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THEMA: Re:Auf alten Pfaden
 
Liam Blackthorn

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Re:Auf alten Pfaden      27.01.2019 13:03:14 --- 4 Monate, 4 Wochen her  
Sein Blick lag voller Sorge bei ihr. Doch als er sie von dem Scheiterhaufen befreit hatte und sie diesen sogleich verlassen hatten, schien ihre eigene Sorge den anderen zu gelten. Eben noch war ihr tot gewiss. Und nun hatte sie sich selbst vergessen. Sie war beeindruckend und zugleich kümmerte sie sich nicht um sich selbst. Eine selbstlose Person ohne gleichen.
Sanft berührte er sie an den Schultern. „Atme durch, bist du gerade erst dem sicheren Tod entgangen“, er lächelte ihr beruhigend zu, war er jedoch innerlich aufgewühlt. Warum er hier war? Warum er davon wusste? Einer der Bauern aus diesem Dorf kam in die Stadt. Er hatte überall nach dem Blackthorn gefragt. Er wusste, zu wem diese Leute gehörten. Und er hatte nicht vergessen, dass es Johanna und Joel waren, die ihn und seine Kinder gerettet hatten. So hatte er gehandelt und machte sich inmitten in der Nacht auf, um nach Exeter zu kommen. Nun war er zurückgekommen und bei ihm war der Mann, zu dem diese Gefangenen gehörten. Im letzten Moment schien man den Schnitt der Nornen verhindert zu haben.

Im Hintergrund trieb man die Männer zusammen, die hier all diese Gräueltaten zu verantworten hatten. Die Frauen und Kinder dagegen schickte man zurück in die Häuser. Vater und Mutter des kleinen Alfred waren in voller Sorge. Sie weinte, hielt sie ihr Kind. Der Vater versuchte, seine Stärke zu zeigen, doch war er selbst in Tränen ausgebrochen. Der kleine Alfred hatte leichte Wunden im Gesicht. Doch keine ernsten Brandspuren. Die Nase des Jungen blutete und wahrscheinlich würde die eine oder andere kleine Narbe bleiben.
Joel trat näher, nachdem Johanna sich beinahe um alles gekümmert und Anweisungen hinterlassen hatte. „Wir sollten uns um den Kleinen kümmern“, meinte er ruhig zu ihr. Braga sah zu seinem alten Freund hinüber. Und sie umarmten sich freundschaftlich, was der Jude jedoch mit einem schmerzverzerrten Gesicht ein wenig anders zum Ausdruck brachte.
Mein Rücken, der bringt mich noch um“, fluchte er, musste er aber leise lachen.
Es ist gut dich wohlauf zu sehen, mein alter Freund“, Joel nickte und sah zu Johanna. „Ohne ihren festen Glauben an euch wären wir wohl alle ein wenig durchgedreht“, gab er zu und lächelte ihr milde entgegen, „Eine beeindruckende junge Frau“, nun sah auch der Blackthorn zu ihr. „So ist es“, gab er Joel recht. Nun war es der Söldnerhauptmann und der Gelehrte, die Stolz auf die kleine rothaarige waren.

Schließlich zeigte Johanna auf den Anführer der Bauern. Er war es, der für diese Schandtat verantwortlich war. Und er würde es sein, der am meisten an dieser Sache büßen würde. „Kümmert euch um den Jungen. Er ist der Held in dieser Geschichte“, sagte er zu den beiden, ohne den Blick von dem Kerl zu lassen. Ein Nicken folgte, sodass zwei Norweger den großen Metzger auf die Beine brachten. Er war nur ein kleines Stück größer als Braga, konnte man diesen kleinen Größenunterschied erkennen, als Braga direkt vor dem Kerl stand. Von Reue war in den Zügen des Mannes nichts zu sehen. Einen ganzen Augenblick lang sahen die beiden sich nur schweigend an. Niemand wusste, welche Gedanken sie hatten. Und diese stille machte den ein oder anderen nervös.
Ich habe nichts unrec....“, doch aussprechen konnte er nicht, hämmerte Braga ihm seine Stirn gegen die Nase. Ein knacken und knirschen folgte und die Norweger johlten laut, als Braga hier seine Position deutlich gemacht hatte. Die Kopfnuss hatte seine Wirkung voll ausgespielt, war die Nase gebrochen. Das Blut lief über die Lippen des Mannes und stopfte vom Kinn herab. Erst jetzt schien er zu begreifen, dass seine Lage eine hoffnungslose war und er hier noch auf eine Art rauskommen würde.
Es war ein Fehler gewesen, den du begangen hast“, sprach Braga ruhig und kalt zu ihm, während er mit dem Finger auf ihn zeigte. Die Augen des Metzgers wurden größer. „Du wirst den vollen Zorn meiner Götter spüren. Dein Gott wird dich nicht retten!“, zischte er giftig, wie eine Schlange. Dabei zog er sein Messer und zeigte mit der Spitze auf seinen Unterleib. Einer der Männer entriss dem Kerl den einfachen Gürtel und zog ihm die Hosen aus, sodass er entblößt vor der Söldnermenge stand. Braga trat näher auf ihn zu, sah ihm noch einmal in die Augen, ehe er den Schwanz des Mannes ruckartig packte. Er versuchte sich zu entwinden, doch die Norweger hatten einen Griff, die den Ketten der Götter gleich waren. Er konnte seinem Schicksal nicht entgehen. Und Bragas Messer war scharf und kalt. Ein Schnitt, ein ruck, mehr brauchte es nicht und der Blackthorn hielt das Glied des Mannes in seiner Hand. Das Schreien erfüllte die Nacht und es war entsetzlich, dass es einem durch Mark und Bein ging. Braga warf das abgetrennte Glied weg und ein Hund, der in der Nähe stand, schnüffelte am Boden, bis er das Stück fand und es beinahe verschlag und darauf rumkaute, als sei es ein weiches Stück Knorpel. Der Mann dagegen rutschte auf die Knie, die Hände vor seiner klaffenden Wunde. Die nackten Oberschenkel färbten sich rot vom vergossenen Blut und entsetzlich schrie der Mann und vergoss bittere Tränen. „Sieben mal sollst du vergeben!“, zitierte Braga laut die Bibel, „Und sieben mal lasse ich dich durch deine eigene Hölle gehen“, verspottete er den Glauben des Mannes dann. Die Norweger zogen den Metzger lachend auf die Beine. Mit heruntergelassenen Hosen schickten sie ihn los. Sie würden ihn siebenmal um das Dorf laufen lassen, um ihn seine eigene Medizin schmecken zu lassen. Nur kleine Schritte konnte er gehen, spannte sich seine Hose noch um seine Knöchel. Entweder würde er bei diesem Gang verbluten oder dem Blackthorn die Freude für einen grausigen Abgang ermöglichen.
Sein Gefolge, die alles mit angesehen hatten, merkten, dass sie in einer ziemlich beschissenen Lage steckten. Doch ein Entkommen gab es jetzt nicht mehr. Sie würden die Nächsten sein. Das war gewiss, wie der Sonnenaufgang, der sich langsam anbahnte.

