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Krig sah den Boten mit Sjur sprechen und verschwinden, während er ausführte, wie er sich die Niederschlagung der fehlgeleiteten Staufer vorstellte. Er kannte den ehemaligen Huskjarl recht gut und wusste, dass das auf Gegenseitigkeit beruhte. Obwohl sie annährend das gleiche Alter hatten, zog Sjur ihn zuweilen wegen seiner Unruhe und der grauen Haare auf, die sich in seine Mähne geschlichen hatten.
„Gib es zu, Du wirst alt“, er schmunzelte, während der Satz durch seinen Kopf spukte und seine Augen zwischen den Krigern, mit denen er sprach und Sjur hin und her wanderten.
Er sagte: „Gut, dann machen wir es so. Wenn Eure Späher noch etwas berichten, dass ich wissen sollte, kommt damit zu mir. Ich möchte keine Staufer mehr im Hordaland, diese Christen mit ihrem Gehabe machen mich krank. Verjagt sie und wer nicht geht kommt in die Kerker, so ein Gesindel opfere ich Odhinn nicht.“
Er verließ die Gruppe und bewegte sich auf Sjur zu, der eben einen lauten Ruf ausgestoßen hatte, den Krig allerdings nicht voll verstanden hatte, weil er gerade selbst gesprochen hatte. Er hatte nur noch "… wagen es mir mein zu Hause zu nehmen.“ verstanden.
Ein seltsam gekleideter Mann, den einige misstrauisch beäugten sprach ihn an und Krig war versucht ihn von sich zu schieben, denn er mochte es nicht, wenn seine Kriger die Ruhe verloren und Sjur schien sich aufzuregen. Er ließ den Mann sprechen und erhielt eine Nachricht von weit her, die die Adern an seinem Hals und den Schläfen dazu brachte hervorzutreten, während sein Körper sich spannte und die Hand unwillkürlich Richtung Schulter fahren ließ, ein Reflex. Er hielt inne und sagte dem Mann „Geh und Danke Deinem Herrn von mir, ich stehe in seiner Schuld und sollten weitere Dinge vorfallen, so möge er mich bitte informieren.“
Krig bemerkte, dass die Leute Sjur anvisiert hatten und ihm nachsahen, als er den Ort wutschnaubend verließ und mit einigen bösen Worten, die er den ungläubigen Staufern und Susdalern gewidmet hatte an ihm vorüberging. Einige der Leute wendeten den Blick zu ihm und er sagte laut und deutlich: „Na los, es wird Zeit!“ und nickte Sjur nach.
Kurz darauf folgten sie dem vorausgehenden Kriger, dessen Tochter Sol aufopferungsvoll versuchte mit den harschen Schritten des Vaters mitzuhalten.
Krig ging einiges durch den Kopf, was in den letzten Wochen und Monaten geschehen war, während sie Sjur folgten. Seine Gedanken wanderten zum Krieg auf dem Festland, in dem sich Nordleute mit Christen schlugen, obwohl man bei dem ein oder anderen Nordmann dort inzwischen auch nicht mehr sicher sein konnte, ob er sich nicht in der Stille seiner heimatlichen Kellergewölbe nicht wegen seiner mit Wonne begangenen Verfehlungen geißelte.
Truppen des Commonwealth und der Schweden schlugen sich mit dem ‚Heiligen Römischen Reich Deutscher Nationen’ und deren Sklaven aus dem Osten und Süden herum, um die Dänen zu unterstützen. Er dachte an die Vergangenheit und ein müdes Lächeln huschte über sein Gesicht. Unmerklich flüsterte er: ‚Wer sich mit dem Teufel einlässt, lernt ihn auch irgendwann kennen’. Die Staufer, die hier gelandet waren, waren Heere, die Island vom Krieg hatten in die Heimat locken sollen und die sich auf dem Rückweg befanden. Er hätte sich eigentlich denken können, dass diese Brut nicht tatenlos an Ländereien vorüberziehen würde, deren Kriger der Gegner bei der Verteidigung des Commonwealth wähnte.
Der Satz „Frauen und Kinder zuerst“ hatte bei den Christen scheinbar eine völlig andere Bedeutung, als in zivilisierten Ländern. Nun, die Kinder der Wikinger würden ihren Spaß daran haben, den Christen die Locken abzuschneiden, wenn es ihnen gelingen sollte einen Teil von ihnen festzusetzen.
Beinahe wäre er auf Sjur geprallt, der unvermittelt stehen geblieben war.
Sjur war bereits dabei die Runen seines Volkes auf dem Boden auszubreiten und sprach leise Worte, von denen Krig nur einen Bruchteil verstand. Sol’s Augen leuchteten, während sie ihm gespannt in gebührendem Abstand lauschte. Krig hob den Arm und ließ sich einige Schritte von Sjur entfernt nieder, legte seine Axt neben sich und bedeute den anderen, es ihm gleich zu tun.
Viele wussten nicht genau, was Sjur dort tat, aber taten es Krig gleich und ließen sich um ihn herum nieder.
Es war nicht viel zu hören, nur ein leichter Wind und die gelegentlichen Geräusche von Pferden.
Allein Sjur’s Stimme erhob sich zwischen ihnen und hätte er es nicht besser gewusst, er hätte später geschworen, dass kurz zuvor noch Vögel zu hören gewesen waren. Der Himmel war an diesem Ort in dieser Jahreszeit normalerweise eher dunkel und doch schien der Wind über diesem Land für einige Augenblicke die winterliche Wolkendecke aufzulockern. Ein seltsames Zwielicht erfüllte den Ort und die Wolken erschienen blassgrau und blau, hier und dort weiß oder leicht gelb. Die Wälder in der Nähe wirkten in diesem Licht fast schon schwarz und die schroffen Felsen lagen da, als würden die Riesen, die ihre Ahnen bekämpft hatten und die sie im Ragnarøk erwarten würden zu steinernen Monumenten zusammengekauert am Boden hocken, wartend auf einen Sturm, der sie alle erfassen würde und der in einer Schlacht enden würde, in der der kleine Haufen von Kindern dieses Bodens der sich hier versammelt hatte mehr tun würde, als eine Seuche die das Land befallen hatte niederzuschlagen.
Dieser Tag gehörte ihnen und das wurde allen bewusst, während sie Sjur’s Worten lauschten und die Mutter des Nordens begann ihre Sinne in eine Zeit zurückzuführen, in der so etwas wie Christen noch nicht existierte …
A fvrore normannorvm libera nos domine!
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