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THEMA: Re:Auf alten Pfaden
 
Braga Blackthorn

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Re:Auf alten Pfaden      11.01.2019 20:10:52 --- 1 Woche her  
Behutsam stützte er den Kopf des Jungen mit seiner Hand ab, als er die Schüssel mit dem entgiftenden Trunk an dessen Mund führte. „Langsam und behutsam“, sagte er ruhig und milde, während der Junge trank. Er verzog das Gesicht, schmeckte dieses Gebräu wahrscheinlich nicht so sonderlich gut. Doch es würde ihm helfen. Und tapfer war der kleine Recke auch, trank er trotz des widerlichen Geschmacks weiter. „Das machst du sehr gut“, sagte er und zwinkerte ihm zu. Er grinste, nachdem er alles ausgetrunken hatte. Vorsichtig legte er den Kopf des Jungen wieder zurück auf das Strohkissen. „Morgen geht es dir schon wieder besser. Wirst schon sehen“, darauf folgte eine komische Grimasse, was den Jungen ein wenig zum Lächeln brachte.

Plötzlich hörte er Schritte hinter sich. Die Sohlen der Schuhe kratzten leicht über den Boden. Es wurde eine Tür geöffnet, die mit einem quietschend und knacken den Raum erfüllte.
Herr“, hörte er den Herren des Hauses, „Dort draußen ist ein Mädchen. Sie...sie verlangt nach euch. Sie sagt...sie gehöre zu euch“.
Joel runzelte die Stirn. War es schon so weit? Gehörte sie schon zu ihm? Hatte er sie schon offiziell zu seiner Gehilfin gemacht? Nun, vielleicht hatte der Bauer es auch etwas unschicklich ausgedrückt. Doch Joel nahm die Tatsache mit Fassung und richtete sich wieder auf.
Er blieb neben dem Mann stehen, sah ihn an, ehe er über seine eigene Schulter blickte und den Jungen dort einen kurzen Moment beobachtete. Leicht hob sich der Brustkorb des Knaben, ehe dieser wieder sank, nur um im nächsten Moment sich wieder zu erheben.
Er ist stark. Ihr solltet dennoch bei ihm bleiben“, sagte Joel, „Außerhalb des Dorfes ist ein Wagen. Die Männer dort geben euch gutes Wasser. Und sagt es den anderen im Dorf“.
Der Bauer nickte nur und sagte nichts darauf, ehe er zu seinem Jungen ging, um bei diesem zu sein. Ein guter Vater, wie Joel fand, war er selbst keiner. Seine Arbeit hatte stets Vorrang und den Wunsch nach Kindern hatte er nie wirklich gehabt. Seine Geschwister in weiter ferne würden sich schon darum kümmern, dass sein Familienname nicht ausstirbt. Eine Tatsache, mit der er sich bestens abfinden konnte.

So trat Joel heraus und entdeckte sofort Johanna, die auf ihn gewartet hatte. Sie hielt ihre Arme verschränkt und lief ein wenig nervös hin und her.
Ich ahne, was du mir nun sagen willst“, sagte er leicht verschmitzt, ehe er die Tür hinter sich schloss. „Hat sie dir mit der Hölle gedroht?


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Johanna

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Re:Auf alten Pfaden      11.01.2019 21:08:44 --- 1 Woche her  
Als sie ihn endlich ausgemacht hatte, bat sie den Bauern leise Meister Joel hinaus zu bitten. Sie würde ihm helfen die Medizin zu verteilen. Nie hätte sie erwartet, dass der Bauer die Nachricht falsch weiter gab, aber sie wartete geduldig vor dem Haus, bis der Gelehrte erschien.

"Ich bin eine Heidin in ihren Augen", zuckte Johanna mit den Schultern. "Sie meint Weihwasser und Gebete werden sie retten. Hält den Rosenkranz in der Hand und säuft Weihwasser... Ich versteh es nicht. Gott wird sie auch nicht gesünder machen, nur weil sie hofft, dass das passiert... Sie hat ganz offensichtlich fieber und... tja... Da dachte ich, ich hole den Meister seines Fachs..." Johanna schnaubte verächtlich, weil die Alte wirklich annahm, dass die Anbetung eines nicht existenten Gottes und das Trinken eines nicht einmal ansatzweise geweihten Wassers sie retten würde. Doch Meister Joel schien Erfahrung mit dem Sturkopf des Weibes zu haben.