Sanft legte Joel seine Hand auf Johannas Schulter, während im Hintergrund der Metzger weinend und bettelnd seinen Weg antrat und den Scherzen der Norweger ausgesetzt war. Der Blackthorn gab neue Anweisungen auf seiner Muttersprache. Für die anderen Narren hatte er eine besondere Überraschung, um ihnen ihr Fehler aufzuzeigen. „Wir sollten zu dem kleinen“, sagte Joel ruhig, „Es ist vorbei. Die Gerechtigkeit hat gesiegt. Nun wird es nur noch grausig und blutig“.


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Johanna

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Re:Auf alten Pfaden      27.01.2019 16:52:07 --- 4 Monate, 4 Wochen her  
Zitternd nickte sie und blieb einfach stehen, wo sie stand. Wenn sie jetzt nicht acht gab, dann würde sie zusammen klappen. Sah er das nicht? Sie musste etwas zu tun bekommen, sonst waren die Gedanken an diesen Scheiterhaufen übermächtig und sie würde begreifen, dass sie zwei Mal dem Tod entronnen war.

Johanna beobachtete einfach. Beobachtete die Söldner, die Delinquente zusammen trieben, die ganz offen Angst hatte, sah weinende Frauen und brüllende Kinder, die zurück in ihre Häuser geschickt wurden und versuchte das Gespräch zwischen dem Blackthorn und dem Gelehrten auszublenden. Glaubten die beiden wirklich, dass sie so stark war, dass sie alles tragen konnte. Als die zwei sich trennten, sah sie voller Sorge zu ihrem Lehrer und meinte dann leise: "Und gleich nach dem Jungen, seid Ihr dran, Meister. Und keine Widerrede!" Ihre Seele würde nicht heilen und die paar Schrammen und blauen Flecken konnten warten.

Der Blackthorn befahl, sich um den Jungen zu kümmern und Johanna wandte sich ab, jedoch ließ es ihr keine Ruhe. Sie musste sehen, was der Blackthorn ihm antun würde. Ekel war es, was es in ihr auslöste, wenngleich sie angesichts der gebrochenen Nase des Mannes kurz Genugtuung empfunden hatte, war alles andere einfach nur... eine weitere Seite des Blackthorn, die ihr Angst machen sollte, es aber nicht tat. Diese berechnend kalte Art der Bestrafung, diese Qual, die Sadismus gleich kam... Johanna beobachtete sie und das Schlimmste an der Sache war, dass sie sich nicht vor dem Herren ekelte, sondern vor sich selbst. Grimmig beobachtete sie, die blutige Szenerie, den Schmerz und konnte nicht anders, als zu glauben, dass es verdient war, was geschah. Der Gott der Christen hatte wieder geschwiegen und Johanna, die hörte keine Raben mehr und keine Wölfe. Sie sah nur den Blackthorn, der gottgleich richtete und durchaus wusste, wie er diesem Schlächter einen schmerzvollen Tod zufügen konnte.

Ihre Hände ballten sich zu Fäusten und vermutlich hätte sie sich das gesamte Spektakel angesehen, wenn nicht Joel gewesen wäre, der sie fortbringen wollte. Fort von dem, was nur noch Hass und Qual wäre. Ahnte er, dass Johanna es irgendwann sicher nicht mehr ertragen würde und wollte sie deswegen geschäftig wissen. "Ich... hole meine Tasche... Aus Eurem Haus..."

Über die Schulter sah sie zum Blackthorn: "Jemand muss Edith... begraben." Ihre Stimme war leise, aber sie wusste nicht, ob er diesen Befehl auch erteilt hatte.

Eine Weile ging sie schweigend neben dem Gelehrten her, zitternd angesichts der Tatsache, dass es Nacht war und der Morgen bald kommen würde. "Noch ehe der Morgen kommt, ist der Metzger tot...", sagte sie unvermittelt. "Sie alle werden tot sein und der Scheiterhaufen wird trotzdem da stehen und die Seile werden am Richtbaum hängen und es wird andere geben, andere die den Katholiken in ihrem Fanatismus nachlaufen." Wut schwang in ihrer Stimme, als sie dann einfach weiter ging, darauf achtend, ob sie den Gelehrten stützen müsste. Ab und an späten Menschen durch die Fenster, aber die meisten hatten zu große Angst, vermutete Johanna, als dass sie etwas unternehmen würden. Nein, dieses Dorf würde lernen, lernen was es hieß, wenn man sich mit den Söldnern des Blackthorn anlegte.

Während sie die Schritte durch die Gassen lenkte, hörte man das Johlen und Schreien der Söldner, sie hörte sogar den Blackthorn manchmal, jedenfalls bildete sie es sich ein, bis sie endlich das Haus des Gelehrten erreichten.

Sie war es, die eine Kerze entzündete und leise seufzte. Einige Kolben lagen zerbrochen auf dem Boden, genauso roch es nach verschüttetem Tee. Ihr herabgefallener Becher lag noch da, aber auch ihre Tasche und das Schwert des Meisters standen noch in einer Ecke. "Euer Schwert ist noch da...", stellte Johanna fest und ging zu ihrer Tasche, um darin zu wühlen. "Die wollten wirklich nur uns... Alles noch drin", flüsterte sie und griff nach einem Fläschchens des Narkotikums, welches sie fest an sich presste. Kurz war sie versucht, einen Schluck zu nehmen, doch dann steckte sie es weg und nahm eine Salbe heraus, die sie kurz in den Händen drehte.

