes verwüsteten Griechenland und die Bayern und Ungarn kämpften in Makedonien und in Bulgarien. Dennoch hat sich unsere Lage deutlich verbessert. Viele Völker sind an unsere Seite getreten um der Tyrannei des deutschen Kaisers Einhalt zu gebieten. Die Völker der Wikinger kämpfen Seite an Seite mit den Völkern des Commonwealth an der Nord- und Ostseeküste gegen Sachsen, Staufer und Pruzzen. Litauer und Polen mussten umkehren um ihre Heimat nun gegen unsere neuen Verbündeten zu verteidigen. Wosch der Findige hat inzwischen aus Rekruten und versprengten Resten der Armee von Banatului wieder eine halbwegs schlagkräftige Armee geformt. Dennoch ist die Amee derzeit nur ein Schatten der einstigen Stärke. Übrigens steht die Armee unter seinem Kommando inzwischen in Rumelija. Ein Befehl lautet, dass alle Kämpfer, die noch hierher gelangten zur Armee zu schicken sind." Basileios wandte seinen Blick endlich vom Kaminfeuer ab und und zu Georgios hin. Lächelnd antwortete er: Nun dass sind bessere Nachrichten als ich erhofft hatte. Sollen die Sachsen ernten was sie gesät haben. Ich werde mich nun zu Bett begeben und morgen zu Pferd, so ihr mir eines eurer Kurierpferde überlasst, zur Armee begeben. Habt vielen Dank für eure Ausführungen lieber Georgios."

Die beiden Männer erhoben sich und verließen das Büro um ihre Betten aufzusuchen. Bevor er die Öllampe neben seinem Bett löschte nahm Basileios den Brief seines Vaters und küsste ihn nachdem er ihn noch einmal gelesen hatte..


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Re:Unterwegs mit dem byzantinischen Heer      08.07.2010 14:28:16 --- 1 Jahr, 7 Monate her  
Die Sonne beschien bereits das Gastgemach, in dem Basileios die Nacht verbracht hatte. In einem richtigen Bett hatte er genächtigt. Er fühlte sich frisch und kräftig. Eine Waschschüssel stand schon bereit, dazu ein Messer zum stutzen des Bartes, zwei kleine Tücher und zwei große Leinentücher, eine kleine Amphore mit Öl, ein Schaber und ein beinerner Kamm mit silbernem Griff. Nachdem er sich ausgiebig gepflegt hatte begab er sich zum Frühstück zu Georgios Zonaras.

"Guten Morgen, nehmt Platz und esst in Ruhe." sprach ihn Georgios an und deutete mit dem Arm auf Teller, Schüsseln und Becher, die den Tisch einnahmen. "Ich war den Morgen nicht so untätig wie ihr und habe bereits alles vorbereiten lassen. Neue Rüstungen und Waffen für die hier gesammelten Stratioten und natürlich eine neue Kettenrüstung für euch. Dazu Pferde und zwei Maultiere als Tragtiere für Proviant, Tierfutter, Zweitgewänder und Werkzeuge. Letzte Nachrichten besagen übrigens verläßlich dass das Heer mittlerweile in Karvuna steht." führte der Gesandte aus. Basileios tunkte ein Stück Brot in ein Schüsselchen mit Honig während er an einem Stück Melone kaute. "Jaja ihr seid wirklich ein Ausbund an Pflichterfüllung lieber Georgios." sagte er lächelnd und sprach dann ernster weiter: "Aber wirklich, wie konntet ihr in der Botschaft Rüstungen und Waffen auftreiben? Von so vielen Pferden gar nicht zu reden! Ach ja, wieviele Stratioten werden denn mit mir aufbrechen?" Georgios spreizte die Finger seiner Rechten und besah sie sich nachdenklich ehe er antwortete: "Nein, wir haben natürlich kein Waffenlager in der Botschaft und wir besitzen auch kein Gestüt. Diese Sachen sind von den Bulgaren. Wir müssen sie natürlich bezahlen, haben aber fürs erste zumindest Kredit. Es sind dreiundfünfzig Männer und Frauen, die damit ausgerüstet wurden und die ihr nach Karvuna zum Heer bringen werdet. Nicht sehr viele, dafür aber genauso entschlossen wie ihr selbst." "Nun gut, habt Dank für eure Hilfe, ich bin sehr zufrieden mit eurer Arbeit. Und nun sollten wir den Aufbruch nicht weiter hinauszögern." sprach Basileios, nahm noch einen letzten Bissen Käse in den Mund und spülte ihn mit einem guten Schluck stark gewässerten Weines hinunter.

