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Seit Monden hatte man Gotland für das Allthing vorbereiten lassen, die alte Stätte, an welcher seit jeher die großen Things abgehalten wurden waren von Laub, Nadeln und trockenem Gras der vergangenen Jahrzehnte befreit worden und in Mitten des Thingplatzes fand sich eine steinerne Platte, auf welchem die Alten das nordische Manifest für ihre Nachkommen verewigt hatten. In den alten Archiven Schwedens war der Schwedenthane letztendlich fündig geworden und konnte das originale, auf Pergament geschriebene und von seinem Vater unterzeichnete Manifest finden und die Zeilen studieren.
Zeitig genug war es dann soweit, dass der Schwedenthane den Thingplatz erreichte, vom Pferd stieg, die Zügel einem Stalljungen in die Hände drückte, sodass dieser es versorgen konnte, und seine Waffen ablegte, ehe er seinen Platz einnahm, so wie es üblich war.
Um das Thing zu führen, war einer der ältesten und weisesten Runenmeister des Nordens nach Gotland gekommen und so war es an ihm, als erstes das Wort zu ergreifen und es anschließend einem der Anwesenden weiter zu reichen. Als alle ihren Platz eingenommen hatten, erhob sich der Alte, der von zwei Kriegern begleitet wurde, die ihn stützten. Mit aller Kraft schlug er mit seinem Stab in die steinerne Mitte des Thingplatzes, um für Ruhe zu sorgen und erst als nur noch das rauschen des Windes zu hören war, erhob er sein Wort.
"Vor genau 35 Jahren, im Jahr 1038, trafen sich zum letzten Mal die Vertreter aller nordischen Länder an genau jener Stelle, um aus ihren Reihen jemanden zu wählen, der das Erbe des Großthanen Strutter antreten und die Risse, die sich im Bund bereits gebildet hatten, wieder zu schließen, doch war dies nichtmehr möglich. Hariuha nennt man mich und schon dem letzten Allthing wohnte ich bei, sprach mit den Großen jener Zeit, von denen man sich heute noch erzählt und voller Ehrfurcht ihre Namen nur zu flüstern wagt.", sprach der Runenmeister und blickte in die Gesichter der Anwesenden.
"Viele Gesichter jener erkenne ich hier wieder, mögen auch deren Ideale, deren Stärke und Brüderlichkeit die Zeit überdauert haben. Achtet die Gesetze des Things und achtet die Gesetze der Götter.", fuhr der Runenmeister fort und wies mit seinem Stab auf den Schwedenthanen.
"Als erstes geht das Wort an den Gastgeber, Thargor, genannt svarta drake, Sohn des Thunder, Thane der Schweden", schloss Hariuha und nahm wieder Platz.
Noch immer herrschte absolute Stille. Nur der Wind und das klirren der schweren Rüstung Thargors, die sichtlich schon so manche Schlacht überstanden hatte, durchschnitten das Schweigen, bis der Schwedenthane die Mitte des Thingplatzes erreicht hatte, seinen Blick andächtig gen der sich unter ihm befindlichen Steinplatte, mit dem eingemeißelten Manifest richtete und kurz den Stimmen der Ahnen lauschte, ehe er seine Stimme erhob.
" Gemeinsam stehen wir, geschlossen sind unsere Reihen, in uns den Glauben unserer Ahnen, der uns beseelt und leitet, nordisches Blut in unseren Adern, stählt unsere Muskeln und ballt unsere Hände zu Fäusten, ohne zu wanken, niemals zu weichen, das Ziel vor Augen.
Jenes Ziel, das gleich dem Nordwind und auch in dunkelsten Stunden den Funken in uns weckt, den kleinen Funken, der jederzeit und überall in den nordischen Landen zu einem Flächenbrand werden kann, einem Feuer das vernichtet, was von falschen Propheten in unsere Lande getragen wird oder errichtet wird, gegen die Natur und gegen die Natur des Menschen.
Gemeinsam stehen wir, geschlossen sind unsere Reihen, unsere Hände zu Fäusten geballt, in ihnen liegen die runenbedeckten Waffen unserer Ahnen, bereit gehoben zu werden für das, was einem Nordmann wichtiger ist als die Frage nach Leben und Tod, wichtiger als all jene Dinge, für die die Menschen in anderen Landen ihre Seele verkaufen.", begann er zu sprechen und hielt kurz inne, um den Anwesenden Zeit zu geben, kurz in sich zu gehen und um ihnen in die Gesichter zu blicken.
"Freiheit!", sprach er mit kräftiger Stimme und erneut suchte sein Blick die Gesichter der anderen Nordleute.
