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Kathedrale zu Mordwina, Grafschaft Mordwina
Dezember des Jahres 1052
Vor dem Altar der riesigen Kathedrale hatte sich eine Gruppe Ritter zusammengefunden, um eine Aufnahmezeremonie zu vollziehen.
Schweigend saßen sie auf ihren Bänken und blickten auf ein Podest, auf dem der Altar stand. Vor diesem kniete ein alter fahler Krieger, er kehrte den Rittern den Rücken zu und hielt den Kopf gesenkt; die schwarze Tunika hatte er abgelegt. Seine bloße Brust glänzte blass im Kerzenlicht. Die flackernden Flammen vermochten die dunkle Innenkammer nur teilweise zu erleuchten, der große Teil der Versammlung blieb im Schatten getaucht.
Von zwei in schwarz gekleideten Priestern gestützt, stieg ein Geistlicher die Stufen zum Podest empor.
In seinen Händen hielt er ein in Leder gebundenes Buch. Seine Helfer begannen den Altar herzurichten.
Nachdem sie die heiligen Gefäße darauf gebaut hatten, traten sie hinter den Altar zurück, wo zwei wie alle Mordwinen in weiße Überwürfe mit einem roten Fuchs auf der Brust gekleidete Ritter warteten.
Der Priester räusperte sich, dann wanderte sein Blick über die schweigende Menge hinweg.
"Ecce quam bonum et quam jocundum habitare fratres in unum."
"Amen", erwiderte der Stimmenchor der versammelten Ritter.
Der Priester senkte den Kopf. "Im Namen unseres Herrn Jesus Christus und im Namen der Muttergottes heiße ich euch willkommen meine Brüder. Diese Versammlung wurde einberufen um ein heiliges Ritual zu vollziehen, und so lasst und beginnen."
Er richtete den Blick auf den hässlichen Mordwinen der vor ihm kniete. "Sage mir nun was dich hergeführt hat."
Der Fahle hatte Mühe, sich an die vorgeschriebenen Worte zu erinnern, die man ihm Zeit seines Lebens eingeschärft hatte. "Ich bin gekommen um vor Gott den Eid zu wiederholen, den ich so viele Male schon geleistet. Mein Leib und meine Seele dienen dem Reich. Des Reiches Leid wird mir Schmerzen bereiten und des Reiches Glück wird das Meine sein."
"In wessen Namen?"
"Im Namen Gottes und im Namen des Zaren von Mordwina - Kiew, dem Gründer unseres heiligen Reiches, der einem Leben in Sünde und Ausschweifung entsagte...und dessen Nachfolger ebenfalls nach dieser Richtlinie zu leben haben."
Der Fahle hielt inne. Sein Herz hämmerte wild. "Und der den Mantel anlegte und unser Reich verteidigte, gegen den Feind und gegen seine Intrigen."
"Bist du bereit, den Mantel zu nehmen, wohl wissend, dass du damit die Verantwortung für viele Menschleben übernimmst, um ein treuer, demütiger Diener des Zaren und Diener Gottes zu werden?"
Nachdem der Fahle dies bejaht hatte, nahm der Geistliche einen irdenen Topf vom Altar und gab den Inhalt behutsam in ein goldenes Weihrauchfass. Ein würziger Duft verbreitete sich im Raum, als eine kleine Rauchwolke von dem Gefäß aufstieg. Der Priester wich leise hüstelnd einen Schritt zurück, die beiden hinter ihm wartenden Ritter traten vor.
Einer der beiden zog ein Schwert aus der Scheide und deutete damit auf den blassen Aglio von Saransk.
"Bruder, du fragst nach einer großen Sache. Du kennst nicht nur die äußere Erscheinung unseres Volkes, auch die harten Gebote, die dahinter stehen, hast du schon befolgt in früheren Zeiten. Du, der du dein eigener Herr bist, weißt was es heißt zu dienen, dich zum Leibeigenen anderer zu machen, denn nur mit großen Schwierigkeiten wirst du jemals tun können, was du wünschst. Wenn du in einem Land diesseits des Meeres verweilen willst, wird man dich auf die andere Seite schicken; wenn du essen willst, wirst du hungrig bleiben müssen; wenn du schlafen willst, wirst du geweckt werden.
Gelobst du trotzdem dich all diesen Geboten zu unterwerfen, zum Ruhme Mordwinas und zum Ruhme Gottes?"
"Ich gelobe es", erwiderte der Fahle leise.
"Dann bewahrheite jetzt wahrheitsgemäß unsere Fragen."
Die Ritter kehrten zu ihren Plätzen zurück, und der Priester begann, aus dem Buch vorzulesen. Seine Worte hallten von den Wänden die den Altar umgaben wider.
"Bist du ein wahrhaftiger Anhänger des christlichen Glaubens und der Lehre der Kirche Roms?
Widerwillig nickte der hässliche Mordwine, denn er musste lügen. Aber nur wenn er die Zeremonie überstand würde man ihn als Sowetnik des Zarenreiches akzeptieren.
"Bist du der Sohn eines Ritters, und wurdest du ehelich geboren?"
Wieder musste er lügen um mit der Zeremonie fortzufahren.
"Bist du gesund an deinem Leibe und leidest an keiner verborgenen Krankheit, die dich daran hindert, dem Reich mit all deiner Kraft zu dienen?"
Auf diese Frage gab Aglio von Saransk eine klare, deutliche Antwort. Endlich neigte der Priester seinen Kopf. "Nun gut, so sei es."
Er reichte das Buch einem der anderen Geistlichen, der damit auf den Fahlen zutrat und es ihm hinhielt.
Kalt wie eisiger Stahl, in seinem Herzen auf ewig Mordwine
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