|
Ioannes blickte über die Waldschneise hinweg. Überall lagen die Leichen der Räuber und Plünderer. Es war ein ungleicher Kampf gewesen, den die Kaisergarde der Athanatoi hier gegen das Raubgesindel geführt hatte. Aber es war ein notwendiger Kampf gewesen und von Stund an würden die Straßen und kleinen Dörfer in Nikomedia wieder sicherer sein. Die letzten gefangenen Plünderer mussten ihre einstigen Spießgesellen in einem Massengrab beisetzen und dann den Weg in die Sklaverei antreten. In Bälde würde ein Strategos die Verwaltung der befriedeten Provinz übernehmen. Als dies getan war, gab der Kaiser ein Zeichen und die Gardetruppe wandte sich nach Süden, der Grenze von Smyrna zu.
Nikomedia und Smyrna waren eigentlich zwei Provinzen gewesen, die der große Kaiser Padraigh Pendragon einst den Dänen zur Verwaltung übertragen hatte. Wie hatten sich die Zeiten gewandelt. Die Dänen sammelten ihre Kräfte und gaben nach dem verheerenden Plünderzug der Susdaler den Schutz und die Verwaltung beider Provinzen zurück an den Protosebastos. Ioannes lächelte, als ihm bewusst wurde, dass sich trotz dem abzug der Dänen manche Eigenart sicher erhalten würde. Zum Beispiel hatte er im Hauptort Nikomedias viele Met trinkende Byzantiner erblickt und so manchen Byzantiner, der auch wie ein Grieche aussah, doch blonde Haare hatte. Traurig hatten viele Bürger der Abfahrt der vielen Drachenboote zugesehen.
----------------------------------------------------------------------------------------------------
Während des Weges nach Smyrna dachte der Kaiser viel an die Hauptstadt zurück und noch mehr an seine Gemahlin im fernen Antiochia. Vor dem Aufbruch des Heeres nach Kleinasien hatte Ioannes eine besonders erhebende Zeremonie durchgeführt, die er hoffentlich bald wiederholen konnte. Er erinnerte sich ganz genau, während sein Pferd Huf vor Huf setzte.
Auf dem Innenhof des Boukoleonpalastes hatten die Athanatoi als Ehrenwache Aufstellung genommen und auf einer Empore standen in polierter Rüstung und ihren besten Gewändern gekleidet, folgende Personen.
Wosch, genannt der Findige, zurückgetretener Protosebastos und gegenwärtiger Megas Domestikos.
Marenzio, langjähriger Strategos von Thrakien.
Fridolin Finkelstein, erster Finanzlogothet des Reiches und Hüter des Staatsschatzes.
Gregorian IV., Strategos von Burnasul.
Ioannes hatte vor ihnen gestanden und die Taten dieser herausragenden Krieger vorgetragen. Patriarch Komnenos hatte das Kreuz hinter jedem Einzelnen hochgehalten, während der Kaiser seine rechte Hand über dem Kopf des Betreffenden gahalten und gesprochen hatte.
"Aufgrund der von Euch geleisteten Taten, eurer stets aufs neue bewiesenen Tapferkeit und Kriegstüchtigkeit erhebe ich Euch von Stund an in den Rang eines Scholaren. Damit gehört ihr der Elite der Tagmatai an, große Ehre möge Euch und dem Namen Eurer Familie daraus erwachsen. Empfangt hiermit vor Gott und den Menschen meinen kaiserlichen Segen. Gott schütze Euch!"
Anschließend hatte jeder der Vier den kaiserlichen Siegelring geküsst und voller Stolz den goldenen Kettenschmuck empfangen, der sie den Scholaren zugehörig auswies.
Selbst der Findige, sonst ein finsterer und unnahbarer Mann, hatte voll Stolz gelächelt. Marenzio hatte sogar den Scholarenschmuck geküsst. Das Festbankett zu ihren Ehren war gelungen und zu später Stunde hatte ein Trinkspruch den anderen gejagt. Nüchtern war keiner geblieben. Nicht einmal der sonst so nüchterne und ernsthafte Finkelsteiner.
-------------------------------------------------------------------------------------------------
Ioannes riß sich aus dieser Erinnerung, denn Isidorus, der treue Kommandeur der Athanatoi, hatte den Lagerplatz für die Nacht ausgesucht und rasch stellten die Soldaten die Zelte auf und hoben den Erdwall aus. In derselben Ordnung, wie man es seit vielen Jahren gewöhnt war. So wusste jeder zu jeder Zeit an jedem Ort immer, wo sein Platz im Falle eines Alarms war. Der junge Kaiser hatte sich angewöhnt im Feld das zu essen, was auch seine Gardesoldaten aßen. So schaufelte er den Weizenbrei mit Zwiebeln und etwas Ochsenfleisch hungrig hinein.
Anderntags ließ er Symeon Gabras und Lady Fineae, welche beide in der Einheit der Athanatoi dienten, zu sich rufen. Symeon Gabras erhielt die Bestallungsurkunde als Strategos von Nikomedia und Lady Fineae als Stratega von Smyrna.
Tage später erreichten der Kaiser und seine Garde Smyrna und mussten feststellen, dass die Invasion der Susdaler und der Abzug der Dänen auch hier für die Bildung großer Räuberbanden gesorgt hatte. Rasch wurden einzelne Trupps gebildet und mit Hilfe einheimischer Führer die ungefähren Schlupfwinkel der Plünderer ausgeforscht.
Es war wirklich ein Drama, ein menschliches Drama in dem zufällig Füchse eine Rolle spielten. Aber wir sollten nicht alles aus unserer beengten menschlichen Perspektive sehen. In der Welt der Füchse war dies ein Fuchsdrama in dem einige Menschen eine unbedeutende Rolle spielten.
|