Erst dann hängte sie sich die Tasche um, griff nach ihrem Umhang und reichte dem Gelehrten den seinen. "Es wird Kälter, je näher der Tag kommt. Und Ihr... eigentlich müsste ich mir Euren Rücken zuerst ansehen... Der hat viel mitgemacht und... aber ich kenn euch ja. Erst die anderen und dann Ihr... Und dann geh ich zurück zu den Söldnern." Wie sie ihm sagen sollte, dass sie nicht glaubte, dass es klug war, hier zu bleiben, wusste Johanna nicht. Also fragte sie: "Begleitet Ihr uns? Hier ist es... gefährlich für einen jüdischen Arzt. Die Katholiken kommen bestimmt wieder und... Euch darf nichts passieren." Nein, Johanna wollte das sicher nicht. Er könnte auf dem Karren mitfahren, bis sein Rücken wieder besser war oder aber beim Blackthorn vorn mit reiten. Johanna wusste nur eines sicher: sie hätte keine Ruhe, wenn er hier bliebe.
 
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Liam Blackthorn

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Re:Auf alten Pfaden      29.01.2019 13:52:21 --- 4 Monate, 3 Wochen her  
Er verzog leicht das Gesicht. „Wenn wir uns den Jungen angesehen haben, kannst du dir meinen Rücken anschauen. Aber ich denke, Schlimmes ist mir erspart geblieben. Ich kann ja noch stehen und laufen“, er zuckte mit den Schultern. Der ganze Stress, all dieses Adrenalin, was noch immer in seinem Körper pulsierte, hatte den Schmerz genommen. Ihn betäubt. Sicherlich würde es bald abklingen. Aber sie hatte es richtig erahnt, er wollte erst einmal helfen. Er hatte gesehen, was der Junge getan hatte. Er war ihm dies schuldig. Dies und vieles mehr. Würde er die Familie unterstützen, wenn es ihm möglich war. An seinem Silber würde es nicht scheitern, verdiente er mehr als genug unter dem Blackthorn. Da würde es ihm nicht schaden, ein wenig Silber dieser Familie zukommen zu lassen.
Nah komm, lass uns was tun. Ich will diesen Ort bald verlassen. All das hinter mir lassen“, er nickte ihr zu und zusammen traten sie aus der Hütte. Den Rest seiner Werkzeuge würde er später von einigen Söldnern holen lassen. Sicherlich gab es nicht mehr viel, was er verwenden konnte. Also musste er sowieso bald neue Dinge kaufen.

Sie gingen ein Stück, als sie ihn fragte, ob er bleiben würde. Er blickte einen Augenblick schweigend nach vorne. „Jetzt, wo die Söldner zu Dutzenden hier sind, wird es kein selbst ernannter Hexenjäger mehr versuchen, uns zu packen. So dumm kann keiner sein“, und das wahr ihm auch ganz recht. Endlich schien die nachklingende Angst aus seinen Gedanken zu verschwinden. Aber mit der Ruhe kam auch wieder die Anspannung, und der sich aufbauende Schmerz im Rücken. Vor Johanna wollte er dennoch keine Schwäche zeigen. Schweigend traten sie durch das Dorf und beide blickten zu der Scheune, in der sie fast drei Tage festgehalten wurden. Das Tor war offen. Ediths Leiche hatte man bereits weggeschafft. Wahrscheinlich hatte man sie am Rande des Dorfes vergraben. Weit weg von ihren Peinigern. Und mit einem Stein, der die Stelle markieren sollte. Ihre Mörder dagegen würden keine solche Ehre erhalten. Ein namenloses Grab. Für immer vergessen. Unbedeutend.

Sie erreichten das Haus des Jungen und dort gingen sie sogleich auch an ihre Arbeit. Sie taten, was sie für den Jungen tun konnten. Die Nase war gebrochen und Joel kümmerte sich darum, diese wieder zu richten, damit sie nicht schief bliebe. Es knackte natürlich und der junge weinte heftig. Doch die Mutter war zur Stelle und irgendwann wurde es besser, bis er vor Erschöpfung einschlief. Er gab der Mutter Kräuter, die milde in der Behandlung waren und die Schmerzen betäuben würden, wenn diese eintreten. Er schlief ruhig und hatte eine Menge hinter sich. Die Ruhe hatte er sich verdient.
Sorgt dafür, dass er die nächsten Tage ruhe hat. In ein paar Wochen wird es wieder besser sein. Er wird sich darüber beklagen, dass ihm das Riechen schwerer fällt. Aber das wird sich wieder geben. Er ist ein mutiger junger Kerl“, dabei sah Joel rüber zu dem kleinen. An seinem Bett saß Johanna, die ihn irgendetwas erzählte. Er schlief und dennoch sprach sie ihm sanft zu. Ein Lächeln kam über seine Lippen, erinnerte Johanna ihn an seine Schwester, die schon sehr früh geheiratet hatte. Sie war eine geborene Mutter, dessen Liebe im ganzen Haus zu spüren war. Auch Johanna würde sicher eines Tages eine gute Mutter werden, denn sie war eine sanfte, stets umsorgende Frau.

Doch wurde dieser ruhige Moment plötzlich durch das entfernte Geschrei eines Mannes durchbrochen. Man hörte Hammerschläge und das Schreien wurde mit jedem Hammerschlag entsetzlicher. Joel runzelte die Stirn. Ohne ein Wort wandte er sich ab und trat aus dem Haus heraus. Draußen angekommen blickte er über die Straße. „Um Himmels willen!“, sagte er leise, ging ein paar Schritte vor, ehe er stehen blieb und seinen Mund vor Entsetzen mit seiner Hand zuhielt.
Provisorisch hatten die Söldner Pfähle aufgestellt. Anders, wie es die Kirche sagte, hatten sie begonnen, die Männer an diese Marterpfähle zu nageln. Ihre Hände hatten sie übereinandergelegt und lange Eisennägel durch die Handflächen geschlagen. Auch die Beine hatten sie mit langen, kräftigen Nägeln an den Pfahl genagelt. Es war ein entsetzliches Bild, als man langsam die Pfähle mit Seilen aufstellte. Der Blackthorn saß dabei auf seinem Pferd und beobachtete, wie seine Männer der grausigen Arbeit nachgingen. Keine von ihnen schien Reue zu haben.
Nahe des Kastanienbaumes waberte der Rauch von einem Feuer in die Luft. Der Pfahl, an dem einst Johanna festgeschnürt wurde, war schon fast zerborsten von den Flammen. Die kleine, verkohlte Leiche, die zusammengekauert auf dem Scheiterhaufen lag, war einst der Metzger. Seinen Bußgang um das Dorf hatte er hinter sich gebracht. Dann hatte Braga ihn ohne Skrupel den Flammen überlassen. Seine Vergeltung war getan. Seine Botschaft war klar und deutlich. Niemand würde noch einmal seine Leute anfassen, ohne das eigene Todesurteil zu unterschreiben. Er würde ihnen stets eine Geißel sein, wenn sie ihm eine solche Wunde schlagen würden.