"Euch wünscht sie also zur Hölle? Weil Ihr... Jude seid?", fragte sie leise. Für sie war es immer schon unnötig gewesen, irgendeinen Glauben irgendwie anders zu betrachten als andere. Sie teilten mit den Juden das alte Testament und das neue... wen interessierte es, ob die Juden an Jesus glaubten? Sie jedenfalls nicht besonders, wenn Meister Joel sich so für seine Patienten aufopferte. Was zählte war immer der Mensch, nicht sein Glaube, seine Hautfarbe, seine Überzeugungen. Sie ging langsam neben dem Gelehrten her und seufzte schwer. "Wir leben in einer beschissenen Welt. Der Vatikan greift an, weil wir nicht alle Christen sind und verletzt dabei Christen, Juden und Heiden gleichermaßen. Macht sich darum jemand Gedanken im Vatikan? Was sind das nur für Menschen, die nicht an den Menschen denken?", überlegte sie laut. Das war keine gute Welt, in der ein Mann des Glaubens einfach ein Land angriff, in dem alle friedlich lebten...
 
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Braga Blackthorn

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Re:Auf alten Pfaden      12.01.2019 21:59:53 --- 6 Tage, 19 Stunden her  
Nein“, erwiderte er ihre Frage, „Ich hätte gar nicht erst geboren werden dürfen. Aber ich glaube, ihr gefällt nur meine Nase nicht“, scherzte er, doch waren die Worte der alten dennoch verletzend.
„Menschen finden viele Gründe, um anderen Leid' zuzufügen. Religion alleine ist nicht immer der Grund“, er zuckte mit den Schultern, „Es gibt weitaus niedere Ansichten, als die Religion, um andere hinzuschlachten“, und er hatte solche Gräuel erleben müssen. Nach seiner Lehre in Salerno war er einige Jahre gereist, weil dies seine Pflicht war, ehe man ihn als einen vollwertigen Medicus ansehen würde. Und schon in dieser Zeit hatte er viel Leid gesehen. Und nicht selten waren es belanglose Dinge, die so aufgetürmt wurden, dass am Ende Blut fließen musste.

Schließlich standen sie vor dem Haus der alten Frau. Einen kurzen Moment starrten sie beide schweigend auf das Haus, ehe Joel den ersten Schritt wagte. „Dann lass uns mal an der himmlischen Pforte anklopfen“, meinte er mit einem kecken Grinsen. Sogleich klopfte er dreimal an die Tür. Zuerst hörte man nichts, ehe eine Stimme hinter der Tür zu vernehmen war.
Wer ist da? Lasst mich in Ruhe!“, rief die alte Frau. Joel seufzte leise. „Wir wollen euch nichts Böses. Wir wollen nur helfen. Die Medizin, die ich euch bringe, stammt aus Gottes Hand, denn schließlich erschuf er diese Erde und die Kräuter, die euch helfen können, all die Schmerzen loszuwerden“, rief Joel laut aus. Hühner wanderten über den Hof, pickten auf dem Boden herum. Jemand hatte wohl Korn auf dem Boden verstreut und eifrig waren die Tiere dabei, sich die Wänste vollzuschlagen. Zwei junge Männer liefen an dem Haus vorbei und hatten mitbekommen, was dort vor der Tür vor sich ging. Sie wurden langsamer und schienen die Situation zu beobachten.