Gemeinsam gingen sie auf den Vorplatz vor dem Botschaftsgebäude. Dort standen die Stratioten, neu gerüstet und bewaffnet, die Pferde lose am Zügel haltend und warteten auf ihren Anführer. Basileios wandte sich noch einmal zu Georgios und sprach ihn leise an: "Lebt wohl Zonaras und achtet auf euch." "Lebt wohl Kantakouzenos, Gott befohlen." antwortete der Gesandte. Damit umarmten sich die beiden Männer zum Abschied. Danach stieg Basileios zu Pferde und wandte sich mit lauter Stimme an die Stratioten. "Hört mir zu! Ich bin der kaiserliche Domestikos Kantakouzenos und werde euch nach Karvuna zum Hauptheer unter dem Befehl des Megas Domestikos führen. Wir befinden und im Land unserer bulgarischen Glaubensbrüder und Verbündeten im Kampf gegen unsere Feinde. Wer sich daher auch nur des geringsten Diebstahls oder der geringsten Gewaltanwendung gegen Bulgaren schuldig macht, wird von mir mit dem Tode bestraft! Vergesst das nicht. Ihr alle seid so wie ich selbst Veteranen vieler Schlachten. Wir haben das Talent zu überleben bewiesen. Dieses werden wir wieder beweisen und unsere Kolonne heil nach Karvuna bringen. Dort werdet ihr dann vom Megas Domestikos in neue Einheiten integriert werden. Nach Banatului hat unser sächsischer Feind sicher geglaubt unseren Widerstandswillen gebrochen zu haben. Wir werden die Barbaren vom Gegenteil überzeugen! Wir kämpfen um unseren Glauben und das Reich zu erhalten. Gott ist mit uns!" Aus dem Augenwinkel sah er Sergia Argyros die Medica auf einem Balkon des Gebäudes stehen. So wenig Zeit in diesen Tagen, seufzte Basileios innerlich.

"Gott ist mit uns!" schrieen die Soldaten zurück.

Die Kolonne marschierte diszipliniert durch bulgarisches Gebiet, sanfte Hügellandschaften wechselten mit zerissen wirkenden Gebirgszügen. Schaf und Ziegenherden bevölkerten die saftigen Hänge der Hügel und die Hirten achteten ängstlich darauf, genügend Distanz zu den Bewaffneten zu halten. Die bulgarische Landbevölkerung war vom Krieg bereits so mitgenommen, dass sie sich selbst vor Soldaten der Verbündeten versteckten. Basileios hatte je eine Dreiergruppe Kundschafter sowohl voran, als auch an beide Seiten der Abteilung ausgeschickt um die Möglichkeit für Hinterhalte und Überraschungen zu minimieren. Abends ließ er nahe an einem Bach halten und ein Lager aufschlagen. Ein Erdwall wurde aufgehäuft und Wachen aufgestellt. So ging es einige Tage friedlich durch den Teil Bulgariens, den das bulgarische Heer unter Kontrolle hatte. Unangenehm wurde es erst als sie in die Provinz Burnasul gelangten, die noch von sächsischen Kontingenten unsicher gemacht wurde. Dennoch verliefen die Tage ruhig wenngleich die Ruinen verbrannter Dörfer und die allgemeine Leblosigkeit um sie herum stark deprimierend wirkten. Basileios kannte die Grafschaft recht gut und wusste dass es nur noch zwei Tagesmärsche bis zur Grenze nach Karvuna waren.