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Johanna

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Re:Auf alten Pfaden      29.01.2019 21:14:41 --- 4 Monate, 3 Wochen her  
Nein, sie kommentierte nicht, dass Joel ein unverbesserlicher Sturschädel war, der verblutend da liegen könnte und immer noch einen Schnitt im Finger eines anderen für wichtiger halten würde. Wobei das der Punkt wäre, an dem Johanna den Lehrmeister kalt stellen würde... Es schnitt ihr sogar ins Herz, dass er bleiben wollte. "Die Söldner werden auch wieder gehen... egal was der Blackthorn macht... der Hass auf unseresgleichen wird nur immer und immer schlimmer werden." Das hatte ihr das geplante Massaker wohl gezeigt. Man hielt sie für Mörder, Teufelsanbeter und Pack, für nicht mehr und nicht weniger.

Als sie an der Scheune vorbei kamen, sah sie vielleicht etwas Anderes, als der Gelehrte. Sie sah das Blut auf dem Boden, spürte förmlich Ediths Geist umgehen und sie sah die alte vor sich. 'Ich sag es ihm ja, Edith. Du weißt, er wird sich nicht von Botschaften aufhalten lassen', murmelte sie der Alten in Gedanken zu. Sie würde sich später zeigen lassen, wo Edith begraben lag. Egal wo man die Dörfler verscharrte, Ediths Grab sollte Blumen bekommen. Sie sah durchaus den Schmerz, den der Gelehrte haben musste, an seiner Körperhaltung, aber Johanna schwieg sich darüber aus. Es war gnädig, ihn zu lassen und erst später das zu tun, was getan werden musste.

Im Haus des mutigen Burschen, tat Johanna alles, um zu lernen, richtig zu assistieren und geschäftig zu sein, bis der Meister erklärte, was zu tun sei. In dieser Zeit saß sie am Bett des Jungen und erzählte ihm von seinem mutigen Kampf und davon, dass er ein Held war, erzählte wie Braga Blackthorn mit seinen Getreuen nur durch ihn, den mutigsten Burschen England, die Möglichkeit gehabt hatte, sie alle zu retten und als sie aufstand flüsterte sie ihm ein: "Ich danke dir" ins Ohr. Der Mutter reichte sie eine fetthaltige Salbe und seufzte leise. "Für die Verbrennung. Sie kühlt und beruhigt. Und wenn die Wunde geheilt ist, gebt ihr das darauf..." Sie stellte einen kleineren Tiegel auf den Tisch. "Zwei Mal täglich damit cremen, wenn sich neue Haut bildet und es wird wirklich kaum eine Narbe zu sehen sein. Aber er soll damit prahlen, dass er uns alle gerettet hat. Sagt ihm... es gibt keinen mutigeren Krieger in ganz England." Ein Lächeln umspielte ihre Lippen, als sie sich abwandte und der Schrei die Nacht durchdrang.

"Ich will keine Patienten mehr, außer es sind Söldner!", fauchte sie, als sie hinter Joel aus dem Haus trat. Im Gegensatz zu dem Gelehrten, sah sie zwar im ersten Moment mit Schrecken auf das Spektakel, dann aber schüttelte sie den Gedanken einfach ab. Sie besah sich, was der Blackthorn mit denen machen ließ, die Hand an die legten, die unter seinem Schutz standen. "Ich sagte doch, wie ein Stachel, der im verfaulenden, schwarzen Fleisch seiner Feinde steckt, Meister...", sagte sie leise. Ihr Blick hatte sich nur kurz zu dem entzündeten Scheiterhaufen gewandt, auf dem der Metzger oder das was von ihm übrig war, verbrannte. Sie hatte erwartet, dass der Blackthorn vielleicht jemanden an ihrer Stelle brennen lassen würde. Sie unterließ es zu sagen, dass ihr ein Pfaffe als brennbares Gut lieber gewesen wäre, sondern verschränkte die Arme vor der Brust und blickte wieder zurück auf die Pfählung. "Schade... wenn er mir auch nur einen Arm überlassen hätte... hätte ich ein Übungsobjekt gehabt", seufzte sie leise und es klang verbittert und tatsächlich bedauernd. "Ich hätte ihm jeden Tag einen anderen Finger abgetrennt und gesehen, ob es wieder zusammen wächst... schade... Ich werde es wohl nie heraus..." Sie unterbrach sich. In einem der Stiefel, der Männer, die sie gerade festnagelten steckte es.

Wie gebannt war ihr Blick auf den Griff geheftet, der eindeutig zu etwas gehörte, das gestohlen worden war, als sie losging, fast mit dem Pferd des Blackthorn zusammen stieß, es umrundete und neben einem winselnden Häuflein Elend in die Knie ging. "Du hast da was, das mir gehört...", zischte sie und zerrte das Messer aus dem Stiefelschaft, zerschnitt dabei Leder und Haut gleichermaßen. Es kümmerte sie nicht mal, denn der Kerl würde so oder so sterben. Einen Moment hielt sie inne, betrachtete das blutige Messer und blickte auf in das Gesicht des Mannes, der sie vor einigen Tagen noch geschlagen und entwaffnet hatte. Sie nutzte sein Hemd, um das Messer abzuwischen, ehe sie es zurück an ihre Hüfte band.