Aus dem Haus jedoch kam keine weitere Antwort. „Nun“, sagte er leise, ehe er wieder zur Tür sah, „Wir lassen etwas hier, was ihr trinken könnt“, rief er aus, „Es hilft euch....wirklich“, versuchte er sie zu überzeugen. Er schenkte etwas in die Schüssel und stellte diese dann an der obersten Stufe ab, direkt an der Tür. „Wir gehen nun. Einen schönen Tag“, verabschiedete er sich noch, ehe er sich zu Johanna umwandte.
Jetzt liegt es alleine bei ihr“, sagte er nur leise zu ihr, ehe er den Hof verließ. Die jungen Männer, die sich bedeckt hielten, hatten er nicht bemerkt. Und als sie sahen, dass Joel den Hof verließ, gingen sie weiter, als wäre nichts gewesen. Natürlich drehten sie sich noch mehrmals um. Doch Joel entging dies völlig. „Und nun...sollten wir uns ausruhen. Jeder hat sein Mittel bekommen. Etwas Schlaf...das wäre nun genau das richtige“.


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Re:Auf alten Pfaden      13.01.2019 15:31:54 --- 6 Tage, 2 Stunden her  
Sie lachte leise. "Ja, Charakternasen gefallen nicht jeder Frau", kam es amüsiert über ihre Lippen. Natürlich war ihr klar, dass dieses dumme Weib ihn wirklich wegen seiner Religion verabscheute. Ob die wusste, dass ihr Christus Jude gewesen war? Die würde glatt umkippen und zur Hölle fahren, nur weil Satan garantiert kein Jude gewesen war.

"Jeder Grund ist einer, der mir Arbeit verschafft und Euch auch. Es gibt niedere Gründe, ja, doch was ich hier sehe... das ist... mein Vater würde sagen, die, die das hier taten, haben ihre Chance vertan, ins Himmelreich einzugehen. Ich sage, sie haben ihre Menschlichkeit vergessen. Und wenn wir ehrlich sind: Sie haben Gottes Gebote mit Füßen getreten. Du sollst nicht töten. Du sollst den Namen des Herren nicht missbrauchen. Du sollst nicht die Ehe brechen - und Frauen zu schänden, kann man wohl so auslegen. Du sollst nicht stehlen - doch Brot, Vieh, alles nimmt man sich im Krieg. Du sollst nicht falsch gegen deinen nächsten Aussagen - und zu behaupten, wir alle seien Heiden... dabei ist jeder Christ, jeder Mensch unser Nächster. Du sollst nicht verlangen nach deines nächsten Hab und Gut. All das hat der Vatikan aber getan und sollte mir einer dieser popeligen Pfaffen und Kirchenfürsten vor die Nase kommen, werde ich denen erzählen, wohin sie sich ihre christlichen Gebote schieben können, wenn sie die sowieso mit Füßen treten!" Sie hatte sich offensichtlich in Rage geredet, denn wütend trat sie einen Stein von sich, der über die Straße davon hüpfte. "Verzeiht, es sind ja die selben jüdischen Gebote, die sie verletzt haben. Ich wollte Euch sicher nicht beleidigen." Die Gebote waren nicht da, um sie immer einhalten zu können. Auch sonntags musste man essen. Auch sonntags brauchte man manchmal neues Wasser. Manchmal wurde jemand krank und man neidete die Gesundheit der anderen. Doch Johanna wusste, dass die Gebote nicht dazu gemacht waren, sie immer nur zu befolgen. Mancher Kirchenvollpfosten aber, der sich rühmte immer Gottes Werk zu tun, der übersah Gottes Gebote, falls es diesen Gott denn überhaupt gab. Sie glaubte nicht mehr daran, dass es ihn gab. Sie hatte die alte nicht belogen, als sie gesagt hatte, sie sei getauft worden, aber sie hatte verschwiegen, dass sie dachte, all die Gebete seien nutzlos, weil Gott eben einfach nicht existierte.

Am Haus der alten Dame hielt Johanna sich vornehm zurück, denn das war nicht ihr Kampf, konnte es gar nicht mehr werden. Sie beobachtete die Szenerie genau und merkte sich, mit welcher Klugheit der Gelehrte vorging. "Ja, es liegt bei ihr, aber vermutlich wird sie bei Dunkelheit die Schale hereinholen und es trinken." Irgendwas sagte ihr das. "Und Euch danken, wird sie nicht. Nur ihrem Gott..." Aber vermutlich war das auch gar nicht wichtig. Sie blickte kurz über die Schulter und dann sah sie zurück zu Meister Joel.