Gegen Abend dieses Tages, als Basileios schon das Signal zum lagern geben wollte, sah er die Kundschafter, die voraus geritten waren, im Galopp zurück hetzen. Angekommen benötigten sie einige Augenblicke um zu Atem zu kommen, dann berichtete eine Soldatin: "Herr, etwas mehr als eine römische Meile hinter der Hügelkuppe, auf die ihr zustrebt, lagert eine sächsische Abteilung. Wir sind so nahe heran gekommen als möglich. Sie haben etwa zwei Dutzend Pferde in einem Pferch und Zelte für alles in allem etwa sechzig Kämpfer. Das Lager wird durch einen Erdwall geschützt auf dem wir einige stehende Wachen ausnehmen konnten. Die Gegend dort ist eben und zieht sich ein halbes Dutzend Meilen flach hin, ehe wir wieder Hügelland und Wälder erreichen. Sie würden uns auf jeden Fall bemerken." Basileios dachte nach. Die Sachsen umgehen ging also nicht wegen des offenen Geländes, eine direkte Konfrontation würde Verluste bringen und konnte auch in einer Niederlage enden. Er nahm die Kundschafterin beiseite und sprach eine Weile aufgeregt mit ihr ehe er sich schließlich lächelnd in sein Zelt begab. Die Wachen wurden wie üblich ausgestellt. Der Domestikos ließ seine Truppe antreten und holte sich die unter ihnen heraus, die als die berüchtigsten Raufbolde und Messerstecher galten. Ein knappes Dutzend kam so zusammen, denen Basileios gezielt Befehle gab. Die Nacht verlief ruhig, doch eine Stunde vor Sonnenaufgang versammelten sich die Stratioten auf dem Platz im Lager. Sie trugen weder Rüstung noch Schilde und waren bis auf dunkle Umhänge und den Lendenschurz nackt. Jeder hatte ein Schwert und einen Dolch bei sich, sonst nichts. Zehn Männer und Frauen blieben im Lager zurück, ebenso alle Pferde. Die seltsam anmutende Truppe marschierte mit der Kundschafterin voran hügelan und von da an in nordöstlicher Richtung beinahe parallel zum Lager der Sachsen bis sie einige hundert Meter vom Lager entfernt genau östlich davon anhielten. Leise krochen die Soldaten durch das hohe Gras und legten sich hundert Meter vom Lager entfernt auf den Boden. Die am Abend handverlesenen Stratioten schwärmten aus und robbten sich vorsichtig an den Lagerwall heran.