Unwillkürlich fühlte sie sich sicherer, als sie zurück zu Joel ging. Natürlich wusste sie, was er vermutlich sagen wollte, doch sie presste die Lippen aufeinander und griff nach seinem Arm. "Kommt, Meister Joel... Euer Rücken wartet darauf begutachtet zu werden. Hier sind nur noch Todgeweihte. Ich mische mich da nicht ein und das solltet Ihr auch nicht. Ich weiß... Kreuzigung... ist makaber und es wird Stunden dauern, ehe sie tot sind, aber wir können nichts tun. Er hat sich entschieden und ich werde ihm nicht reinreden." Ihm musste doch klar sein, dass hier ein Exempel statuiert wurde und ihr war klar, dass sie nicht um Gnade für diese Kreaturen bitten würde. Sie konnte es nicht. Es erfüllte sie mit Scham, aber nichts in ihr konnte das ertragen, dass diese Männer so viel schlechtes in ihr Leben gebracht hatten. Da kümmerte sie sich weit lieber um den Rücken eines Gelehrten. Sanft legte sie eine Hand in den Rücken des Lehrmeisters und meinte leise: "Ihr habt Schmerzen. Bitte, lasst mich noch ein bisschen geschäftig bleiben...", flehte sie leise. Solange ihre Hände und ihr Geist beschäftigt waren, würde sie nicht die Nähe des Söldnerhauptmannes brauchen, um nicht die Fassung zu verlieren. War der Blackthorn auch sadistisch? Nein, er tat es, weil wirklich Schlimmes geschehen war. Auge um Auge... Johanna war klar, dass er sie alle auch leben lassen könnte, aber ihr war auch klar, dass er das nicht tun würde.
 
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Liam Blackthorn

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Re:Auf alten Pfaden      30.01.2019 16:27:14 --- 4 Monate, 3 Wochen her  
Er nickte, als sie ihn darum bat, sich seinen Rücken anzusehen. „Es ist wohl besser so“, sagte er leise und wandte sich langsam von dem grausigen Schauspiel ab. Zurück im Bauernhaus kümmerte sich Johanna um den Rücken des Gelehrten. Sein Obergewand zog er sich aus und ließ sie ihre Arbeit machen. Der Rücken hatte sich verfärbt an den Stellen, wo der Mann ihn mit dem Knüttel getroffen hatte. Dunkelblau waren die stellen. Und jetzt, wo langsam Ruhe einkehrte, spürte er den drückenden Schmerz. „Und, wie sieht es aus?“, fragte er sie neugierig, „Brauche ich einen neuen Rücken? Oder macht der noch ein paar Wochen?“, scherzte er ein wenig, zuckte aber wieder zusammen, als ihre Finger nur sanft die Stelle berührte, die so dunkelblau war.
Vorsicht Liebes, ich kann sehr wehleidig werden“, entgegnete er ihr und musste etwas grinsen, als der Schmerz verflogen war.

Plötzlich klopfte es an der Tür des Bauernhauses. Die Frau, die Johanna bei ihrer Arbeit beobachtet hatte und zur Not helfen würde, trat an ihnen vorbei, direkt zur Tür. Sie öffnete diese und man konnte von Joel aus sehen, dass es sich zumindest um eine der Söldner handelte. „Ja, sie sind hier, Herr“, sagte sie, schien der Kerl sie was gefragt zu haben. Sie machte platz und es traten sogar drei Söldner ein. Einer von ihnen humpelte und hatte einen Stock. Die anderen beiden waren Norweger, die sich beim Eintreten in das Haus ein wenig ducken mussten.
Braga fand Joel und Johanna sofort und blieb stehen. „Haben sie dich sehr verletzt?“, fragte er, wusste er nicht, dass man ihnen so zugesetzt hatte. Joel nickte. „Aber ich habe jemand Fähiges stets hinter mir“, sagte er zwinkernd. Braga musste schmunzeln und sah zu Johanna, die scheinbar gerade eine Salbe auftrug. Die Salbe schien kalt zu sein, denn Joel zuckte bei der ersten Berührung zusammen.
Die Norweger lachten und sagten etwas, wobei der Blackthorn wieder schmunzeln musste.
Einen fragenden Blick warf Johanna ihm zu. „Wer kalte Hände hat, besitzt ein warmes Herz“, übersetzte er die Worte des Mannes. „Wann könnt ihr aufbrechen?“, fragte er sie dann, wieder etwas ernster, „Exeter ist nicht weit und dort erwartet euch ein weiches Bett und gutes Essen“, er stützte sich leicht mit beiden Händen auf dem Stock ab, während sein Blick zwischen den beiden hin und herging, abwartend auf eine Reaktion.


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Re:Auf alten Pfaden      30.01.2019 17:08:05 --- 4 Monate, 3 Wochen her  
Sie war froh in die Kate zurück kehren zu können und danke leise der Bäuerin für die Gelegenheit ihren Lehrer hier zu versorgen, während der sein Obergewand auszog.

Seine Scherze halfen den Anblick der dunkelblau, violetten und grünlichen Stellen zu ertragen. "Einen neuen Rücken habe ich nicht zu bieten. Ihr müsst mit diesem auskommen, Meister, zumindest für einige Wochen, bis die Prellungen verheilt sind. Herrliche Farbtöne... könnte wenn es nach mir ginge dunkler sein, dann hätten wir weniger zu tun", scherzte sie sanft und tastete die blauen Flecken ab, seine Wirbelsäule und seine Rippen. Sie wollte sicher gehen, dass nichts gebrochen war. "Glück gehabt,", murmelte sie, während sie den letzten Rippenbogen los ließ und ihre Hände in die Tasche schob, um nach einer Salbe zu suchen. Arnika und Beinwell, dazu legte sie einen ziemlich langen Verband auf den Tisch. Sie wusste, dass der Gelehrte protestieren würde, aber für Johanna war es wichtig, dass sie ihn stützte.

