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Nachdem Andras Sarkany, der junge Nachfolger des abgedankten Königs Sebastian von Vestrup, das Amt des Fechtmeisters ins Leben gerufen hatte, hatte er nicht lange gebraucht, diesem Amt auch eine Schreibstube zur Verfügung zu stellen. Der kleine Raum befand sich in unmittelbarer Nähe zu den Räumen der königlichen Kanzleien und von der kleinen Fensterluke aus ließ sich der Übungsplatz im Hof gut im Blick behalten.
Gedankenverloren hatte Luci an eben jenem Fenster gestanden und nachdenklich in den Hof hinunter geblickt. Ihre Stirn war gefurcht gewesen, hatte sah sie dort doch vor allem immer die gleichen Männer und Frauen gesehen. Andere dagegen schienen ihre Pflichten gegenüber der Krone vergessen zu haben und gaben sich der Trägheit hin. Die Aufgabe, dies zu ändern, lastete nun schwer auf ihren Schultern und ein leises Seufzen war über ihre Lippen gekommen. Dann war ein Ruck durch ihren sehnigen Leib gegangen und schon hatte sie um einige fingerbreit größer gewirkt als zuvor. Es führte zu Nichts, hier zu stehen und zu lamentieren, sie musste versuchen, die Situation zu ändern. Und so hatte sie ein Rundschreiben verfassen lassen, das alle Ritter noch mal die Regeln für das von ihr vorgeschlagene Belohnungssystem erklärte.
Schon wenige Tage, nachdem sie ihr Amt angetreten hatte, verließ die Ritterschaft die Burg wieder und zog im Verbund in die umliegenden Lande. Deshalb hatte sie einige Schreiberlinge damit beauftragt, die Informationen über das Vorankommen ihrer Ritter hier zusammen zu tragen und ihr Bericht zu erstatten, wenn wesentliche Dinge geschahen.
Sie selbst saß nun in der kalten Dezemberluft nahe einem wärmenden Feuer vor ihrem Zelt, rieb sich die Hände und beobachtete die Burschen, die sich um die Pferde und die Verpflegung des Heers kümmerten. Langsam füllte sich der Platz auch mit hungrigen Rittern und so erhebt sie sich, stellt sich auf ein leeres Fass und erhebt die Stimme, auf dass ein Jeder sie vernehmen sollte:
Getreue Ritter Ungarns,
haltet inne und vernehmt meine Worte!
Ein neuer Wind weht über unsere schönen Lande. Noch ist er kalt und unberechenbar, birgt sogar noch so manche Gefahr. Doch raunt er bereits von besseren Tagen, von Wärme und Wohlstand.
Während unser König und seine Kanzler versuchen, unsere Heimat in den Frieden und die Souveränität zu führen, müssen wir uns darum bemühen, diese Schätze in Zukunft bewahren zu können. Mit dem Austritt aus dem heiligem römischem Reich deutscher Nationen haben wir keine mächtigen Bündnispartner mehr an unserer Seite, die uns beistehen, wenn Gesindel sich über unsere Kornkammer, unsere Silbertruhen und unsere Familien hermachen. Fortan müssen wir in der Lage sein, unser Land selbst zu verteidigen! Dies kann jedoch nicht gelingen, wenn wir fett und träge in
den uns verbliebenen Hallen sitzen!
Und so sage ich Euch: jeder, der aus Bequemlichkeit den Duellplatz meidet, macht sich des Hochverrats schuldig! Nehmt Eure Waffen, nehmt Eure Rüstung und übt Euch im Kampf. Nehmt jede Gelegenheit wahr, Euch zu stählen, auf dass ein Jeder, der unser Land betritt, gleich, ob Freund oder Feind, vor Hochachtung verharren möge. Nie wieder sollen Spottgesänge über die Unfähigkeit unserer Ritter durch die Lager fremder Völker klingen!
Ob nun wirklich jeder sie gehört hatte, vermochte Luci nicht zu beurteilen, doch hoffte sie inständig, dass sie mit ihrer Ansprache den einen oder anderen aufrütteln konnte. Und so schließt sie sich der Reihe der Ritter an, die sich aus dem dampfenden Kessel eine Schale mit kräftiger Fleischsuppe geben lässt. In der Hoffnung, dass sie jemand ansprechen würde, setzte sie sich für alle sichtbar vor ihr Zelt und begann zu essen.
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