Basileios Nerven lagen blank. Immer wieder wandte er den Blick nach Osten und suchte den Himmel ab. Es dämmerte bereits als endlich die Kundschafterin Basileios an der Schulter fasste. "Herr seht! Das weiße Tuch dort am Wall! Sie haben es geschafft." flüsterte sie ihm eindringlich ins Ohr. "Gut, alarmiert leise die Leute und begebt euch an den Wall. Und ihr wisst, lasst den Sachsen unbedingt einen Fluchtweg. Ich will diese Sache nicht verlieren, weil die Sachsen kämpfen müssen." Antwortete er ihr ebenso leise. Rasch setzten sich die Stratioten in Marsch und hasteten geduckt und behutsam die hundert Meter vor bis an den Wall. Jetzt musste es rasch gehen, da jeden Augenblick die Sonne aufgehen konnte und die Sachsen dann vielleicht bemerkten was vorging. Er begab sich als erster auf den Erdwall, wobei ihm jeder seiner Schritte und jedes Steinchen das hinabkullerte, wie Donnergrollen vorkam. Die anderen folgten ihm sofort. Hinter dem Wall traf er auf eine grinsende Kriegerin. Sie zeigte stumm mit dem Arm auf zwei offenbar tote deutsche Wachposten, die reglos auf dem Boden lagen. Er dachte daran, was er gerade im Begriff stand zu tun und kam sich sehr erbärmlich vor. Aber Krieg ist erbärmlich und besser die Sachsen als die Byzantiner, er brauchte bloß an die verwüsteten Provinzen denken. Er hob sein Schwert und gab das Zeichen. Nicht das Zeichen zur Schlacht, sondern das Zeichen zum abschlachten. Gott vergebe mir betete er still. Sofort huschten die Byzantiner in die vordersten Zelte und stachen ab, wen immer sie fanden. Erste Schreie wurden laut, erstickten röchelnd und nach und nach erwachten die Sachsen und versuchten sich zur Wehr zu setzen. Alles war ein einziges Durcheinander, widersprüchliche Befehle erschallten und zu all dem konnten die sächsischen Krieger kaum ausmachen gegen wen sie eigentlich kämpften, da im Rücken der angreifenden Byzantiner bereits die Sonne aufgegangen war und ihre Augen blendete. Vielen war der Schlaf zum Tode hin verlängert worden und die, die noch kampffähig waren, konnten kaum etwas sehen. Ein Krieger warf sich aus einem Zelt herauskommend auf Basileios. Dieser taumelte unter der Wucht des Anpralls und stürzte zu Boden. Der Sachse schrie wild und schwang sein Schwert. Basileios rollte sich weg und trat mit dem Fuß nach dem Knie des Kriegers. Das brachte diesen ausser Tritt und Basileios konnte sich rasch erheben. Der Sachse schwang sein Schwert in wilder Verzweiflung nach dem Bauch des Byzantiners und dieser konnte nur mit großer Mühe zurückweichen. Im stillen dankte er für die Fastentage der letzten Woche. Sonst hätte sein Bauch den Schwerthieb kaum unbeschadet überstanden. Basileios konterte indem er mit seinem Schwert nach dem Hals des Sachsen stieß. Dieser wehrte die Klinge mit seiner eigenen zur Seite hin ab und warf sich dann mit der Schulter voran an Basileios Brust. Hart entwich ihm der Atem aus der geprellten Brust, Der Krieger umklammerte mit ungeheurer Kraft den Leib des Domestikos und versuchte ihm die Rippen zu brechen. Basileios dachte an den Angreifer in jenem Bauernhaus vor drei Tagen den er erwürgt hatte, ließ das Schwert fahren und griff schnell nach dem Dolch. Er bekam kaum mehr Luft und ein eigenartiges Tosen nahm immer mehr Besitz von seinem Kopf. Mit letzter Kraft hob er den Dolch und trieb ihn so weit er konnte in den breiten Stiernacken des Sachsen. Dessen Griff lockerte sich augenblicklich und grunzend wankte er einige Schritte zurück, ehe er tot zusammenbrach. Basileios rang nach Luft und saugte sie auf wie ein Verdurstender das Wasser. Seine Brust schmerzte, vor allem dort wo er die Verwundung bei Banatului erlitten hatte. Nur kurz währte erbitterter Widerstand der Sachsen, dann als sie gewahr wurden, wie schrecklich ihre Verluste waren, flohen sie Hals über Kopf aus dem Lager. Nur wenige waren so geistesgegenwärtig auf eines der Pferde zu springen. Doch Basileios hatte genug. "Lasst sie laufen!" schrie er immer wieder bis die Byzantiner endlich das morden beendeten.