Während der Blackthorn eintrat, war Johanna kurz abgelenkt gewesen. Seine Präsenz, ließ sie sich ein wenig entspannen, trotzdem störte sie nicht die Vertrautheit zwischen den Freunden, sondern fing an die Salbe aufzutragen und einzumassieren. Es würde sicherlich weh tun, aber das zog auch den Bluterguss schneller nach oben und ließ ihn sich schneller wieder verteilen. "Kalte Hände...", schmunzelte Johanna sacht und bedeutete dem Norweger sich einen Stuhl zu nehmen. "Aufbrechen können wir, wenn ich unseren Freund hier fertig behandelt und verbunden habe. Ein Bett? Na, das klingt, als würde es dem Rücken gut tun..." Man sah, welche Anstrengungen es sie kostete, die Salbe nach der Massage noch einmal dicker über die gereizten Hausstellen zu streichen. "Wehe Ihr meckert, Meister. Ihr wisst, dass die die blauen Flecke erst richtig schlimm werden, bevor sie besser werden." Und als sie fertig war damit, den Arzt zu versorgen, griff sie nach dem Verband und grinste den Norweger an. "Leih mir mal eine Hand, bitte." Sie ließ sich von ihm tatsächlich helfen, Joel zu verbinden und als sie den Verband feststeckte, lächelte Johanna erleichtert und reichte Joel sein Hemd, ehe ihr Blick auf dem Blackthorn hängen blieb. Sie seufzte leise und entschied sich dagegen, zu sprechen. "Also meinetwegen können wir... Falls es möglich ist, sollte Meister Joel aber nicht unbedingt zu Fuß gehen..."
 
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Re:Auf alten Pfaden      30.01.2019 20:29:50 --- 4 Monate, 3 Wochen her  
Braga und Joel tauschten plötzlich Blicke aus. Erst musste der eine beginnen zu schmunzeln. Dann folgte kurz darauf der andere. Braga kratzte sich am Nacken und lachte leise, ehe er durchatmete und wieder zu Johanna blickte.
Wir werden schon etwas finden“, sagte er beruhigend. Dann machte er sich daran, sich abzuwenden. Die Norweger, die hinter ihm standen, taten es ihm gleich und traten aus dem Haus heraus. Als die Tür sich hinter ihnen schloss, lehnte sich die Bauernfrau kurz an diese, ehe sie aufsah zu Johanna. „Er macht mir noch größere Angst, als dieser widerlich Metzger...“, kam es leise von ihr. Joel runzelte nur die Stirn und zog sich sein Obergewand wieder über.

Nur eine Stunde später hatten die Söldner ihre Sachen zusammengepackt. Ihre Arbeit hier war getan. Die anderen Dörfler ließen sie gänzlich in Frieden. Der Schrecken steckte noch vielen tief in den Knochen. Und es wäre besser, nie wieder an diesen Ort zurückkehren. Diese Geister sollten ruhen.
Joel gab man einen Platz auf einem Wagen, zusammen mit seiner neuen Gehilfin, den beiden Frauen und den Werkzeugen, die er noch in der Hütte stehen hatte. Die anderen Söldner waren allesamt mit Pferden dort, an dessen Spitze der Blackthorn ritt. Gemeinsam verließen sie dieses kleine Dorf und nahmen den schnellsten Weg Richtung Exeter. Dieser führte durch ein kleines Waldstück, ehe weite Felder und Wiesen diesen in den Hintergrund rückten.
Die Stadt selbst war eine blühende Stadt, die durch den Handel von Tuche und Zinn immer mehr an Bedeutung fand. Die Feste der Stadt war eine der Zeugnisse aus den Tagen des Königs Adelbert, der die Stadt selbst weiter befestigen ließ, ehe sie im späteren großen Krieg unter schweren Belagerungen der Iren und Schotten fiel. Doch diese Tage lagen lange zurück und unter englischer Herrschaft blühte Cornwall immer weiter auf.

Gemeinsam kamen sie durch das große Tor Stadt. Menschen machten Platz und beobachteten neugierig, wer mit einem so großen Gefolge die Stadt betrat. Der Wagen, auf dem Johanna, die Frauen und Joel saßen, bildete das Ende des Gefolges des Blackthorn. So führte dieser seine Leute durch die breiten Straßen der Stadt, bis sie bei einem großen Gebäude ankamen, dessen Innenhof sehr belebt war. Überall an den vielen Tischen und Bänken saßen Männer und Frauen. Sie tranken, sie aßen und scherzten. Das Fachwerkhaus, welches eine Herberge war, eine sehr bekannte Herberge dazu, hatte zwei Stockwerke und einen ausgebauten Dachboden. Es hatte einen Stall und ein Nebengebäude, wo die Knechte und Mägde schliefen.
Immer, wenn die Söldner so weit im Süden waren, war das Haus voll besetzt. Was natürlich dem Besitzer eine Menge Silber einspielte. Da es jedoch so viele Söldner gab, die sich Tag für Tag in Exeter einfanden, gab es ein separates Lager außerhalb der Stadt, wo die meisten von ihnen zu finden waren.

Braga schwang sich aus dem Sattel, während einige Knechte daran gingen, ihnen die Pferde abzunehmen, um sie unterzustellen. Er ging an den Reihen seiner Männer vorbei, direkt zum Wagen, wo gerade Joel abstieg. „Hier könnt ihr heute Nacht ruhen“, sagte er, während er Johanna seine Hand zum Halten anbot, „Ihr könnt in meinem Bett schlafen“, sagte er, worauf Joel ihn erschrocken ansah. Braga schmunzelte natürlich, „Ich werde die junge Frau sicher nicht belästigen, Joel!“, gab er streng zu, doch das Schmunzeln wich nicht von seinen Lippen.


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Re:Auf alten Pfaden      30.01.2019 21:59:56 --- 4 Monate, 3 Wochen her  
Sie betrachtete die Bauersfrau voller Missbilligung. "Komisch, mir macht er gar keine Angst. Ich weiß, dass ich sicher bin, wenn er in der Nähe ist", brachte sie ruhig hervor. Ein kurzes Zucken ihrer Schultern, ehe sie sich den Umhang wieder überstreifte und dem Meister den seinen reichte.

Eine Stunde später hatte Johanna gänzlich nichts mehr zu tun. Sie hatte Ediths Grab noch Blumen gebracht und nun saß sie in dem Wagen und hatte die Beine eng angezogen, den Umhang um sich gewickelt, die Kapuze über das rote Haar gezogen und wirkte teilnahmslos, als sie fortritten. Die anderen beiden Mädchen saßen verschüchtert da, während Johanna einfach nur den Blick nach vorn richtete. Je weiter sie das Dorf hinter sich ließen, umso mehr entspannte sie sich. Die anderen Mädchen schliefen ein, doch Johannas Blick war weiterhin auf den Weg vor ihnen gerichtet.

