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THEMA: Leise fällt der Schnee
 
Agilamundo Svanqvist

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graphgraph
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Leise fällt der Schnee      16.11.2011 16:14:49 --- 6 Monate, 1 Woche her  
~ * ~ Jabmeakka = „Totenalte“, Herrscherin über Jabmeai(m)o ~ * ~

Die Sami nahmen an, dass, wenn jemand erkrankte, sein „freier Geist“ von den Toten (oft Verwandte des/der Erkrankten) nach Jabmeai(m)o entführt wurde. Dann riefen die Noaide (Schamanen) Jabmeakka an und verhandelten mit ihr über den „freien Geist“. War Jabmeakka im Gegenzug für ein geeignetes Opfer einverstanden, wurde der Kranke wieder gesund – andernfalls verstarb er, weil der entführte Geist aus Jabmeai(m)o nicht mehr zum Kranken zurückkehrte.

Jabmeai(m)o war die Welt der Toten und lag unterhalb der Erdoberfläche. Über Jabmeai(m)o herrscht die Totengöttin Jabmeakka. Wer ein Leben nach den religiösen Regeln führte, der kam nach dem Tod in diese Welt. Der Verstorbene erhielt einen neuen Körper und verblieb einige Zeit in Jabmeai(m)o bis er in die himmlische Späre, nach Saivo, aufstieg.

~ * ~ Vorgeschichte ~ * ~

Der Gesang eines Schwanes: Agilamundo’s Geburt und Abschiebung
http://ritterheere.de/component/option,com_fireboard/func,view/Itemid,181/id,522480/catid,5/#522480

Der Gesang eines Schwanes: Ermordung von Svana
http://ritterheere.de/component/option,com_fireboard/Itemid,181/func,view/catid,5/id,682443/#682443



Weich glitt das Messer durch das lebendige, pulsierende Fleisch. Ganz ohne Hast, ohne große Mühe und Widerstand war das Werk schnell vollbracht. Einen sauberen Schnitt hatte es hinterlassen, aus dem langsam das pochende Blut quoll.

„Sei still, Mutter wird wach.“

Tränen rannen der Todgeweihten über das Gesicht ehe sie sich innerhalb von Sekunden der Lage bewusst wurde, was geschehen war. Schreckensgleich riss sie die Augen auf, griff mit einer Hand zum offenen Hals, um das warme Blut aufzuhalten, das immer mehr im Körperinneren in die Lungen floss und sie befüllte, und rang vergebens röchelnd und hustend nach Luft, was die Lage eiligst nur verschlimmerte. Das Schicksal, es war besiegelt. Nichts konnte mehr helfen als die Zeit abzuwarten bis der Tod eintrat und sie von den Qualen des letzten Lebenskampfes erlösen würden.

Agila saß ruhig da. Auch als Svanas zweite Hand sie krampfend ergriff, um Hilfe zu erflehen, blieb sie still sitzen und tat nichts. Sie sah einfach nur zu wie Svana um ihr bereits vergangenes Leben kämpfte. Der Schnitt war weit reichend, so dass das Blut schnell heraus floss und die Ohnmacht die Sterbende schnell in die Welt der Ewigkeit holte. Matt sank der Körper mit weit aufgerissenen Augen und blutgefüllten Mund zu Boden ehe das Leben endgültig aus ihm wich. Eine Lache des Lebenssaftes breitete sich auf dem Boden stetig in alle Richtungen aus und glänzte im Schein des Feuers.

Friedlich schloss Agila Svana die Augen. Sie legte sich neben ihr in die Blutlache nieder und begann ein Schlaflied zu singen, welches sie selbst so oft gehört hatte und fuhr ihr dabei immerwährend durch das Haar:

Sofðu unga ástin mín.
Úti regnið grætur.
Mamma geymir gullin þín,
gamla leggi og völuskrín.
Við skulum ekki vaka um dimmar nætur.

Það er margt sem myrkrið veit
minn er hugur þungur.
Oft ég svarta sandinn leit,
svíða grænan engireit.
Í jöklinum hljóða dauðadjúpar sprungur.

Sofðu lengi, sofðu rótt,
seint mun best að vakna.
Mæðan kenna mun þér fljótt,
meðan hallar degi skjótt
að mennirnir elska, missa, gráta og sakna. *

Es vergingen Stunden, in jene Agila ruhig neben Svana lag, ohne Angst haben zu müssen entdeckt zu werden, und sang nur dieses eine Lied immer aufs Neue. Die lodernde Glut des längst verloschenen Feuers schien die Zeit anzuhalten, denn Svanas lebloser Körper erstarrte nicht und die Kühle drang nur schwerfällig vor. Es war, als schliefe sie, wie die alte Weberin und alles hätte seine Ordnung.

„Höre doch, Mutter ist wieder eingeschlafen.“

Das Blut auf dem Boden war längst getrocknet und Agilas Kleidung klebte daran fest. Langsam richtete sie sich auf und hatte ein wenig Mühe, ihr aschfarbenes Kleid zu lösen. Sie wollte schauen, was Svana ihr bieten konnte und fand allerlei sowie sonderbare Dinge: das Wappen Schwedens, ein Amulett mit Runen, ein beschriebenes Papier, worauf sie die Schrift nicht entziffern konnte, da ihr niemand das Lesen und Schreiben beigebracht hatte sowie für sie unzählige Silberstücke. Einige steckte sie sich davon ein, den Rest legte sie zurück.