Sofort ließ er die verbliebenen Pferde mit der Beute beladen. Es waren hauptsächlich Nahrung und Werkzeuge sowie Rüstungen. Was sie nicht wegbringen konnten wurde in Brand gesetzt. Im eigenen Lager angelangt ließ er die Stratioten frühstücken und sich rüsten. Dann wurden wieder die Kundschafter ausgeschickt und die Kolonne setze sich wieder in Marsch. Vier Krieger hatten sie begraben müssen, doch wie viel höher wären die Verluste ausgefallen, hätte er die Sachsen im offenen Gefecht getroffen. Zwei Tage später überschritten sie die Grenze zur Grafschaft von Karvuna. Gegen Abend trafen seine Kundschafter auf eine Patrouille des byzantinischen Heeres und brachten die Soldaten zu Basileios. Er erfuhr vom Anführer der Patrouille, dass die Armee nach einigen Plänkeleien mit sich zurückziehenden Sachsen nun zwei Tage Rast machte. Er bestätigte auch dass das Heer vom Megas Domestikos Wosch der Findige kommandiert wurde. Basileios erkannte das Unbehagen des Mannes als er von Wosch als Megas Domestikos sprach. Schließ zog er eine Pergamentrolle aus seinem Gürtel hervor und überreichte sie dem Domestikos. Die Patrouille brachte Baslileios Truppe zum Standort des Heeres. Auf dem Wege dahin las Basileios das Pergament, welches ihm der Anführer vorhin überreicht hatte.

Er las:

An die Söhne und Töchter von Byzanz.

Hiermit erkläre ich Kraft meines Amtes als Megas Domestikos die Regentschaft von Marenzio für beendet.

Desweiteren proklamiere ich, dass ich, Wosch der Findige, Kraft meiner Befehlsgewalt über die byzantinischen Truppen den Titel Protosebastos für mich beanspruche. Sollte jemand der Meinung sein, einen höheren Anspruch auf den purpurnen Thron zu haben, so möge er diesen vorbringen und wir werden sehen, auf wessen Seite das Recht steht. Mit meinem Einzug und meiner Krönung in Konstantinopel werde ich diesen Anspruch besiegeln. Fürchtet euch nicht, Söhne und Töchter von Byzanz, denn niemandem liegt das Wohl unseres Volkes näher am Herzen als mir.

Gezeichnet und gesiegelt,
Wosch, der Findige
Protosebastos von Byzanz


Langsam senkte Basileios das Pergament. Das war nicht ganz das, was er in der Zarenburg von Georgios gehört hatte. Er frug sich welche Ambitionen Wosch der Findige vielleicht wirklich haben mochte. Diese Formulierung sagt eigentlich schon alles. Und ein besonders häßlicher Gedanke keimte in ihm auf. Wieso hatte der Protosebastos vor der Schlacht von Banatului den Megas Domestikos wirklich mit einem Teil des Heeres in die Heimat geschickt? Hatte er vielleicht einen Verdacht gehabt? Nein, das konnte er so noch nicht glauben. Er musste selbst mit dem Megas Domestikos sprechen. Und, der Gedanke schmerzte ihn, er musste von nun an sehr vorsichtig sein. Basileios Teue zu Kaiser Markus von Langenfelden war bekannt. Ihm schuldete er Loyalität, nicht einem Wosch dem Findigen. Nachts gelangten die Soldaten in das gut geschützte Rastlager der Armee. Erschöpft bezogen die Stratioten Quartier. Basileios blieb die Nacht über bei ihnen.

Frühmorgens begab er sich zum Kommandeurszelt. Ringsum standen die Zelte der Strategoi und es wimmelte von Wachen. Kurz hatte er erwogen, seine Kundschafterin und vielleicht zwei oder drei weitere Stratioten mit zu nehmen. Aber das war Unfug, hier war das Heer von Wosch dem Findigen. Welchen Schutz sollten ihm da einige Wächter geben können?

Er zeigte der Wache am Eingang den Siegelring, der ihn als Domestikos auswies und betrat das Zelt. Wosch der Findige saß auf einem Klappstuhl und schrieb auf einem Pergament. Basileios sah sich um, das Zelt war mit Brokatstoffen in Purpur ausgehangen worden. Er verneigte sich leicht, wie es gegenüber dem Megas Domestikos seine Pflicht war und sprach ihn, nachdem Wosch der Findige hochgesehen und ihn bemerkt hatte, an: "Gott mit Euch, verehrter Megas Domestikos. Ich bin aus Banatului zurück und habe, so ihr Zeit dafür habt, einiges zu berichten."


