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In Kopparberg hatten wir uns in der ehemaligen Hafenstadt einquartiert. Die Bewohner des Jarlstums waren in den letzten Jahren mehrmals Opfer der Staufer geworden und hatten inzwischen ihre eigene Verteidigungsstrategie aufgebaut. Ich hatte mir umsonst Sorgen gemacht. Einzig gegen eine kleine Enklave von Christen mussten wir vorgehen, die sich auf einer der vorgelagerten Inseln verschanzt hatten. Sie fühlten sich wohl auf einer Mission, hatten aber bald erkennen müssen, wie nahe sie dem Märtyrertod auf dem Festland waren. Und da sie sich dazu wohl doch noch nicht bereit fühlten, mussten wir ihnen etwas nachhelfen. Es waren nur zwölf Männer gewesen, die sich leidlich zur Wehr setzten, aber am Ende predigten sie den Fischen.
Am Dunkelabend der Winterwende saß ich in einer Gaststube und sinnierte bei einem guten Mahl und Met über die weiteren Pläne. Es war ein gutes Gefühl, zu wissen, dass in Schweden wieder alles in Ordnung war. Zudem hatte, wie oft zur Winterwende, das Wetter gewechselt. Es war wärmer geworden und der Schnee zumeist nur noch Matsch oder Pfützen. Wir könnten ohne Probleme weiterreisen. Nach Süden. Nach Vaestmansland. Zu Aric und Solveig. Und dort würden Neuigkeiten auf mich warten, Nachrichten von den anderen, Nachrichten von ihm, ohne den ich mir so unvollständig vorkam.
Da öffnet sich die Tür des Gasthauses und ein Mann tritt ein, gefolgt von zwei Hunden. Diese schütteln sich die Nässe aus dem Fell, bleiben ihrem Herrn aber dicht an der Seite. Der Mann schlägt die Kapuze zurück und löst die Brosche seines Fellumhangs. Währenddessen erfasst er in einem raschen Blick den gesamten Gastraum. Er nickt mir zu und dann dem Wirt. An einem weiteren Tisch sitzen zwei aus meinem Heer und spielen mit Würfeln und vor dem Feuer ein alter Mann.
Der Mann ist hager und schon etwas älter. Ich bin mir nicht sicher, ob er Schwede ist, doch er macht einen sehr aufgeweckten Eindruck. Neugierig, fast schon aufdringlich. Er setzt sich an den Tisch neben mich, so dass er mich ansehen kann und bestellt ein Essen und ein Bier. Ich versuche, an seiner Aussprache zu erkennen, woher er stammen möge, doch es ist nicht möglich. Am ehesten klingt sein schwedisch nach Vaestmlansland, so sauber und klar ist es. Fast zu klar.
Unbeteiligt wirkend esse ich weiter, doch kann ich nun nicht mehr meinen Gedanken folgen, da ich mich so beobachtet fühle. Der Mann schlingt hastig die Hälfte des Essens hinunter und stellt dann die Schüssel auf den Boden zu seinen Hunden. Dann holt er eine Pfeife hervor, stopft sie, entzündet einen Kienspan an der Öllampe auf seinem Tisch und steckt das Kraut in Brand. Sofort durchströmt die Stube ein würziger Duft. Hinter dem Mann blicken meine beiden Krieger immer öfter und mißtrauischer zu mir her.
„Ziemlich laues Lüftchen für die Jahreszeit“, spricht er mich schließlich an, die Pfeife im Mundwinkel.
„Naja, ist ja oft so, dass das Wetter zur Winterwende umschlägt“, erwidere ich und schiebe meinen Teller weg.
Er nickt. „Das ist wahr.“ Er schmaucht weiter, mustert mich unverhohlen und tätschelt den Kopf seines Hundes. Als es sich ihm einmal zuwendet, bedeute ich meinen Männern, nicht einzugreifen. Der Mann interessiert mich. Er scheint es nicht auf mich als Frau abgesehen zu haben. Obgleich er etwas von mir will, ich weiß nur noch nicht was.
„Nicht bei der Familie heute?“
Eine Fangfrage. Es liegt an mir, wie ich sie beantworte. Er blickt unbeteiligt, aber seine Augen sind wach.
„Zum Teil. Wir sind nicht von hier.“
„So. Hmhm… Wir kommen gerade aus dem Westen, wollen weiter die Küste entlang nach Süden. Ist ja einiges los die Tage…“
Da wusste ich es. Er war ein Händler. Ein Händler für Neuigkeiten. Zumeist waren diese Neuigkeiten sehr interessant, denn die Leute mussten ihr Handwerk verstehen, wenn sie davon leben wollten.
Ich konnte ihm entweder Silber bieten oder selber Nachrichten. Ich hätte eine Menge, die ihn interessieren könnte. Wahrscheinlich würde er aufspringen und zum nächsten Schrein pilgern, wenn er ahnte, wem er gegenüber saß. Andererseits, wenn er aus dem Westen kam, hatte er sicher bereits erfahren, dass ich mit einem Heer unterwegs war und hatte schon eins und eins zusammengezählt. Es war ein Spiel. Und ich begann, daran Spaß zu haben. Mal sehen, wer am Ende des Abends mehr preisgegeben hätte und ob meine Neuigkeiten ausreichen würden – denn ich musste davon ausgehen, alles, was ich ihm erzählte kam an Ohren, deren Träger viel dafür zahlten – also musste es manchmal wohl auch Silber tun.
…
Es wurde ein sehr langer Dunkelabend, der Wirt schlief auf einem Stuhl und meine Männer bedienten sich selber am Metfass. Doch am Ende hatte ich einiges erfahren. Und ich hatte nicht allzuviel preisgegeben. In Gedanken hatte ich immer SzunTzu hinter mir sitzen und immer wenn ich zuviel sagen wollte, trat er mir auf den Fuß.
Am nächsten Tag grübelte ich lange. Die Entscheidung fiel mir nicht leicht, zumal ich mich sehr nach meinen Kindern sehnte. Doch ich überlegte, was Thunder an meiner Stelle tun würde. Und dann setzte ich mich mit meinen Leuten zusammen und musste ihnen beibringen, dass wir wieder weiterziehen würden. Und zwar nicht in den Süden…
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