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Morrigan
Die Geschichte einer Ratte
Ich bin eine Ratte. Manche rufen mich Morrigan, andere sagen einfach Ratte zu mir.
Als Ratte hat man es nicht leicht. Frauen raffen ihre Röcke, kreischen und springen auf Tisch und Stuhl, sobald sie uns gewahr werden. Männer fluchen und versuchen uns nach dem Leben zu trachten. Die Menschen scheinen uns nicht zu mögen, jedenfalls die meisten von ihnen.
Auch mir ging es ganz zu Anfang so, ich wurde gejagt und verflucht, warum, nun, das wissen wohl nur die Menschen. Allerdings sollte sich das einmal ändern. Ich lebe zur Zeit bei den Menschen, ohne das man mir das Leben nehmen will. Wie es dazu kam? Das liebe menschliche Leser ist eine lange Geschichte. Ich lebte einst in Norwegen, heute lebe ich in Pruzzen und das gar nicht mal so schlecht. Zu meinen Freunden zählen ein Hochmeister, ein Junge und ein Mädchen. Der Hofstab des Hochmeisters akzeptiert mich zumindest. Interessiert euch meine Geschichte? Nun, dann sollte ich sie euch ganz von Anfang an erzählen.
Irgendwo in Norwegen
Regen, in meiner Erinnerung regnete es seit Tagen. Die Häuser des kleine Fischerdorfes, in dem ich damals lebte, duckten sich. Alles schien im Grau des Regens zu versinken.
Das Wetter passte zu meiner Stimmung. War ich doch gerade, mit Mühe und Not, einem dieser lästigen Zweibeiner entkommen. Zum Teufel mit ihnen, man konnte nicht einmal, ungestört essen, sobald man entdeckt wurde, ging die Hetzerei los. Als Ratte konnte man nicht dick hier werden. Alles was man sich anfraß, wurde man sehr schnell wieder los. Ständig musste man auf der Hut sein, wenn man erwischt wurde, ging die Rennerei los. Wie sollte man da Fett ansetzen? Nein, dieses Dorf in Norwegen war nun wirklich nicht das Paradies für Ratten, es gab nur dünne von uns, keine dicken.
Während ich so meinen Gedanken nachhing, ging ich gerade Wegs auf eine einsame, windschiefe Hütte zu. Ich kannte diese Hütte, diente sie mir doch von Zeit zu Zeit als Zufluchtsort, wenn ich meine Ruhe vor den Menschen haben wollte.
Ich suchte nach dem Eingang, den ich mir gegraben hatte und freute mich schon auf meinen warmen Strohhaufen. Doch als ich die Hütte betrat, merkte ich, das etwas anders war als sonst.
Es roch nach Zweibeiner, nach Mensch. Als ich mich näher umschaute, sah ich ihn auch. Ein zitterndes Bündel, welches zusammen gekauert in der Ecke lag.
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