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Immer wenn sie kommen bringen sie Unbehagen mit sich. Sie kommen plötzlich und unerwartet, bleiben eine bestimmte Weile und machen sich schließlich wieder aus dem Staub. Immer wenn sie kommen lachen sie sich schlapp und halten dem der sie empfängt einen selbst zerstörerischen Spiegel vor, der ihm in schierer Art und Weise all seine Schwächen und Peinlichkeiten, die er hier und da begangen hat, offenbart.
Sie kommen leise und schnell. Wenn sie aber erst einmal vor der Türe stehen, stürmen sie wie verrückt in das Haus, die Augen sind die Fenster und der Mund die große Eingangstür. Doch sie nehmen weder Fenster noch die Tür, noch die Ohren, diese kleinen Hintertürchen an der Seite. Sie stürmen durch unsichtbare Ritzen und Risse im Putz hinein, machen sich breit als gehöre ihnen das Innere des Hauses, schmarotzen hier und da wie Parasiten und saugen sich an den Gedanken fest wie Zecken. Sie saugen alles Gute aus und hinterlassen ihre verseuchten Überbleibsel dort, wo gerade noch das Gute gegen das Böse zu obsiegen schien. Wenn sie auf diese Weise genügend Unheil angerichtet haben, so machen sie sich wieder auf den Weg zum nächsten Haus. Sicherlich wird schon in der unmittelbaren Nachbarschaft des verseuchten Hauses irgendwo ein Riss im Putz auf sie warten. Meist wird es ihnen nicht gestattet länger zu bleiben. Nach kurzer Zeit ruft der Hausbesitzer polizeiartige Mechanismen zu sich, die es ihm erleichtern die Schmarotzer zu vertreiben und sie für unbestimmte Zeit fortzujagen.
Doch in jenem Moment, in dem sie das Haus fluchtartig verlassen, weiß er schon, dass sie bald wieder und wieder eine Ritze finden werden, durch die es ihnen gelingt erneut einzudringen. Und mit jedem Male mit dem sie eindringen, werden sie mehr und mehr zerstören. Doch sie zerstören nicht im eigentlichen Sinn. Vielmehr verändern sie in zerstörerischer Weise. Sie verändern das Innere des Hauses so, dass es der Hausbesitzer irgendwann selbst nicht mehr erkennt und zum Verwalter degradiert wird. Das eigene Haus wird ihm fremd. Dann haben sie ihr Ziel erreicht. Sie kommen so lange bis ihr Ziel erreicht ist. Je öfter es gelingt sie zu vertreiben, desto stärker und ungebremster kommen sie zurück.
Er kämpft schon lange gegen sie. Man sieht in seinen Augen, dass er weiß wozu sie fähig sind und wie zerstörerisch ihr Drang nach Veränderung ist. Es ist beängstigend sich anzuschauen, wie sie ganze Häuserblocks mit ihren Überfällen renovieren und dabei so vorsichtig vorgehen, dass der Beobachter erst eine Veränderung an der Fassade bemerkt, wenn das Innere schon in sich umgekehrt brach liegt. Sie verändern von innen nach außen. Erst wenn sie innen fertig sind, sich von Zimmer zu Zimmer durchgearbeitet haben - dann erst rufen sie die Maler um die Fassade neu zu gestalten. Dann ist es zu spät. Dann haben sie gewonnen. Man darf ihnen einfach nicht gestatten ins Innere vorzudringen. Man muss sie beim ersten Verdacht packen und rauswerfen. Doch meist ist es ja schon zu spät wenn sie erst einmal unbemerkt eingedrungen sind. Am liebsten nisten sie im Speicher der Häuser. Dort sind die Häuser am empfindlichsten. Nur Holz - trockenes Holz. Wie leicht entstehen dort Feuer von unlöschbarem Ausmaß. Wenn es erst einmal zu qualmen beginnt, dann ist es zu spät; dann lodert es bis zum unvermeidlichen Ende. Wenn der Speicher erst einmal Feuer gefangen hat, dann schlagen die Flammen schnell auf den Rest des Hauses über. Was kann der Rest des Hauses einem lichterloh brennenden Dachstuhl schon entgegensetzen. Nichts! Gar nichts!
Wenn man nicht aufpasst schlagen die Flammen über auf die Nachbarhäuser und entzünden sie lichterloh. Alles hell erleuchtet und heiß. Auch dann haben sie ihr Ziel erreicht. Das Ziel, das hinter allem steht.
Er weiß es. Er reitet im September des Jahres 1068 durch seine Hauptstadt. Und er hat sich verändert. Kaltherz nannte man ihn einst, als er in die heilige Stadt auszog. Jetzt brennt er lichterloh.
Kalt wie eisiger Stahl, in seinem Herzen auf ewig Mordwine
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