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Letzte Änderung: 2010/07/08 14:31 von Ioannes Kantakouzenos.
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Re:Unterwegs mit dem byzantinischen Heer      09.07.2010 18:00:05 --- 1 Jahr, 7 Monate her  
Die Tage seit seiner Proklamation zum Kaiser waren lang und arbeitsreich gewesen und sie vergingen doch wie im Fluge. Hatte Wosch in seinem Amt als Megas Domestikus in diesem Krieg schon mehr als genug Arbeit gehabt, so kam ihm diese Zeit nun vor wie Erholung. Erholung. Das war es was Wosch gebrauchen konnte, doch er konnte sich keine Minute leisten. Während er am Tage versuchte das kleine Heer, dass er nun wieder um sich versammelt wusste zu führen, musste er sich die Nächte in seinem Zelt mit nicht enden wollendem diplomatischen Gewirr um die Ohren schlagen. Vor zwei Wochen erst war er auf dem Heeresmarsch auf seiner alten Mähre eingeschlafen und vom Pferd gefallen. Seitdem verbrachte er den Großteil des Tages auf einem der vielen Wagen im Troß und versuchte zu dösen, wann immer es ging. Das war selten genug der Fall, denn auch am Tage gab es zu viel zu tun und zu wenige die dies tun konnten. Und was noch viel schlimmer war, wenn er doch einmal für einen kurzen Moment schlaf fand, hatte er Alpträume. Manchmal träumte er dabei von Schlachten und sah die Gesichter der Getöteten. Doch meistens träumte er von Briefen. Endlosen Stapeln von Briefen, die er lesen musste. Endlose Stapel von Papier, die er beschreiben musste. Mit Petitionen. Befehlen. Benachrichtigungen. Forderungen. Briefe. Briefe. Briefe. Wosch war kein Freund vom Töten, aber Briefe hasste er noch mehr. Und mit jeder Nacht in seinem Zelt wurde es schlimmer.

Als am heutigen Morgen endlich die ersten Sonnenstrahlen ins Zelt schienen dankte Wosch dem Herrn für seine Güte. Er hatte nicht viel geschafft. Die Stapel die auf seinem Schreibtisch lagen schienen noch immer riesig und bereiteten ihm Magenschmerzen. Einen letzten Brief für diese Nacht nahm er sich noch vor. Er musste seine Position als Protosebastos festigen. Bisher schien alles nach seinem Plan zu verlaufen, doch die einzigen Byzantiner, die ihm überhaupt hätten gefährlich werden können waren bei seiner Machtübernahme in dunklen sächsischen Kerkern gefangen gewesen. Es lief alles viel zu gut hatte er nach den ersten Wochen der Machtübernahme besorgt festgestellt.

Der größte Teil der byzantinischen Truppen folgte ihm. Doch hatten sie keine Wahl. Nicht nur Ehre und Pflicht, sondern in erster Linie die Pure Notwendigkeit und der Wille die Heimat zu beschützen band seine Stratiotai an ihn. Das war es was sie sich von ihm versprachen. Sicherheit für ihr Land und ihre Familien und niemand anderes ließ sie hoffen, dies für sie erreichen zu können. Dennoch sie liebten ihn nicht. Nicht, wie sie Markus geliebt hatten. Viele Jungritter, aber auch ein paar der Veteranen standen dem Domestikos ton scholon, als ihrem Ausbilder und Mentor näher als dem FIndigen. Der Domestikos ton scholon. Er war der einzige der ihm zur Gefahr werden konnte, was die Unterstützung der Truppen anging.

Was die Unterstützzung des einfachen Volkes und der Adligen anging gab es noch eine weitere Gefahr.Nur ein einziger Byzantiner besaß mehr Kontakte und Freunde als Wosch der Findige. Im Inland, wie im Ausland. Als der Domestikos Logothenes an diesem Morgen das Heerzelt betrat, schien Wosch für einen kurzen Moment das Herz stehen zu bleiben. Er hatte gehört, dass es einige der Ritter geschafft hatten aus der sächsischen Kerkerhaft zu entfliehen, doch dass es ausgerechnet sein gefährlichster Kontrahent bei der Übernahme des purpurnen Thrones geschafft hatte so schnell hier zu sein verblüffte ihn. Er musste geflogen sein.