"Nicht jeder hat sein Mittel bekommen Meister Joel", lächelte sie. "Euer Rücken... um den müssen wir uns noch kümmern, ehe Ihr ins Traumland verschwinden dürft." Ihr Blick war leicht besorgt und diese Besorgnis war etwas, das sie selten für Menschen hatte. Braga Blackthorn lag etwas an diesem Gelehrten und sie, sie mochte ihn auch. Daher entschied sie einfach, dass sie ihm helfen würde.
 
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Re:Auf alten Pfaden      15.01.2019 16:30:42 --- 4 Tage, 1 Stunde her  
Er zuckte mit den Schultern. „Ihr habt es also nicht vergessen“, er lächelte knapp, „Dann lass uns zu der bescheidenen Hütte zurückkehren und uns etwas Ruhe gönnen. Wir können nun sowieso nicht mehr viel tun, außer abwarten“, und so geschah es auch. Nachdem Johanna sich um den Rücken des Mannes gekümmert hatte, ruhten sie sich erst einmal aus. Der Schlaf kam schnell über die müden Heiler und keiner der Bauern kam zu ihnen. So fanden sie Zeit, sich was Einfaches zu Essen zu kochen. Sie unterhielten sich viel über mögliche Heilmethoden. Joel erklärte ihr die Dinge, die er einst in Salerno gelernt hatte. Er schenkte ihr sogar ein Buch, welches einige Rezepte beinhaltete, die bei besonderen Krankheiten und „Zwischenfälle“ half. Da er selbst all diese Dinge bereits in seinem Kopf hatte, war es ihm nur gerecht, das Buch an eine andere lernende Person abzugeben.
Der Tag verging und auch der nächste Tag war ereignislos. Niemand war da, der ihre Dienste brauchte. Am Abend gingen sie noch einmal von Haus zu Haus, überprüften, ob es jenen Leuten besser ging. Und das Mittelchen zeigte tatsächlich Wirkung. Doch bis zur vollen Genesung würde es dauern. Und jeder von ihnen würde unterschiedlich genesen.
Auch die alte Frau suchten sie auf. Die Schüssel war weg, doch sie öffnete nicht die Tür. Und Joel war das Annehmen der Medizin schon genug Dank. So verbrachten sie einen weiteren ruhigen Abend, unterhielten sich und lernten sich besser kennen.

Joel erzählte von seiner Heimat. Von den Abenteuern, die sein Vater ihm einst erzählt hatte. Auch sein Vater war ein Gelehrter der Medizin. Und er arbeitete sogar am Hofe der Königsfamilie von Jerusalem. Doch als diese Familie zerbrach und in alle Winde zerstreut wurde, war auch er selbst rastlos. So verließ er das Heilige Land und bereiste die Welt, nachdem er Jahre zuvor in Salerno gelernt hatte. Und eines Tages kam er an den Hof in Lissabon, als man nach einem kundigen suchte. Dort traf er den Blackthorn, der diesen Namen dort noch nicht trug.
Warum nennt man ihn eigentlich so?“, fragte Johanna in neugierig. Joel grinste nur, während seine Hand nach einer weiteren Brotscheibe griff. „Es gab eine Zeit, da hat Braga eine Menge Schlehenbrand getrunken“, fing er an zu erzählen, „In Lissabon ist es schwer, an guten Met zu kommen“, setzte er weiter fort, „Und irgendwann trank er nur den Brand. Sehr selten Wein. Die Männer begannen ihn nach der Beere zu benennen...Schlehdorn....Schwarzdorn...“, er lächelte, hatte er diese Entwicklung selbst miterlebt. „Viele Leute glauben, er habe eine schwarze Seele. Und dass er einst als junger Mann einen Dämon erschlug, der in den Wäldern seiner Heimat hauste. Der Dämon sei in ihn übergegangen, deshalb konnte ihn bis heute keiner töten. Und deshalb ist sein Blut auch schwarz“, er atmete tief durch, „Dann ist die Enttäuschung größer, wenn man ihnen erzählt, dass er den Namen nur trägt, weil er gerne den einen oder anderen Brand trinkt“, er kicherte etwas, ehe er etwas von der Brotscheibe abbiss.


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