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30.12.1055, Kaluga
Regent: unbekannt
Gerrun stapfte durch den Schnee, freute sich stumm darüber das er im letzten Dorf auf mordwinischen Boden eine ordentliche Hose und ähnliches gekauft hatte und näherte sich einem kleinen Dorf. Es war bereits dunkel und wenn es nicht seine Nachtangst war, welche sein Stiefvater sicherlich als unritterlich abgetan hätte, hörte er doch tatsächlich Wölfe. Wenigstens war dies nun etwas freies Gelände, der Wald hatte zwar einiges an Schnee ferngehalten doch Äste und tote Hecken hatten ihm mehr als genug zugesetzt. Ein Land das so brach lag wie dieses hier hatte er noch nie bereist, doch was hatte er erwartet? Sein letzter Gastgeber hatte ihn gewarnt das Kaluga schon seit langem ohne Herrscher war und kaum ein Dorf nur annährend so gastlich sein würde wie die Siedlungen die er hinter sich gelassen hatte.
Er betrat das größte Haus am Platz, die Tür war unverschlossen und das Schild über der Tür bedeutete entweder das hier ein sehr reicher Küfer lebte oder das man hier Wein oder ähnliches bekam. Die Stube war warm und eine handvoll Bauern drängte sich am Kamin zusammen, hinter einer Schank, welche man aus leeren Fässern gezimmert hatte, stand ein Wirt. Ungewöhnlicherweise war er weder Dick, noch hatte er rote Backen und eine dreckige Schürze, als wollte er bewusst dem Ruf seines Standes entgegenwirken war er Mager, trug saubere Kleidung und wirkte wie jemand der unverzagt vor dem Gast ins Bier spuckte. Der protestierende Magen veranlasste den Schotten jedoch solche Gedanken rasch zu verdrängen und trieb ihn zum Hausherrn. Hoffentlich begrüßte ihn der Wirt, so wie es klang wollte er eher mit Gerrun streiten. Verzweifelt fragte der Schotte auf den paar Brocken deutsch welche er von seiner Frau kannte "Ist hier jemand der mich versteht?" der Wirt wirkte direkt beleidigt und brummte etwas auf russisch. Ein Junge, welcher bis dahin einen Bratenspieß gedreht hatte sprang auf und eilte hinaus. Gerrun welcher verlegen den Spieß betrachtete hoffte inständig das es ein sehr mageres Ferkel war und nichts das Tier welches im Sommer noch die Schafe gehütet hatte. Nach ein paar Augenblicken kam der Gehilfe schon wieder zurück, im Schlepptau eine Alte die vermutlich bei der Erschaffung der Welt in der ersten Reihe gestanden hatte um lauthals zu meckern. Ihr Gesicht sah aus als hätte sie einen Löffel Meerwasser getrunken und ihr Geruch war eher unangenehm, selbst für Gerrun der den letzten Zuber bei einem Bader in Kiew gesehen hatte. "Ihr seid Staufer? Sachse? Bayer?" grunzte die Alte auf deutsch und streckte die Hand aus. Seufzend gab er ihr ein Silberstück und antwortete "Schotte, zumindest was die Sprache betrifft." die Greisin zwinkerte fröhlich "Auch recht, wo immer Schottien sein mag. Ich bin ebenfalls Reisende, ich will nach Süden ans Meer bevor ich den Löffel abgebe." Gerrun zog überrascht die Brauen hoch "Ihr reist? Ich war versucht euch zwei Silbermünzen auf die Augen zu legen als ihr hier reingekommen seid." die Alte lachte laut auf und schien in keinsterweise gekränkt. "Ein Scherzbold, wie? Ich bin eine Hexe, nehmt euch in acht!" nun war es Gerrun der lachte und erwiderte "Ich sehe an euch keine Warzen, im Gegensatz zu meinem Haar ist das eure nicht rot und das Kind fürchtet sich kein bisschen vor euch." die Greisin nickte "Gut, normalerweise rufen Reisende sonst immer etwas wie 'Her mit den Daumenschrauben' wenn ich so etwas sage. Ihr dürft mich nach Süden begleiten." Gerrun war nun überrascht "Wie kommt ihr darauf das ich nach Süden möche? Ich komme doch gerade erst von da!" die vermeintliche Hexe nickte "Aber ihr seid doch viel zu höfflich für die Russen, euer Deutsch hilft euch nicht mehr lange! Ihr solltet besser mal sehen das ihr eine Heimat findet." der Schotte winkte ab "Auch im Süden gibt es Russen, freundliche Leute welche mich unbehelligt passieren liesen!" ein knochiger Finger stupste ihm gegen die Brust "Aber ich sehe doch das eure Familie nicht bei euch ist! Glaubt mir eine Frau erkennt es wenn ein Mann verheiratet ist!" dann musterte sie ihn von Kopf bis Fuß "Außerdem tragt ihr eure gesamte Habe bei euch, wieso sonst solltet ihr den Rock eurer Frau im Gürtel stecken haben?" - "Rock? Das, Alte, ist mein Kilt!" - "Huch, so einer bist du? Ich kannte einmal einen Fürstensohn mit ähnlichen vorlieben..." - "Nein ihr versteht mich falsch, so etwas tragen alle Schotten wenn ihnen der Schnee nicht bis zum Bauchnabel reicht."
Er grub sich tiefer in das Stroh und ärgerte sich über sich selbst, wie konnte er nur gedacht haben das ein Tundraspeer eine Zauberwaffe war? Als der Jäger ihm die Waffe seines Vaters präsentierte war der Schotte tief enttäuscht. Ein neuer Plan musste her wie er nach Ungarn hinein gelangen konnte, seine Frau wartete auf ihn und womöglich auch schon sein Kind! Vielleicht fand er ja Hilfe in Kiew, oder bei dem freundlichen ungarischen Soldaten. Auf alle Fälle war die Alte und ihr Esel eine gute Gesellschaft und Tarnung. Im neuen Jahr dann würde er wohl wieder nach Süden stapfen.
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