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Wohltuende Wärme kroch endlich durch ihre Glieder. Man reichte ihr einen Becher mit einer heissen Flüssigkeit, dessen honigartiger Geruch sie kurz innehalten liess. Konnte man das auch heiß trinken? Sie berührte vorsichtig mit den kalten Lippen den heissen Rand des Gefässes und nahm einen kurzen Schluck. Warmer Dampf umspielte ihr Gesicht und erlöste die kalten Wangen aus ihrer Eisesstarre. Langsam rann der warme Saft ihre Kehle hinunter und weckte die inneren Lebensgeister. Sie atmete auf und genoss Schluck für Schluck die sie umgebene Wärme.
Der moskauer Monarch gesellte sich zu ihr und sprach mit ihr in einem so ungewohnten und ruhigen Tonfall, dass sie kurzzeitig vergass zu trinken. Ihre Finger, denen allmählich wieder soetwas wie Blut durchströmte, umklammerten den Becher und vorsichtig blickten ihre dunkelblauen Augen über den Becherrand. Kaum merklich hob sich das Gesicht, welches sich dagegen wehrte, den warmen Dampf des Getränks freie Bahn zu geben. Tief durchdrangen ihre Augen die seinen, doch ihre Lippen blieben stumm.
Hinter ihnen wurde die Runde geselliger und ausgelassener. Vendela war diesen Abend aber zu zerschlagen und sehnte sich nach nichts mehr als endlich Ruhe und Schlaf. Sie leerte ihren Becher und bevor sie nachgeschenkt bekam, stellte sie ihn auf einen mächtigen Holztisch vor sich. Leichter Dampf entstieg dem Becherrand und kroch in leicht geschwungenen tänzelnen Fäden gen Decke bis er sich vollkommen im Nichts auflöste. Wortlos stand sie auf und wendete sich zum nächsten Kämmerchen, zu welchem sie die Bäuerin freundlich wies. Doch dann hielt sie in jedem Atemzug, in jeder Bewegung inne und drehte sich zu Abyrgur. Wieder trafen ihre Augen die seinigen, und dieses Mal blieben ihre Lippen nicht stumm.
"Ich werd nun zu Bett gehen und wünsche Euch noch eine erholsame gute Nacht." Kurz hielt sie ihren Atem an, als würde sie mit sich zaudern. "Ich danke Euch Velikij Knjaz Abyrgur." Hastig wendete sie den Blick von ihm ab und ging eiligen Schrittes auf das Kämmerchen zu. Im Blickwinkel erhaschte sie kurz sein erstauntes Gesicht, doch wollte sie nicht eine Antwort oder jegliche andere Reaktion von ihm abwarten, öffnete die Tür und schloss sie flink hinter sich. Allein stand sie nun in diesem Raum und ein Lächeln huschte über ihr Gesicht. Doch was immer sie in diesem Moment dachte, sollte hier der Öffentlichkeit nicht preis gegeben werden.
Am nächsten Morgen machte sich die Gruppe von Rittern frühzeitig wieder auf den Weg Richtung Moskau. Unter ihnen eine junge Reiterin, die nach langen mühseligen Tagen endlich wieder eine ruhsame Nacht verbrachte. Der Sturm hatte sich gelegt und Boden, Bäume und Strauchwerk glitzerten in den unterschiedlichsten hellen Grautönen bis reinstem Weiss. Die Rösser waren ausgeruht und gestärkt und stampften mit neuer Tatenkraft durch den weichen Pulverschnee.
Und wahrhaftig, Moskau war wirklich nicht mehr fern. Schon am nächsten Tag standen sie vor den trutzigen Mauern der gewaltigen Stadt. Doch hier trennten sich die Wege der moskauer Rittersleut und Vendelas. Sie erhaschte einen flüchtigen Blick des Monarchen und nickte ihm zum Abschied zu, bevor sie die Zügel kürzer nahm und ihr Stute in eine Abzweigung lenkte.
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