Für einen kurzen Moment dachte Wosch über eine einfache Lösung dieses "Problems" nach. Der Kantakouzenos war am Hofe des Kaisers stets ein Verbündeter und Freund vom Findigen gewesen, doch nun war er unter Umständen ein Problem. Wosch konnte sich nicht sicher sein. Seine Leibwachen vor dem Zelt waren Wosch bedingungslos ergeben und ein einziges Wort seinerseits hätte diese Gefahr für immer bannen können. Doch hätte ihm das sicher weitere Probleme eingebracht. Im übrigen war Wosch ein Spieler und kein Mörder. Es war Zeit zu spielen, das wusste er, als der Domestikos Logothenes sich flach vor ihm verbeugte und sein Wort an ihn richtete:

QUOTE:
"Gott mit Euch, verehrter Megas Domestikos. Ich bin aus Banatului zurück und habe, so ihr Zeit dafür habt, einiges zu berichten."


"Megas Domestikos". Bei dieser Ansprache wurde Wosch nervös. Hatte er die Neuigkeiten noch nicht erfahren? Oder versuchte er zu provozieren, zu sticheln, zu spielen? Noch einmal blickte er auf den Ausgang des Zeltes, wo seine beiden Leibwächter postiert waren, doch dann fiel sein Blick zurück auf den Schreibtisch voller Briefe, der vor ihm stand. Auf dem Schreibtisch endlose Depeschen und direkt dahinter stand der Mann, dessen Aufgabe im Kaiserreich es stets gewesen war sich um diese Dinge zu kümmern.

Als Mörder kann man machen, dass ein anderer verliert, damit man selbst gewinnt. Als guter Spieler kann man machen, dass alle meinen sie hätten gewonnen und dennoch hat man selbst den größten Gewinn.

Ich grüße Euch Bruder. Nie war ich so froh Euer Gesicht zu sehen wie an dem heutigen Tage. Setzt Euch zu mir, es gibt viel zu tun.
Wie Ihr vielleicht noch nicht mitbekommen konntet, doch meinem Zeltschmuck zweifelsohne entnehmen könnt, hat man mich zum Protosebastos erklärt, da unser alter Kaiser, der Herrgott möge seiner armen Seele gnädig sein, von uns gegangen ist und unser Volk in diesen schwierigen Zeiten einen starken Führer braucht. Da stimmt Ihr mit mir doch sicherlich überein? Mit Euch an meiner Seite werden wir Byzanz wieder zu dem machen was es einmal war. Dient mir loyal und wir werden diese schweren Zeiten so sicher überstehen, wie eine Dromone den Sturm vor den Felsen Kretas.



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Letzte Änderung: 2010/07/09 18:05 von Helena Euphemia.
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Re:Unterwegs mit dem byzantinischen Heer      10.07.2010 18:59:41 --- 1 Jahr, 7 Monate her  
Basileios hörte Wosch dem Findigen sehr genau zu. Als dieser geendigt hatte und Basileios erwartungsvoll ansah nahm er sich einige Zeit, vielleicht war es eine ganze Minute, in der er den Findigen beobachtete und in aller Schnelle seine Möglichkeiten auslotete. Offener Widerspruch würde seinen Tod bedeuten. Wenn er es ruhig anginge würde er vielleicht Möglichkeiten finden können. Bis zur Salbung und Krönung in Konstantinopel war ein weiter Weg. Unter Umständen ließen sich Steine finden die man auf diesem Wege platzieren konnte. Eventuell stolperte Wosch der Findige über einen solchen Stein. Vor allem aber beklomm ihn eine Sache. In der derzeitigen Lage des Reiches war ein fähiger Heerführer die unumgänglich wichtigste Person und Wosch war nicht umsonst Megas Domestikos und damit der oberste der Strategoi gewesen. Vor Ende des Krieges musste er an der Spitze bleiben, es sei denn, Markus von Langenfelden kehrte zurück. Wie sehr wünschte er sich die Rückkehr des Protosebastos.