Als sie die Stadttore passierten, schloss sie einen Moment die Augen und genoss den Geruch nach Stadt und Wärme. Dann öffnete sie die Augen und beobachtete die Menschen, die voller Ehrfurcht zu dem Söldnerhauptmann und seinem Gefolge aufsahen. Ein Windstoß ließ Johannas Kapuze herunterwehen und sie atmete auf. Weit weg von diesem verfluchten Ort, ging es ihr besser.

Der Anblick der Herberge ließ sie kurz lächeln. Ein richtiges Bett, etwas warmes zu essen, ein oder zwei Becher Cider... das würde vielleicht helfen zu schlafen.

Sie weckte die anderen Mädchen, als sie hielten und ließ natürlich den Meister zuerst vom Wagen steigen, ehe sie sich daran machen wollte, herunter zu steigen. Jedoch erhielt sie bereits eine helfende Hand. "Danke schön", kam es leise über ihre Lippen, ehe sie kurz rot um die Nase wurde. In seinem Bett...? Sie könnte das eigentlich nicht tun. Andererseits wusste sie nicht, wie sie ein Auge zu tun sollte, wenn sie Angst hatte, dass im nächsten Moment wieder jemand versuchen würde, sie auf den Scheiterhaufen zu zerren. Niemand hatte das Glück und entging dem Feuer drei Mal.

Sie grinste also ihren Meister an und angelte aus ihrer Tasche eine Phiole, die sie ihm reichte. "Davon hab ich noch drei Stück. Eine für Euch und eine für den Blackthorn, sollte er etwas versuchen, das ich nicht will. Macht Euch keine Sorgen. Er hat mich schon vor weniger beschützt, als den Kerlen die versucht haben... uns umzubringen. Im Zweifel... hat er mich obendrein bewaffnet. Macht Euch keine Sorgen." Ein federleichtes Lächeln stahl sich auf ihre Lippen. Irgendwie fühlte sie sich sicherer, als sie gedacht hätte, das sie sich fühlen würde, wenn sie endlich das Dorf hinter sich gelassen hatten.
 
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Liam Blackthorn

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Re:Auf alten Pfaden      31.01.2019 17:16:06 --- 4 Monate, 3 Wochen her  
Braga schmunzelte nur, während Johanna dem Gelehrten diese Phiole reichte. Doch wurde seine Aufmerksamkeit gleich von den beiden gelenkt, als einer der Männer ihn rief. Sie prosteten ihn zu, lachten und scherzten. Braga hatte nicht einmal die Hälfte verstanden, von dem, was diese betrunkenen Schweine dort gefaselt hatten. Doch war es sowieso nichts Wichtiges. Wohl wieder etwas Schmutziges. Was dem Norweger sicherlich zum Schmunzeln gebracht hatte. Doch für Späße und jede Menge Alkohol war nachher noch Zeit. „Kommt, ich zeige euch eure Quartiere für die Nacht“, er nickte Richtung Tür und humpelte voran.

In der Herberge selbst war es erstaunlich leer. Scheinbar hatte der Herbergsvater dafür gesorgt, dass all diese Hunde draußen bleiben würden. Nur wenige Männer saßen hier, genossen ihr Bier bei einem ruhigen Würfelspiel und hielten sich von den Saufköpfen draußen fern.
Hier entlang“, sagte er, nachdem er sich rasch einen Überblick verschafft hatte. Die Treppe nach oben und schon waren sie im zweiten Stock des Gebäudes. Vor ihnen war ein langer Flur mit lauter Zimmern. Links ab war ein weiterer Gang, wo ebenfalls noch zwei Zimmer zu sehen waren.
Braga ging voran, humpelte leicht den Gang entlang und ignorierte das stöhnen aus einem der Zimmer. Nicht nur der Herbergsvater machte jetzt, wo die Söldner wieder in der Stadt waren, ein lukratives Geschäft.

Braga wurde langsam und mit der Spitze seines Gehstocks klopfte er dreimal gegen eine der Türen. „Dein Zimmer, Gelehrter“, sagte er. Er öffnete diesem sogar die Tür. Ein schönes Zimmer mit einem breiten Bett. Frisch bezogene Decken und Kissen. Geräumig und mit einer guten Aussicht auf den Markt, der zu dieser später werdenden Stunde immer leerer wurde. „Wir bleiben noch ein paar Tage“, sagte er, während Joel an ihm vorbeitrat, „Also genug Zeit, dich zu erholen, ehe wir abfahren“, Joel ließ seinen Blick durch das Zimmer schweifen, ehe er auf Bragas Worte aufmerksam wurde.
Abfahren?“, fragte er neugierig. Braga nickte ihm zu. „Ja, der König hat alle Adligen rufen lassen. Er will nach Florenz und dem König der Akriten und Italiener seine Vergeltung zeigen. Auch wir wurden angeworben. Und ich habe bereits angenommen“.
Überraschung lag auf den Zügen des Gelehrten. Nachdenklich kratzte er sich am Kopf und versuchte für einen Moment dem Blick des Blackthorn auszuweichen. „Ich muss sagen, ich habe hier schon genug Abenteuer erlebt“, gab er offen zu. Braga wusste dies. Aber der Gelehrte war für seinen Feldzug unabdinglich.
Ich brauche dich dort. Ich habe viele Feldscher in meinem Tross. Aber sie sind eben nur Feldscher, keine echten Gelehrten der Medizin. Und außerdem hast du nun eine gute Hilfe“, dabei sah er sie für einen kurzen Moment an. „Ruh dich aus. Nutze die Zeit. Schreibe ein Buch. Erfinde neue Wege der Medizin....aber wenn wir gehen, wirst du uns folgen“, dieses mal war die Stimme des Norwegers ernster. Sie klang mehr nach dem Befehlshaber, der er nun einmal war.
Joel nickte und schweigend setzte er sich auf die Bettkante. Braga hingegen griff nach der Tür und zog diese langsam zu, damit der Jude für einen Moment für sich sein konnte. Schweigend ging Braga an Johanna vorbei, nur eine Tür weiter zu seinem Zimmer. Dem Letzten in diesem langen Flur.
Und hier kannst du es dir gemütlich machen. Ihr habt viel durchgemacht. Finde Ruhe, finde Schlaf. Ich bleibe bei den Männern im unteren Schlafsaal. Wenn etwas ist, dann lass es mich oder den Herbergsvater Arnold wissen. Er ist ein guter Mann. Stets bemüht und eine ehrliche Haut. Deshalb genießt er meinen Schutz“, dabei öffnete er die Tür des Raumes. Dieser war ähnlich gut ausgestattet, wie das Zimmer des Gelehrten. Teilweise hatte Braga seine eigenen Sachen im Lager eingelagert. Der Ständer mit seiner Rüstung stand nahe der Wand gegenüber dem Bett. Seine Schuppenrüstung prangte an dieser. Auch sein Brillenhelm. Dahinter, an der Wand gelehnt, war ein Schwert, welches einen einfachen Lederwickel aufwies und aus einfachem Metall geschmiedet wurde. Man wusste, das Braga ein Axtkämpfer war. Nie hatte man ihn mit einem Schwert gesehen. Das Schild, welches neben dem Schwert ruhte, war bemalt mit einem Bären. Es war ein schweres Rundschild aus Lindenholz, dessen Rand mit dickem Rindsleder geschützt war. Der eiserne Buckel des Schildes hatte kleine Beulen, aber wirkte mit seinen großen Nieten noch immer grob und brutal.
In eine der hinteren Ecken des Raumes hatte er auf einer Kommode einen kleinen Altar eingerichtet, der seinen Göttern gewidmet war. Kleine Schüsseln, gefüllt mit verschiedenen Dingen, standen vor einem kleinen Bildnis, das einen Mann mit langem Stab und Krempenhut darstellte.
Schweigend betrat Braga den Raum und hielt kurz inne. „Ich schätze, es wird deine erste Reise in die ferne, oder?“, fragte er sie, während er leicht über seine Schulter blickte.