„Ja, ich sehe es mir nur an.“

Das Wappen Schwedens ruhte in Agilas Händen. Sie erkannte die Farben des Volkes und rätselte, welche tiefere Bedeutung das für Svana gehabt haben konnte, denn sie wusste, dass sie in Schweden geboren war. Hinter das Geheimnis kam sie nicht, denn das Wappen schwieg sie eisern an, aber früher oder später würde sie es erfahren. Dann hielt sie das Amulett zwischen den Fingern fest und tastete es vorsichtig ab. Jede Vertiefung und Erhebung wurde genauesten erfühlt. Doch alles würde sie bei Svana lassen, weil es für Agila hingegen keine Bedeutung hatte und sie nur gegebenenfalls als Mörderin enttarnen würde. Aber das schwedische Wappen gab ihr einen kleinen Hinweis, woran sie sich bedienen konnte. Denn sie war auf der Suche nach Namen, die sie wie Trophäen in die Welt hinaus tragen konnte und ihr zuverlässig mit der Zeit offenbaren würden, welche Geheimnisse ihre Stammeltern umgaben.

„Kümmere dich um Mutter, denn ich muss fort.“

Sacht stand Agila auf und traf mit größter Sorgfalt ihre Vorbereitungen. Zuerst entkleidete und wusch sie sich und wählte sodann ein neues, aschfarbenes Kleid. Das alte, blutbeschmierte warf sie in die Glut und sofort lebte das Feuer neu auf, das jede Faser verschlang. Danach suchte sie die Reste von dem harten Brotbrei und Dörrfleisch zusammen, die sie in einem kleinen Säckchen verstaute wie auch das wenige Getreide. Unterwegs gab es genug Seen und Bäche, um den Brei wieder aufzuweichen. Ihre Füße waren nackt, doch das kümmerte sie zu dieser Jahreszeit nicht und zog sich einen leichten Umhang über.

Der Morgen, er kündigte sich bereits an, indem der Himmel seine dunkle Farbe der Nacht immer mehr aufhellte und erahnen ließ, dass in der nächsten Stunde die Sonne aufging. Agila trat zur Tür und sah sich noch einmal um, ob sie etwas vergessen hatte. Das Feuer erlosch wieder langsam und fiel zur Glut zusammen, die ebenso immer weniger Nahrung zum Leben hatte und zu erkalten drohte. Nichts deutete auf einen Kampf hin, denn alles stand ordentlich an seinem Platz. Nur die zwei Toten passten nicht in das Bild. Die alte Weberin, die unverändert im Stuhl saß und zu ihren Füßen nun Svana lag. Yrr würde jetzt mit ihren sieben, fast acht Jahren vergeblich auf ihre Mutter warten. Agila kümmerte das herzlich wenig. Sie reute auch nicht, gemordet zu haben.

Entschlossen öffnete Agila die Tür und schloss diese wieder hinter sich. Sodann stellte sie ihr Säckchen ab, um die Fensterläden zu schließen. Voima hatte das Regen bemerkt, der nach wie vor angebunden dastand und grollte ruhig zur Begrüßung.

„Schhhhhhhhh, sie schlafen.“

Voima würde sie ebenso wenig entwenden, denn er war zu auffällig und jeder würde nicht nur ihn, sondern auch den Sattel und das Zaumzeug erkennen, der auch Svana kannte. Irgendwo ließe sich schon ein Pferd stehlen. Da stach Agila etwas sofort ins Auge und sie trat näher an den Lichtfuchs heran, um es zu begutachten. Es war ein Bogen. Fast ehrfürchtig strich sie ihm über den Rücken, den Wurfarm entlang. Es fühlte sich für sie gut an und der Erbauer hatte ganz Arbeit geleistet. Gerne hätte Agila ihn aus seiner Halterung gelöst, um mit ihm paar Übungen zu machen, doch sie wollte nicht zuviel verändern und die Zeit drängte. Unwillig wandte sie sich ab, griff nach ihrem Säckchen mit den wenigen Habseligkeiten und tat einen Schritt barfüssig auf den Weg voran, den sie nun beschreiten würde und ließ Ukkolanvaara hinter sich.

... und leise fielen weiße Flocken sacht vom Sommerhimmel auf den Erdboden, die alles nach und nach zudeckten und schleichend in einen Kälteschlaf wiegten.
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Youtube: Luca turilli - Sofðu unga ástin mín

* Schlaf mein kleiner Liebling ein!
Draußen fällt der Regen.
Mutter schaukelt 's Wiegelein -
ist ja schon so alt wie Stein.
Träum durch den Nebel, dem Tage entgegen!

Überall herrscht Dunkelheit. -
Schwer meine Gedanken.
Schwarzer Sand - wie vor der Zeit -
decket unsre Ängstlichkeit.
Die Gletscherspalten uns weisen die Schranken.

Schlafe endlich nun, schlaf ein!
Bald schon ist es Morgen.
Träume auch den Wassern zu!
Väter schirmen unsre Ruh.
Ihr ew’ges Sehnen: Sich um uns zu sorgen.


 
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Leise fällt der Schnee
Agilamundo Svanqvist 2011/11/16 16:14
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Agilamundo Svanqvist 2011/11/27 13:20
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Agilamundo Svanqvist 2011/12/30 12:26
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Agilamundo Svanqvist 2011/12/31 13:19
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Agilamundo Svanqvist 2012/01/02 21:14
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Agilamundo Svanqvist 2012/02/04 11:59
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Agilamundo Svanqvist 2012/03/03 22:25
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Agilamundo Svanqvist 2012/03/04 14:25
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Agilamundo Svanqvist 2012/03/04 18:19
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Agilamundo Svanqvist 2012/03/06 17:39
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Agilamundo Svanqvist 2012/03/08 22:52
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Agilamundo Svanqvist 2012/03/11 17:27
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Aidan Callahan 2012/03/19 13:48
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Agilamundo Svanqvist 2012/04/30 15:55
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