~Vorgeschichte~
Rinaya linste vorsichtig aus Hazels Zelt.
Das letzte, worauf sie gerade Lust hatte, war, irgendjemandem zu begegnen, als sie sichtlich verkatert aus Hazels Zelt kam.
Noch ein letzter Blick zurück zu Hazel und die beiden nickten sich zu.
„Also…bis dann. Ich bin dann mal weg.“
Sie trat hinaus in den noch jungen Tag und ging mit schnellen Schritten aus dem Lager.
Im nahen Wald war ein See und dorthin wollte sie.
Auf dem Weg begegneten ihr zwei Späher, deren Schicht zu Ende war. Sie sahen sie neugierig an, doch Rinaya nickte ihnen nur knapp zu und ging weiter.
Am Seeufer angekommen sah sie sich wieder um und lauschte, ob sie allein war.
Nichts war zu hören, außer den Geräuschen des Waldes und hie und da mal ein Knacken.
Rinaya nickte zu sich selbst, zog sich schnell aus und stieg in das kalte Wasser des kleinen Sees. Als sie mit den Füßen darin stand blieb sie erstmal stehen.
War das kalt! Sie schauderte, doch aus mehreren Gründen wollte sie in dieses Wasser. Egal welche Temperatur es hatte. Und wenn es nur war, um ihren Körper zu bestrafen für die Schwäche des Geistes – oder so etwas in der Art.
Also hielt sie die Luft an, ging mutig in das schnell tiefer werdende Gewässer hinein und sprang dann kopfüber ins Wasser. Schlagartig war das letzte bisschen Müdigkeit aus ihrem Körper verbannt und sie hatte das Gefühl ihr Kopf würde platzen.
Als sie auftauchte schnappte sie erst nach Luft und schwamm in kräftigen Zügen bis zur Mitte des Sees. Dort drehte sie sich auf den Rücken und ließ sich treiben.
„Was haben wir getan?“ fragte sie leise und sah in den Himmel.
„Was habe ICH getan? Und was um alles in der Welt haben wir uns dabei gedacht? Und wie bringe ich es Cadrael bei?“
Sie schwamm zurück zum Ufer, setzte sich ins Gras und spielte gedankenverloren mit einem kleinen Holzstecken. Einzelne Szenen der vergangenen Nacht und Gefühle der Reue jagten durch ihren schweren Kopf doch ein wirklich zusammenhängendes Bild ergab sich nicht.
Rinaya seufzte und bemerkte, dass sie fröstelte, doch sie hatte keine Decke mitgenommen und kein Tuch, um sich abzutrocknen. Also begann sie, ihre Haare auszuwringen und dachte darüber nach, Cadrael einfach nichts zu sagen.
Doch auch diesen Gedanken verwarf sie wieder. Seit sie ihn kannte, konnte sie nichts vor ihm verbergen. Er kannte sie wie kein Zweiter, konnte sie durchschauen und wusste scheinbar immer, was sie gerade dachte. Nein Cadrael hatte es nicht verdient, belogen zu werden.
Rinaya dachte daran, wie oft er schon einfach hinter ihr gestanden hatte, also sagte sie in ruhigem Ton, einfach auf Verdacht „Guten Morgen, Cadrael.“