Basileios zog die Pergamentrolle mit dem Manifest von Wosch dem Findigen aus der Gürteltasche und legte sie vor Wosch dem Findigen ab.

Dann ergriff er das Wort während er auf das Pergament deutete:

Fürwahr, ich las in eurem Manifest, wer euch zum Protosebastos ausrief. Niemand anderer als ihr selbst. Ich habe in euch stets einen aufrechten Diener des Kaisers gesehen. Euren Ehrgeiz habe ich nicht gesehen. Dennoch, die Lage in der sich das Reich befindet, erlaubt keine internen Konflikte oder gar Bürgerkrieg. Ich werde euch zur Seite stehen, unser Volk und den heiligen Boden des byzantinischen Reiches zu verteidigen. Darauf gebe ich euch mein Wort.

Aber ebenso habt ihr mein Wort, dass, sollte der Kaiser hierher geritten kommen, ich der erste sein werde, der sich zu ihm begeben wird und seine Waffen gegen euch als Usurpator erhebt. Mehr kann ich euch guten Gewissens nicht zusagen.

Meinen Beamtenstab und meine Kuriere muss ich mir erst wieder zusammen suchen, doch das wird nur wenige Stunden an Zeit benötigen. Danach stehe ich euch zur Verfügung.


Der Kampf des modernen Menschen gegen den Amtsschimmel ist mühsamer als des Tieres Kampf ums überleben.

 
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Helena Euphemia

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Re:Unterwegs mit dem byzantinischen Heer      12.07.2010 21:59:35 --- 1 Jahr, 7 Monate her  
Gefährlich war dieser Kantakouzenos. Aber schlau genug nicht sein Leben zu riskieren sondern mitzuspielen beim großen Spiel. Es würde sich zeigen wer der bessere Spieler ist Der Kantakouzenos glaubte noch immer an eine Rückkehr von Markus von Langenfelden. Der arme Narr. Aber woher sollte er es besser wissen, waren Woschs Pläne bezüglich des ehemaligen Kaisers doch aller Welt verborgen geblieben. Ein guter Plan funktioniert wie eine Sanduhr. Einmal in Gang gebracht, vermag den Verlauf kaum noch etwas zu beeinflussen, es sei denn man dreht die ganze Erde auf den Kopf (oder auch einfach nur die Sanduhr). Nun denn, sollte der Kantakouzenos an eine Rückkehr von Markus glauben. Sollte er sie sich erfhoffen. Und was wenn dies nicht eintr1f? Was bliebe ihm dann übrig, als vor Wosch zu Knien am Tage seiner Krönung?

Basileios. Bruder. Sollte Markus von Langenfelden über den nächsten Hügel geritten kommen, so glaubt mir, ich wäre unter den ersten, die ihr Knie vor ihm beugen würden, denn niemand liebte ihn mehr als ich. Doch habt nicht allzuviel Hoffnung. Ich fürchte er ist dem perfiden, skrupellosen und mehr als allem anderen, tödlichen Spiel der Sachsen zum Opfer gefallen. Reitet mit mir in das Land dieser Frevler und wir werden die Schuldigen finden. Das wenigstens schulden wir unserem alten Kaiser und Mentor.

In jener Nacht fand der Findige zum ersten Mal seit Wochen ein wenig Schlaf. Noch handelten seine Träume von Briefen und er wachte von Zeit zu Zeit schweißgebadet auf. Doch nach einigen Tagen, als er dass erste mal nach Wochern einigermaßen ausgeruht aufwachte erkannte er, wie richtig seine Entscheidung für den Domestikos Logothenes gewesen war, was seine Regierungsmacht anging. Zumindest vorübergehend. Er hatte das ungute Gefühl, dass der Basileios Skeptiker gegenüber dem Findigen bleiben würde, auch wenn Markus von Langenfelden nicht in hundert Jahren wiederkäme.



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