" Man sagt, nur der Tod mache frei. Wir sind frei im Leben und im Tode, mit jenen die mit uns stehen und jenen, die uns vorausgingen, denn diejenigen von uns, die im Kampfe sterben, das Blut unserer Feinde an ihren Waffen, werden sich einst im Schatten unseres Vaters Odin erheben, um den letzten Kampf auszutragen. Und so leben wir frei und gehen als freie Krieger in den Tod, erhobenen Blickes und ohne jede Angst.
Man entscheidet sich nicht ein Nordmann zu sein, man ist es oder man ist es nicht! Siehe in Dich und finde Deine Bestimmung! Spätestens im Angesicht der Wikingeraxt, wirst Du sie finden, so oder so.", beendete Thargor seine Einleitung mit einem Schmunzeln auf den Lippen.
"So beginnt das in die Steinplatte unter mir eingemeißelte Manifest des Nordbundes, kurz vor dem endgültigen Zerfall des Bundes entstanden, verfasst von unseren Ahnen um etwas zu hinterlassen, dass uns an unsere gemeinsamen Wurzeln erinnert, an jene Zeit als wir uns Brüder nannten, im Frieden gemeinsam das Horn hoben und im Krieg Seite an Seite das Schwert zogen, bereit für das Leben eines jeden einzelnen das seinige zu geben.", erschallte es mit kräftiger Stimme über den Thingplatz, sodass es auch jeder gut hören konnte.
"Nachdem ein Wepsenheer Island, Norwegen und Dänemark in friedlicher Absicht passiert hatte und so in den Ostseeraum eindringen konnte, landeten sie dieser Tage auf der schwedischen Grafschaft Blekinge, um die Zeit der Turniere und des Allthings zu nützen, in der sie hofften, ohne Widerstand, plündernd und mordent schwedisches Land zu entweihen.", sprach Thargor und Unruhe brach in den Rängen aus, zumal sich auch viel Volk versammelt hatte, den Worten ihrer Anführer zu lauschen.
Hariuha hob seine Hand und augenblicklich verstummten wieder alle Geräusche.
"Wir handelten schnell und heute Morgen erreichte mich die Nachricht meines Bruders Aric, dass die schwedische Reiterei dem Wind lehrte, was Schnelligkeit bedeutet und noch rechtzeitig in Blekinge eintraf, um den wepsischen Heerverband zu zerschlagen und den gesamten wepsischen Adel gefangen zu nehmen", berichtete der Schwedenthane, worauf aus allen Rängen Beifall und Jubel erklang, bis der Runenmeister wieder Ruhe einkehren ließ.
"Auch wenn es uns diesmal wieder gelang, den Feind einen Schlag zu versetzen, so zeigt es nur in welcher Lage wir uns befinden. Lange Zeit kämpfte Schweden an vielen Fronten, seien diese in der eigenen Heimat, in Norwegen gegen das Heilige Römische Reich, mit Irland und Schottland in Iberien, mit Island gegen die Russen oder aber wie erst vor kurzem in Dänemark gegen die Staufer, doch sammeln sich die Feinde und werden umso gefährlicher, da sie nichtmehr wissen was Ehre bedeutet.
Im Osten verbrüdern sich die Bruderschaft und Susdal, im Süden der Ostsee kooperiert die Bruderschaft mit den Deutschrittern, die ihre alte Ordnung in Pruzzen und Litauen wieder errichtet haben während Dänemark den stetigen Amboss gegen die aus dem Westen kommenden Staufer, Franzosen und Sachsen bilden. Schottland und Irland haben die Ungewissheit , wie sich das nun staufennahe England verhalten wird und für die sich im Osten befindlichen Nordvölker Armenien und Georgien wird es sich nur als eine Frage der Zeit darstellen, bis auch sie die Missionierungswut der Christen trifft. " fasste der Schwedenthane die aktuelle Lage zusammen und pausierte ein paar Augenblicke, um allen die Möglichkeit zu geben, dass gesagte zu verinnerlichen.
"Der Feind erstarkt indem er das Blut aus jenen Wunden leckte, die wir uns gegenseitig schlagen und auch wenn es einem jeden von uns bewusst ist, unternehmen wir nichts dagegen. Es wird Zeit die Fehden zu beenden, gemeinsam die alte Stärke wieder zu erlangen, die Bereitschaft einkehren zu lassen, für die Gemeinschaft zu leben und zu sterben. Mögen die gemeinsamen Feinde, unsere Götter und das gemeinsame Blut in unseren Adern der Leim dafür sein, die Risse zu schließen, die sich in den vergangenen Jahrzehnten aufgetan haben, sodass jene Tage zurückkehren, in denen wir Nordvölker gemeinsam die Waffen zogen und dem Feind das Fürchten lehrten.", erschallte es abschließend über den Thingplatz, ehe der Schwedenthane wieder seinen Platz einnahm und der Runenmeister darauf wartete, dass jemand darum bittet, das Wort zu erhalten.
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