|
Heimlich verfluchte sie ihren Vater, den sie nicht kannte und dessen Namen ihre Mutter nie ausplaudern würde. Zu fürstlich hatte er sie nach der verhängnisvollen Nacht entlohnt, damit seine Gattin nie von seinem Fehltritt erfahren möge, einen Skandal könnte er sich nicht erlauben, waren seine Worte. Ihrer Mutter wurde dadurch ein Ende der Arbeit als Magd ermöglicht, nun hatte sie selber Bedienstete. Den Grafentitel, den er ihr verliehen hatte, nutzte sie allerdings nie.
Nun stand sie da, blöder Name diese *Weiße Rose*, eigentlich hieß sie ja Silvia, doch ihre Mutter nannte sie immer so, wegen ihrer hellen Haut, die so im krassen Gegensatz zu den dunkelblauen Augen und den roten Lippen stand. Ihre Haare schimmerten wie goldenes Stroh, doch sie hatte sicherlich nichts mit der Schönheit einer Rose gemein, außer den spitzen Stacheln auf der Zunge, wenn ihr etwas nicht in den Kram passte.
Und jetzt war ihre Zeit gekommen, ihren eigenen Weg zu suchen, sehr deutlich bekam sie den Wink von ihrer Mutter: „Hier ist ein Schreiben, das bringst du bitte nach Byzanz und das auf dem schnellsten Weg und keine Widerrede. Deine Ausbildung in den wichtigsten Dingen ist erledigt, du kannst kämpfen und bist gebildet. Nun soll sich jemand, der das besser kann als ich, um dich kümmern und halte deine Zunge in Zaum!“
Gerade wollte sie protestieren, doch bei den letzten Worten ihrer Mutter wurde ihr der Ernst der Lage klar. Sie sollte gehen, gut versorgt mit Allem, aber gehen.
Gesenkten Hauptes verließ sie das Heim ihrer Kindheit, nicht wissend, was ihr die Zukunft bringen würde.
|