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Re:Auf alten Pfaden      31.01.2019 18:40:40 --- 4 Monate, 3 Wochen her  
Seufzend schüttelte Johanna den Kopf, als sie die Kerle rufen hörte. Sie würde einen Silbertaler darauf verwetten, dass sie Braga viel Spaß dabei wünschten die kleine Heilerin flach zu legen. Denen würde sie's schon zeigen!

"Danke", kam es leise zur Antwort. Johanna passte sich dem Tempo des Hauptmannes der Söldner an. Humpelte er schlimmer als sonst? Lag es an der langen Nacht und dem ebenso langen Tag oder fiel es ihr heute nur besonders auf, weil sie sonst nicht hinter ihm ging? Er musste ebenso lange wach sein, wie sie es war, vielleicht länger und Johanna besorgte auch das.

Selbst auf der Treppe nach oben, hielt Johanna sich hinter dem Blackthorn und schwieg ansonsten. Die Situation draußen und im Schankraum... das war ihr einfach nur vertraut und es tat ihr gut, zu wissen, dass sie hier sicher war.

Während Joel lieber nicht den Weg in die Ferne angetreten hätte, schlich sich auf ihre Züge etwas Hartes, Unnachgiebiges. Florenz... sie wusste, dass das in Italien lag und dass in Italien der Vatikan war... es würde ihr gefallen, wenn die Söldner sich an ein paar dieser elenden Katholiken gütlich taten. Ihr tat es zwar Leid, dass ihr Lehrer mitgehen musste, ob er denn wollte oder nicht, aber sie wusste, dass jeder, der in den Dienst des Blackthorn trat, das so lange tat, bis er starb. Mittlerweile wusste sie, was es bedeutete, sein Leben hin zu geben, für diese Gemeinschaft. Jeder der Männer hatte sein Leben riskiert bei dem schnellen Sturm auf das Dorf und Johanna wusste, dass die Zelte der Heiler im Krieg sicherlich interessant für die Angreifer waren, die hindurch kamen. Aber all das war Johanna lieber, als herumzusitzen und Angst zu haben.

"Gute Nacht, Meister", verabschiedete sie sich leise. Das war das Einzige, was sie zu der Unterredung beizutragen hatte. Was die Männer miteinander beredeten ging sie nichts an und sie würde den Meister der Medizin nicht in seinen Gedanken unterbrechen. Das wollte sie nicht. Er musste sich über vieles klar werden, so wie sie auch und auch er hatte viel durchgemacht.

Als der Blackthorn ihr die Tür zu seinem persönlichen Gemach öffnete, staunte sie nach dem Eintreten nicht schlecht. Alles wirkte auf sie, als würde dieser Raum eher eine Waffenkammer sein, etwas das sie nicht erwartet hatte. Ihr Blick blieb jedoch nur kurz an Schild, Schwert und Rüstung haften, wanderte über den Schrein und zu dem Bett, ehe sie sich herumdrehte und den Kopf schüttelte. "Meine erste Reise mit einem Schiff vermutlich. Cornwall kam mir neulich erst weit vor. Davor dachte ich, London sei weit." Sie schloss die Tür hinter ihm, strich über ihre verdreckte Kleidung und seufzte leise. "Ich hab mich selten so dreckig gefühlt...", erklang es und sie ließ sich auf dem Fußboden neben dem Bett nieder. "Wegen mir... du musst nicht dein Bett räumen. So viel Platz brauche ich gar nicht... Das du mich nicht unten bei den Saufnasen schlafen lassen willst, ehrt dich, aber wenn sie wissen, dass ich hier oben allein bin..." Sie zog die Schultern nach oben und machte eine hilflose Geste. "Bitte bleib. Wir trinken was... vermutlich du Met, ich Cider und... egal... lass mich nicht allein. Bitte." Sie hatte wirklich selten Angst gehabt. Aber allein die Vorstellung, allein in ein Zimmer gesperrt zu sein, abschließen zu müssen, damit niemand ihr zu nahe kam, ließ sie zittern und wie ein Häuflein Elend in sich zusammen sinken. Jetzt sah man es: So viel konnte sie nicht tragen. Solange es etwas zu tun gab, war sie stark, aber wenn sie allein war und man sie zur Untätigkeit zwang, kam alles zurück. Die Angst, dass die Flammen sie bei lebendigem Leibe erfassen könnten, während dieser Bastard zusah, die Angst, ihre Freunde sterben zu sehen, die Tatsache, dass sie Edith hatte sterben sehen... all das bahnte sich nun seinen Weg an die Oberfläche. Ihr ganzer Körper reagierte darauf, dass sie tatsächlich allein sein könnt, allein mit der Dunkelheit und ihren Gedanken.
 
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